Open Source im professionellen Einsatz

Bilddatenbanken im Test

Der richtige Rahmen

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Bilddatenbanken verwalten Fotos und veröffentlichen sie im Internet. Diese Bitparade greift aus der Masse des Angebots zwei leistungsfähige Anwendungen heraus: Photo Organizer und Gallery 2 bieten eine Fülle von Funktionen und bewähren sich auf unterschiedliche Art in der Praxis.

Bilder im Dateisystem verwalten ist mühsam: In Ordnerhierarchien geht bei wachsender Tiefe schnell die Übersicht verloren, jede Suche gestaltet sich aufwändig. Außerdem fehlt die Möglichkeit, den einzelnen Bildern Informationen wie Schlagwörter zuzuordnen. Abhilfe schaffen Bilddatenbanken, die die einzelnen Fotos über eine Datenbank mit Meta-Informationen verknüpfen.

Gute Systeme werten zudem die in den Bilddateien gespeicherten Exif- oder Iptc-Tags bereits beim Hochladen aus, sodass sich diese ebenfalls durchsuchen lassen. Das Datum der Aufnahme, das über die Bild-Tags ohne manuelle Eingabe in die Datenbank gelangt, steht zum Beispiel für Suchanfragen bereit.

Dieser Artikel stellt zwei leistungsfähige, in PHP programmierte Bilddatenbanken, Gallery 2 [1] und Photo Organizer [2], vor und vergleicht ihren Leistungsumfang. Beide Bilddatenbanksysteme nutzen zur Bedienung Webtechnologien: Da ein Browser für den Zugriff ausreicht, ist dies die einfachste Methode, um eine plattformübergreifend funktionierende Client-Server-Architektur innerhalb der Firma zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig eignen sich Web-basierte Bilddatenbanken auch für die Veröffentlichung im Internet.

Voraussetzungen

Für beide Bilddatenbanken empfiehlt sich der Einsatz eines Apache-2-Webservers, Photo Organizer setzt Version 2.0.40 oder höher zwingend voraus. Gallery 2 benötigt PHP entweder ab Version 4.3.0 oder 5.0.4, hat aber mit der PHP-Ausgabe 5.0.5 Schwierigkeiten. Photo Organizer läuft ab PHP 4.3.10. Hinsichtlich der Datenbanksysteme ist Gallery 2 flexibel: Es lässt sich mit MySQL ab 3, PostgreSQL ab 7, Oracle 9i oder 10g, IBM DB2 8.2 und Microsofts SQL Server betreiben. Photo Organizer arbeitet nur mit PostgreSQL ab Version 7.4 zusammen (Übersicht in Tabelle 1).

Zum Erzeugen von Vorschaubildern setzen Web-basierte Bilddatenbanksysteme entweder auf die PHP-Erweiterung GD oder rufen zu diesem Zweck externe Tools auf dem Serverrechner auf. Auch hier erweist sich Gallery 2 als die flexiblere Lösung: Die Software kann GD ab Version 2, Netpbm 9 oder neuer sowie Imagemagick ab Version 4 nutzen. Photo Organizer benötigt Imagemagick mindestens in Version 6.

Für den Test kam ein Rechner mit einer auf 2,4 GHz getakteten Intel-Celeron-CPU und 1 GByte RAM zum Einsatz. Alle erforderlichen Pakete lieferte das verwendete Suse 10.2. Gallery 2 kommt allerdings nicht mit der enthalten Imagemagick-Version 6.3.0.0 zurecht. Wie es scheint, gilt diese Einschränkung sogar für alle neueren Versionen von Imagemagick [3]. Mit der enthaltenen Netpbm-Version 10.26.22 lief die Software dagegen fehlerfrei.

Single- oder Multisite

Gallery 2 ist einfach zu installieren: Nach dem Aufsetzen der Serversoftware und Entpacken des Programmarchivs in ein vom Webserver verwaltetes Verzeichnis übernimmt ein Wizard im Webbrowser alles Weitere. Dieser testet die Voraussetzungen für jeden Installationsschritt und informiert den Benutzer über Fehlerquellen (Abbildung 1): Er stellt sicher, dass Gallery 2 Schreibrechte auf das Installationsverzeichnis hat und prüft Abhängigkeiten wie die zur PHP-Erweiterung Gettext, die Voraussetzung für die Internationalisierung ist. Die Einrichtung der Datenbank übernimmer vollständig der grafische Installer. Der Anwender hat bei Gallery 2 die Wahl zwischen einer Single- und einer Multisite-Installation. Bei der zweiten Variante verwaltet die Software mehrere Toplevel-Galerien und trennt diese auf Dateisystem- und Datenbankebene voneinander.

Abbildung 1: Der im Browser ablaufende Installer von Gallery 2 nimmt dem Anwender die gesamte Handarbeit ab und erkennt viele potenzielle Probleme, zum Beispiel fehlende Schreibrechte für den Repository-Ordner.

Abbildung 1: Der im Browser ablaufende Installer von Gallery 2 nimmt dem Anwender die gesamte Handarbeit ab und erkennt viele potenzielle Probleme, zum Beispiel fehlende Schreibrechte für den Repository-Ordner.

Bei der Installation von Photo Organizer ist für die Initialisierung der Datenbank Handarbeit nötig. Das Vorgehen ist unter [4] nachvollziehbar dokumentiert, die Anleitung geht allerdings nicht auf die Unterschiede der verschiedenen Linux-Distributionen ein: Unter Suse läuft Apache beispielsweise nicht - wie [4] voraussetzt - unter dem Benutzer »apache«, sondern als »wwwrun«, die entsprechende Gruppe ist nicht »apache«, sondern »www«.

Ist die Datenbank in PostgreSQL angelegt, übernimmt auch bei Photo Organizer ein Installer-Skript die weitere Arbeit (Abbildung 2). Photo Organizer unterstützt jedoch keine Multisite-Installationen mit einer Trennung der Datenbanken und der Verzeichnisse auf dem Server. Anders als bei Gallery 2 muss das Verzeichnis zum Speichern der Bilder außerdem für den Webserver erreichbar sein, was ein potenzielles Sicherheitsproblem darstellt.

Abbildung 2: Der Installer von Photo Organizer ist weniger ausgefeilt als der von Gallery 2. Nach dem Anlegen der Datenbanken auf der Konsole erledigt aber auch er alle weiteren Arbeitsschritte.

Abbildung 2: Der Installer von Photo Organizer ist weniger ausgefeilt als der von Gallery 2. Nach dem Anlegen der Datenbanken auf der Konsole erledigt aber auch er alle weiteren Arbeitsschritte.

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