Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 07/2006
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GUI-Programmierung mit Glade und Gazpacho

Aufgetischt

Moderne Benutzeroberflächen gestalten ist dank der GTK-Bibliothek keine Kunst für besondere Experten. Eine optisch ansprechende Gestaltung erfordert allerdings einiges an Arbeitszeit. Glade und Gazpacho gehen dem Programmierer in der GUI-Küche zur Hand.

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Der langwierigste und mitunter auch monotonste Teil bei der Erstellung von Software besteht aus Entwurf und Programmierung der grafischen Benutzeroberfläche (Graphical User Interface, GUI). Ohne Hilfen ist der Entwickler dazu gezwungen, jedes Oberflächenelement über entsprechende Codezeilen von Hand zu erzeugen. Das Ergebnis muss anschließend noch im laufenden Programm kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden.

Um diese Arbeiten etwas zu beschleunigen, haben sich die so genannten GUI-Builder auf dem Markt etabliert. Sie gestatten es dem Designer, die gewünschte Oberfläche wie in einem Malprogramm bequem zusammenzuklicken. Auf Knopfdruck generieren sie den passenden Quellcode. Da auf diese Weise schnell und einfach komplette grafische Oberflächen entstehen, eigenen sich derartige Werkzeuge ideal zur Herstellung von Prototypen.

Unter Linux konkurrieren zwei große GUI-Bibliotheken um die Gunst der Programmierer. Aus der skandinavischen Softwareschmiede Trolltech stammt Qt, dem bereits standardmäßig ein schicker GUI-Builder beiliegt (siehe den IDE-Artikel in diesem Heft). Benutzer der alternativen GTK-Bibliothek, auf der auch der Gnome-Desktop basiert, müssen sich selbst versorgen. Dank Glade [1] und seit seit kurzem auch dank Gazpacho [2] müssen aber auch sie nicht ganz auf komfortable Helfer verzichten.

Glade

Der älteste GUI-Builder für GTK hört auf den Namen Glade. Seine Entwicklung wurde bereits 1998 in Angriff genommen. Entsprechend ausgereift liegt er vielen größeren Distributionen standardmäßig bei. Nach seinem Start erscheinen die drei Fenster aus Abbildung 1. Das Hauptfenster links oben dient der Projektverwaltung und führt in seiner Liste alle zur neuen Oberfläche gehörigen (Dialog-)Fenster. Die Werkzeugleiste (Palette) links enthält auf mehreren Registern alle GUI-Elemente, die man später in den Fenstern platzieren darf.

Abbildung 1: Die verschiedenen Fenster von Glade nach dem Erstellen eines neuen GTK-Projekts und dem Erzeugen eines Fensters mit dem Namen »window1«.

Das letzte vom GUI-Builder geöffnete Fenster listet alle Eigenschaften des gerade aktiven Elements auf. Mit nur wenigen Mausklicks lässt sich dort beispielsweise die Beschriftung einer Schaltfläche ändern. In Glade führt der Weg zu einem eigenen GTK-Programm normalerweise über ein neues Projekt (»Project |New«) und das Anlegen eines Hauptfensters. Für Letzteres genügt bereits ein Klick auf das oberste linke Symbol im Register »GTK+ Basic« der Palette.

Gazpacho

Das noch recht junge Gazpacho-Projekt hat sich auf die Fahnen geschrieben, einen "extrem leicht zu bedienenden GUI-Designer" für GTK zu entwickeln. Dass die Entwickler dabei massiv bei Glade abgekupfert haben, geben sie auf der Homepage nicht nur freiwillig zu, man sieht es dem Endprodukt auch deutlich an (Abbildung 2).

Abbildung 2: Das Hauptfenster von Gazpacho ähnelt in seinem Aufbau den Fenstern von Glade. Hier wurde mit dem entsprechenden Werkzeug ein neues Fenster erstellt, das bereits eine horizontalen Box enthält.

Die Bedienung des alternativen GUI-Designers ist mit der von Glade fast identisch. Der einzige optische Unterschied besteht in der Kapselung aller Bedienelemente in einem einzigen großen Hauptfenster. Gazpacho selbst ist vollständig in Python geschrieben. Daher muss das Werkzeug nicht erst kompiliert werden, benötigt aber neben der Skriptsprache selbst noch die Py-GTK-Bibliothek.

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