Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2003

Borlands Kylix 3: Rapid Application Development unter Linux

Entwicklerlösung

Mit der aktuellen Version 3 hat Kylix an Stabilität und Reife gewonnen und unterstützt jetzt auch C++. Beim Import alter Projekte und Tools zur Zusammenarbeit von Entwicklern hapert es aber noch.

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Borlands Entwicklungswerkzeuge gehören unter Windows schon seit jeher zum beliebtesten Handwerkszeug für viele Programmierer, vor allem Delphi und der C++-Builder. Kylix in Version 3 fasst beide Sprachen in einer Entwicklungsumgebung für Linux zusammen. Anhänger des Rapid Application Development haben nun noch mehr Grund zum Umstieg.

Basis von Kylix sind die Borland-eigenen Delphi- und C++-Compiler nebst Debugger sowie die Komponenten-Bibliothek CLX (Component Library for Cross Platform). Die mit ihr geschriebenen Programme lassen sich mit nur wenigen Anpassungen auch unter den Windows-Pendants kompilieren. Aus diesem Grund ist Kylix ideal für die Crossplattform-Entwicklung geeignet.

Beim Test ging es um das Enterprise-Paket von Kylix 3. Es ist die größte und mit etwa 3000 Euro auch die teuerste Ausbaustufe. Eine Leistungsebene tiefer trifft man auf die mit 325 Euro deutlich günstigere Professional-Variante. Wer gar kein Geld ausgeben will, kann gegen eine Registrierung bei Borland die so genannte Open Edition kostenlos aus dem Internet herunterladen.

Open Edition zum Reinschnuppern

Die Open Edition ist im Umfang der mitgelieferten Komponenten deutlich eingeschränkt, die mit ihr erstellten Programme dürfen auch nur unter der GPL vertrieben werden. Damit aber noch nicht genug: Wie bei der Vorversion wird die erstellte Software wohl auch dieses Mal bei jedem Programmstart einen Zwangshinweis einblenden (Abbildung 1). Zum Reinschnuppern bleibt die Open Edition dennoch ideal.

Die Enterprise- und Professional-Varianten werden mit einer identischen, gedruckten Dokumentation ausgeliefert. Dazu zählen das ausführliche Entwicklerhandbuch, eine Delphi-Sprachreferenz, eine kurze Einführung sowie ein Poster im A2-Format mit der gesamten Objekthierarchie der CLX. Benutzer der Open Edition müssen auf die PDF-Versionen und die Online-Hilfe ausweichen. Eine detaillierte Aufstellung aller Unterschiede ist auf den Internetseiten von Borland zu finden.[1]

Auf der Verpackung fallen sofort zwei neue Merkmale auf: Zum einen spricht Kylix jetzt C++, zum anderen ziert ein großer silberner Aufkleber mit der Aufschrift ".NET interoperability" die Vorderseite. Tatsächliche .NET-Bestandteile wie beispielsweise Teile des Frameworks sind zwar nicht vorhanden. Dennoch ist das Paket in der Lage, eine .NET-Umgebung einzubinden. Das klappt jedoch dank der mitgelieferten Komponenten für die gängigen Standardprotokolle wie SOAP auch mit anderen Komponentenmodellen für plattformübergreifende, verteilte Anwendungen, zum Beispiel Corba oder Sun One.

In diesem Zusammenhang soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch ein anderer Begriff, mit dem Borland offensiv wirbt, den Entwickler etwas in die Irre führt: Das Two-Way-Tool Kylix erstellt zwar im Hintergrund den Programmcode für die grafisch zusammengeklickten Komponenten, umgekehrt wird jedoch bei einer Änderung des Quellcodes die grafische Ansicht nicht automatisch aktualisiert.

Eineinhalb-Wege-Tool

Entfernt man beispielsweise die von Kylix generierte Definition einer Schaltfläche, bleibt das grafische Pendant auf dem Formular erhalten. Versucht man das Programm in diesem Zustand auszuführen, bedankt es sich mit der Ausgabe einer Exception. Obwohl es für den Compiler leicht wäre, diesen Fehler bereits zur Übersetzungszeit zu entlarven, läuft die Kompilierung ohne jegliche Fehlermeldung durch.

Nach der mit fast 500 MByte recht großen Komplettinstallation - wohlgemerkt ohne die Beigaben wie Applikations-Server und Datenbank - liegen auf der Platte zwei Entwicklungsumgebungen. Jeweils genau eine für Delphi- und C++-Programmierer - sie gleichen sich fast wie ein Ei dem anderen. Wer simultan mit Delphi und C++-Programmen arbeitet, hantiert also im schlimmsten Fall mit zwei IDEs gleichzeitig. Aussehen und Position der Fenster sind aber frei bestimmbar. Durch die Speicherung der Anordnungen in Profilen, liegt für verschiedene Situationen stets das passende Layout parat.

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