Wie ansprechend Briefe, Plakate oder Zeitschriften wirken, hängt stark von den benutzen Schriften ab. Schriftenmanager-Software erleichtert die Auswahl – auch aus Hunderten und Tausenden von Fonts
Spätestens wenn das Schriftenmenü der Textverarbeitung oder des Grafikprogramms nicht mehr auf den Bildschirm passt, ist es Zeit für einen Fontmanager. Zwar beeinträchtigen viele installierte Schriften unter X-Window nicht die Performance – der X-Server lädt nur von Anwendungen angeforderte Schriften in den Arbeitsspeicher. Das ist wohl der Grund, warum es unter Linux lange keine Programme wie den Linotype Fontexplorer [1] für Mac OS gab. Wer jedoch Layouts erstellt, braucht zugleich große Auswahl und schnellen Überblick.
Hier leisten Programme wie Fonty Python [2] und Fontmatrix [3] gute Dienste. Sie gruppieren Schriften, installieren und deinstallieren die Gruppen mit einem Mausklick und zeigen eine Schriftartenvorschau an. Einen eigenwilligen Ansatz geht Fontlinge [4]: Es installiert und deinstalliert Fonts nicht, sortiert die Schriften aber in einem Dateirepository, in dem sie unter ausdruckskräftigen Namen stehen. Ein Vorschau stellt die Software als Webinterface bereit, sie eignet sich daher als zentraler Fontserver im Netz.
KDE und Gnome
Gnome bis Version 2.21 und KDE bringen einfache Bordmittel für die Schrifteninstalltion mit. Das ab Gnome 2.22 eingesetzte Gvfs unterstützt das Protokoll »fonts:/« noch nicht, sodass Nautilus zurzeit nicht mehr als Schriftmanager taugt. Obwohl die Schriftartenübersicht in KDE, besonders in KDE 4, gut gestaltet und auch ein Filterfeld zum Durchsuchen der Liste vorhanden ist, fehlt nach wie vor eine wichtige Funktion: Die Schriften lassen sich nicht gruppieren. Der Anwender kann Vorauswahlen von Schriften also nicht speichern.
Fonty Python
Fonty Python beschränkt sich auf das Wesentliche und geht im Funktionsumfang nur an einer Stelle über das KDE-4-Fontmodul hinaus. Der Benutzer kann Fontgruppen anlegen, denen er beliebig viele Schriftarten hinzufügt. Die Software zeigt die Schriftdateien eines Ordners im Filesystem als Liste aus Vorschauen mit einstellbarem Beispieltext an.
Aktiviert der Anwender auf der rechten Programmfensterseite eine der Pogs genannten Gruppen (Abbildung 1), kann er ihr Schriftarten aus der angezeigten Liste hinzufügen. Die Schriften einer Gruppe lassen sich installieren oder deinstallieren, gültig jedoch nur für den aktuellen Benutzer. Systemweit installierte Schriften verwaltet Fonty Python nicht. Wählt der Anwender am linken Fensterrand statt »Folders« den Reiter »Pogs« (Schriftgruppen) aus, zeigt die Vorschau statt der Schriftarten im Dateisystem den Inhalt der Gruppen.

Abbildung 1: Fonty Python zeigt Vorschauen aller Schriften in einem Verzeichnis, fasst sie zu Gruppen zusammen und installiert oder deinstalliert die Fontgruppen.
Schlicht und einfach
Auf dieser Basis ist einfaches Fontmanagement möglich. Der Designer sucht sich die Schriftarten aus, die er für ein bestimmtes Projekt benötigt, und fasst sie zu einer Gruppe zusammen. Oder er gruppiert Schriften nach Themen wie Schriften für Lauftext oder Schriften für dekorative Überschriften.
Die Schriftenliste lässt sich über das »Filter«-Feld durchsuchen. Fonty Python teilt die Schriftenliste in Seiten ein, die sich mit »Vor«- und »Zurück«-Buttons oder einem Dropdownfeld mit der Seitenzahl ansteuern lassen, was bei langen Listen praktischer ist als eine lange Liste mit Bildlaufleiste. Eine »Purge«-Funktion überprüft außerdem die Schriftgruppen auf nicht mehr im Dateisystem vorhandene Fonts.
Passend zur Größe seines Bildschirms kann der Benutzer einstellen, wie viele Schriftarten auf einer Vorschauseite stehen. Deutsch- und türkischsprachige Benutzer können auch einen Vorschautext mit Umlauten eingeben.
Die in Python mit Hilfe von Wx-Widgets realisierte Software läuft flott und stabil, das Interface ist übersichtlich. Mit seiner Gruppenfunktion überbietet Fonty Python den Fontinstaller von KDE mit einer Funktion, die Designern, die eine Auswahl aus Hunderten oder Tausenden Schriften treffen müssen, das Leben erleichtert. Dass der Software jedoch einige Funktionen fehlen, die für eine effiziente Auswahl von Schriften hilfreich sind, beweist die wesentlich umfangreichere Anwendung Fontmatrix.
Fontmatrix
Fontmatrix listet die verwalteten Schriften in einer Vorschau und als alphabetisch sortierte, durchsuchbaren Liste (Abbildung 2) auf. In der Liste lassen sich auch die Schnitte einer Schrift (Fett, Kursiv und andere) wie in der Baumansicht eines Dateiexplorers ausklappen. Die Schriftartenvorschau hebt die Schriftfamilien durch wechselnde Hintergrundfarben hervor. Zum Gruppieren fügt Fontmatrix den einzelnen Schriften mehrere Tags hinzu. Tags kombiniert das Programm zu Tag-Sammlungen, sodass Fontmatrix beliebig tiefe Hierarchien abbildet. Schriften lassen sich einzeln sowie nach Tags und Tag-Sammlungen installieren und deinstallieren.

Abbildung 2: Fontmatrix bietet von einer Übersicht über alle Zeichen bis hin zur Vorschau für Opentype-Features alles, was sich der Benutzer wünscht.
Die systemweiten Schriften sind, wenn Fontmatrix mit normalen Benutzerrechten läuft, anders als in der KDE-Systemverwaltung nicht deinstallierbar. Den dort gewählten Weg, nach dem Root-Passwort zu fragen, beschreitet Fontmatrix nicht. Um zusätzlich zu den für die Desktop-Umgebung nötigen Systemfonts Schriften für das Layout zu installieren, ist dies aber auch nicht nötig.
Auch bei der Vorschau geht der Funktionsumfang weit über Fonty Python hinaus: Wer eine Schrift in der alphabetischen Liste oder der Vorschau auswählt, dem zeigt Fontmatrix zunächst eine umfangreiche Übersicht, die Informationen zum Urheberrecht, die Internetadresse des Herstellers und die Anzahl der in der Schriftart vorhanden Zeichen und Zeichenkodierungen enthält.
Nützlich gerade für deutsche Designer ist die konfigurierbare Beispieltext-Vorschau, bei der er beliebig viele Vorschautexte selbst eingeben darf. So gewinnt er anhand eines längeren Textblocks nicht nur einen Eindruck, wie gleichmäßig der Grauwert der Schriftart ausfällt, eine kurze Übersicht über alle Zeichen des Alphabets zeigt ihm auch auf einen Blick, ob die Schrift Umlaute enthält.
Redmond einmal offen
Besonders zeichnet sich die Schriftenvorschau in Fontmatrix dadurch aus, dass sie Opentype-Features ein- und ausschaltet. Opentype ist eingetragenes Warenzeichen von Microsoft, Redmond erlaubt aber die Portierung auf andere Betriebssysteme. Mac OS X, QT 4 und Pango, die Schrift-Engine von GTK, unterstützen die Opentype-Schrifterweiterungen, viele Fonthersteller nutzen sie.
Zunächst ist es für Designer wichtig zu wissen, ob eine Schrift Opentype-Features enthält, und wenn ja welche. Schriften mit Opentype-Features dürfen neben der Datei-Endung »odt« auch die Endung »tt« tragen und sind dann äußerlich nicht von gewöhnlichen Truetype-Schriften zu unterscheiden. Auskunft darüber gibt in Fontmatrix eine Liste unterhalb der Schriftvorschau.
Zwar verwirren die dort benutzten Kürzel zunächst jene Anwender, die sich nicht mit der Opentype-Spezifikation [5] auskennen. Auf den zweiten Blick erschließt sich der Aufbau als Baumstruktur (Abbildung 3) jedoch recht leicht: Unterhalb des Zweiges »GPOS« liegen alle Einstellungen, die mit der Positionierung der Zeichen zu tun haben. Auf der nächsten Ebene folgen Kürzel für die Sprachen, die die in der Baumstruktur folgenden Einstellungen betreffen.

Abbildung 3: Auch wenn die Kürzel der Opentype-Features verwirren, findet der Benutzer in der Baumansicht von Fontmatrix mit den »DFLT«-Einträgen in den beiden Root-Zweigen »GPOS« und »GSUB« schnell die wesentlichen Funktionen, das sprachabhängige Kerning und die Ligaturen.
Für deutsche Texte relevante Opentype-Features lassen sich über den Zweig »DFLT | default« ausprobieren. Gewöhnlich finden sich hier die Einträge »kern – Kerning«, »mark – Mark Positioning« und »mkmk – Mark to Mark Positioning«. Während Mark- und Mark-to-Mark-Positioning sich nur bei Kombinationen von Grundzeichen und darübergelegten Markierungen in Sprachen wie Arabisch auswirken, bringen die Latin-spezifischen Kerning-Optionen zum Beispiel eine Verbesserung beim Abstand des Kommas zu vorausgehenden Buchstaben.
Noch mehr Verwirrung
Verwirrend ist zunächst auch, dass es bei der Schriftartenvorschau eine »Absolute Ansicht« und eine »FreeType-Ansicht« gibt. Dahinter verbergen sich zwei verschiedene Rendering-Engines, nämlich QT 4 und Freetype. Freetype genießt den Ruf, besonders bei kleineren Schriften die Buchstaben exakter zu positionieren, was aber nur Anwendern von darauf basierender Software etwas nutzt. Daher hat auch die QT-4-basierte Vorschauvariante ihren Berechtigung, zumal sie die Schrift auf Wunsch automatisch genau so skaliert, dass der gesamte Vorschautext in das Fenster passt.
Der andere Root-Zweig in der Liste der Opentype-Features, »GSUB«, enthält Funktionen, die Zeichen durch andere ersetzen. Der prominenteste Fall sind die »Standard Ligatures«, also Paare wie fi, fl oder ff. Eine Schrift-Engine mit Opentype-Unterstützung tauscht die Paare automatisch gegen vom Schriftdesigner entworfene Kombizeichen aus. Besonders gut sichtbar ist der Effekt bei der Buchstabenkombination fi, bei der der i-Punkt mit dem Haken des f verschmilzt (Abbildung 4).

Abbildung 4: Fontmatrix benutzt in der Vorschau auf Wunsch Ligaturen, also eigens entworfene Zeichen für bestimmte Buchstabenpaare.
Inhaltsangabe
Neben der Optik einer Schrift ist auch wichtig zu wissen, welche Schriftzeichen (Glyphen) ein Font enthält. Freien Schriften aus dem Internet fehlen teilweise bereits die Umlaute. Einen vergleichsweise großen Teil des Unicode-Zeichenumfangs deckt die Dejavu-Schriftfamilie [6] ab. Außerdem lassen sich mit ihr auch die gängigen Opentype-Features ausprobieren. In Fontmatrix wählt der Benutzer die Unicode-Zeichengruppen wie »Basis Latein«, »Latein erweitert« oder »Währungssymbole« über eine Dropdown-Liste. Für jeden ausgewählten Bereich zeigt die Software den Prozentsatz der Abdeckung der in Unicode möglichen Zeichen.
Eine Schrift für sich gesondert betrachten reicht beim Layouten nicht aus. Oft ist das Zusammenspiel wichtig, zum Beispiel zwischen Fließtext, Überschriften und Kastentext. Bei Schriften mit vielen Varianten (Schriftschnitten) ist es auch hilfreich, diese miteinander zu vergleichen. Abbildung 5 zeigt die Schnitte »Book«, »Book-2« und »Book-3« der Schrift »DejaVuSerif«. Im Reiter »Spielwiese« setzt Fontmatrix den im Eingabefeld am oberen Unterfensterrand eingegebenen Text in der ausgewählten Schrift auf eine leere Seite. Über einen mit der Maus aufgezogenen Auswahlrahmen sind einzelne oder mehrere Buchstaben markierbar und frei auf der Seite zu verschieben – ideal zum Experimentieren.

Abbildung 5: Als einziger Fontmanager erlaubt es Fontmatrix, die Vorschauen mehrerer Schriftarten gezielt zu kombinieren.
Ein PDF mit Beispieltexten aller installierten Schriften oder der Fonts mit bestimmten Tags oder aus einer Tag-Gruppe verspricht die Schriftbuch-Funktion. Im Test exportierte die Software allerdings sowohl in der stabilen Version 0.4.2 als auch in der SVN-Version vom 30. Mai lediglich die Überschriften mit dem Namen der Schrift, der eigentliche Vorschautext blieb leer. Leider fiel die Software auch sonst durch geringe Stabilität auf, sie stürzte im Test einige Male ab.
Fontlinge
Fontlinge bricht den üblichen Rahmen, es handelt es sich nicht um eine Desktop- oder Webanwendung. Als in PHP geschriebene Software kann Fontlinge auch keine Schriften installieren oder deinstallieren. Die Anwendung baut lediglich ein lokal oder auch online verfügbares Schriftenrepository inklusive einer als Webseite verfügbaren Vorschau auf. Außer PHP benötigt Fontlinge dafür Imagemagick sowie eine Reihe von Perl-Modulen und MySQL [7].
Die Installation besteht aus ein Reihe von auf der Konsole auszuführenden Schritten. Sind der Webserver, PHP und alle erforderlichen Perl-Module installiert, ist die Software zunächst mit Make zu übersetzen. Unterstützt von einem mitgelieferten Skript füllt der Administrator dann das Webroot-Verzeichnis und legt eine MySQL-Datenbank an.
Handarbeit
Nach der eigentlichen Installtion baut »fontlinge_base –copy /Pfad zu Schriftdateien« das eigentliche Schriftenrepository auf. Es enthält Folder mit den Buchstaben des Alphabets, in denen die eigentlichen Schriftdateien liegen. Fontlinge sorgt dafür, dass die Dateinamen die Schriftfamilie und den Schriftschnitt wiedergeben (Abbildung 6). Schon für sich genommen ist das Repository als leicht zu sichernde Datenbasis nützlich.

Abbildung 6: Ordnung im Dateisystem: Fontlinge-Repositories sortieren die Schriften alphabetisch, die Software sorgt für aussagekräftige Dateinamen.
Einen besseren Überblick über das Fontrepository bietet jedoch das Webfrontend. Um es mit dem Repository zu synchronisieren, sind einige Konsolenaufrufe nötig, die erneut durchzuführen sind, wenn der Anwender dem Repository neue Schriften hinzufügt. Dabei bietet die Software allerdings nützliche Funktionen wie das Überprüfen auf doppelt vorhandene Schriften oder das Vereinigen von in getrennten Dateien vorliegenden Postscript-Fonts aus derselben Familie.
Gut geordnet
Die fertige Schriftenliste im Webbrowser fällt übersichtlich aus (Abbildung 7). Der deutsche Programmautor hat von vornherein an Umlaute gedacht. Ähnlich wie in Fontmatrix zeigt die Software eine Übersicht über Copyright- und andere in die Schriftdatei eingebettete Informationen an. Die Schriften lassen sich Gruppen zuordnen, die allerdings nicht über das GUI, sondern nur in der Datenbank veränderbar sind.

Abbildung 7: Schriften online: Die Webanwendung Fontlinge stellt Schriften inklusive Vorschau im Browser zur Verfügung.
In der Funktionalität eingeschränkt ist allerdings die Vorschau: Fontlinge begnügt sich mit einer Anzeige der häufigsten Schriftzeichen, einer Liste der Groß- und Kleinbuchstaben sowie einer Vorschau der deutschen Sonderzeichen. Die Vorschautexte sind nur über Eingriff in den Quelltext zu verändern.
Schriften-Browser
Die Suchfunktion benutzt SQL-Syntax, die Anfrage »%Vera%« findet also die Schrift Bitstream Vera. Schriften lassen sich einer über die grafische Oberfläche nicht veränderbaren Liste von Kategorien hinzufügen. Der Programmautor stellt eine umfangreiche Liste von Zuordnungen aus dem Jahr 2003 bereit. Beim Test mit einer Reihe von frei im Internet verfügbaren Fonts landete jedoch die Mehrzahl in der Kategorie »Unknown«. Wer will, kann die Schriftenvorschau auf eine Kategorie einschränken. Praktisch ist der Schriftartendownload, der einzelne Fonts in der Schriftenvorschau als Archive für den Download anbietet.
Mit Ausnahme der Installation respektive Deinstallation bietet Fontlinge damit einen ähnlichen Funktionsumfang wie Fonty Python. Die Stärke der Software liegt darin, dass ein Server über ein Webfrontend alle über das Netz verbundenen Rechner mit einem zentral verwalteten Schriftenrepository versorgt. Für die Installation der heruntergeladenen Schriften liefern moderne Betriebssysteme eigene Mechanismen.
Typensache
Wer nur schnellen Überblick über die auf seinem System installierten Schriften gewinnen oder behalten möchte, benutzt am besten den schlanken und stabilen Fontmanager Fonty Python. Die Vorschau aller in einer Schriftart enthaltenen Zeichen, die Unterstützung der Opentype-Features und die Möglichkeit, Schriftarten auch anhand von längeren Vorschautexten zu begutachten, machen Fontmatrix zu einem wichtigen Werkzeug für alle Anwender mit professionellen Ansprüchen – mit gelegentlichen Abstürzen ist aber zu rechnen. Fontlinge ist für die Schriftverwaltung auf dem Desktop zu umständlich, spielt seine Stärken als Webanwendung aber im Netz aus.
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Infos |
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[1] Linotype Fontexplorer: [http://www.linotype.com/fontexplorerX] [2] Fonty Python: [https://savannah.nongnu.org/projects/fontypython] [3] Fontmatrix: [http://fontmatrix.net] [4] Fontlinge: [http://www.gesindel.de] [5] Opentype-Spezifikation: [http://www.microsoft.com/typography/otspec/] [6] Dejavu: [http://dejavu.sourceforge.net] [7] Fontlinge-Installation: [http://www.gesindel.de/page_require_german.php] |






