Wer keinen eigenen Elite Proxy betreiben will, ist auf Dienstleister angewiesen. Perfect-Privacy bietet ein komplettes Paket an Zugangsdiensten, die dem technisch versierten Anwender zu einer digitalen Rüstung verhelfen.
Anbieter von VPN-Tunneln, Proxyservern via SOCKS, HTTP oder gar SSH-Tunnel sind nicht neu. Der Markt ist groß und wirbt mit Schlagworten wie “No-Logging”-Zugängen, “Double-VPNs” und Discount-Preisen. Doch als genauso leer wie vollmundig stellen sich die Versprechen oft heraus, reicht doch manchmal bereits das einfache Protokollieren der Verbindungsdauer um einen Nutzer zu identifizieren.
Anderes verspricht Perfect Privacy. Der Anbieter hat zwar im Gegensatz zur Konkurrenz nur ein einziges Angebot, lässt aber schon damit den Abonnenten jeden der angebotenen Dienste nutzen. Beschränkungen beim übertragenen Datenvolumen oder dem Maximaldurchsatz gibt es nicht. Dafür schlägt der Dienst auch mit für die Branche eher hohen Preisen zu Buche. Knapp 25 Euro kostet eine Mitgliedschaft bei monatlicher, ungefähr 15 Euro bei jährlicher Zahlung.
PPTP, SSH, SOCKS, Open VPN, Elite Proxy
Für diesen Preis erhält der sicherheitsbewusste Kunde Zugang zu 24 Standorten in 20 Ländern. Alle Locations bieten Open VPN, PPTP, SSH-Tunnel, SOCKS-Proxy und Squid Elite Proxys (vergleiche den Artikel im Linux-Magazin). Die meisten Standorte bieten auch L2TP/IPSec, das besonders für Firmen mit kommerziellen Routern interessant ist.
Die verfügbare Bandbreite der betriebenen Server reicht von 10 MBit/s in exotischeren Ländern wie Israel bis zu mehrfach 1 GBit/s in Deutschland, den Niederlanden und den USA. Das Sicherheitskonzept ermöglicht den Aufbau einer kompletten Verschleierungskette von der Bezahlung mittels anonymer Zahlungsmittel wie WebMoney oder Paysafecard, bis zur Kaskadierung von zwei oder mehr Diensten.
Der Benutzer verbindet sich mit einem der VPN-Server und erhält dabei im Gegensatz zu vielen anderen Anbietern keine öffentliche, sondern eine private IP-Adresse. Die Verbindung zum Internet erfolgt über Netzwerkadressumsetzung (NAT). Firewallregeln erlauben allen ausgehenden Datenverkehr, aber keinen eingehenden, bis auf einige wenige weitergeleitete Ports.
Alle VPN-Benutzer teilen sich dabei eine einzige öffentliche IP-Adresse. Sobald mehr als ein Benutzer mit dem VPN-Server verbunden ist, lassen sich diese nicht mehr durch Messen des Datenvolumens eindeutig ermitteln, wenn Angreifer den internetzugang des Kunden überwachen. Wem das nicht reicht, der baut durch den VPN-Tunnel einfach einen SSH-Tunnel zu einem zweiten Server und von dort eine Verbindung zu einem der Squid Proxys auf einem dritten Server auf, das sollte den meisten Ansprüchen genügen.
Bis zu 400 MBit/s im Test
Die angebotenen Squid Proxys arbeiten als Elite Proxy und leiten zur Identifikation nutzbare HTTP-Header nicht weiter und verschleiern Betriebssystem und Browserversion. Darüber hinaus findet sich im Mitgliederbereich ein SSH-Client für Windows sowie umfassende Konfigurationsdateien und Konfigurationshilfen.
Im Gegensatz zu diversen anderen VPN-Anbietern überrascht Perfect-Privacy im Test mit einem überdurchschnittlich hohem Durchsatz. Über zwei Server mit GBit-Anbindung (einer in Deutschland, einer in Frankreich) erreichte der Autor nahezu 400 MBit/s. Der Overhead ist angesichts der Brandbreite typischer Internetzugänge marginal und liegt je nach gewähltem Server zwischen 2 und 5 Prozent. Umfangreiche und fachlich fundierte Auskunft zur Leistungsreduzierung findet sich in der FAQ des Anbieters.
Tor und Informationspolitik
Perfect Privacy betreibt auf seinen Servern auch TOR-Nodes, die sowohl die Anonymität erhöhen, sollte man einmal der einzige VPN-Nutzer auf dem jeweiligen System sein, als auch dem Benutzer das Gefühl geben sollen, etwas für die freie Meinungsäußerung gespendet zu haben.
Der Anbieter mit Standorten in 18 Ländern hatte bereits mit Beschlagnahmen aufgrund Missbrauchs durch einzelne Kunden zu tun und hat seine Benutzer innerhalb von wenigen Stunden über das eigene Forum davon in Kenntnis gesetzt.
Abstriche im Komfort müssen Anwender derzeit noch an einigen Stellen in Kauf nehmen. Das fängt bei pseudo-zufällig weitergeleiteten Ports an und hört bei fehlender Automatisierbarkeit der Anmeldung auf den VPN-Servern und SSH-Tunneln unter Linux/FreeBSD auf. Die Ports lassen sich noch mit einem kleinen Skript berechnen, doch um das vergebene Login und Passwort sicher zu speichern ist größerer Aufwand nötig. Außerdem sind mangels Identifikationsmerkmalen für potenzielle Spammer die Ports für den Mailversand auf den meisten Servern gesperrt.






