Warum Linux? Server-Admins antworten

Auf der Linux-Mailingliste für Dells Poweredge-Server fragte letztens jemand, warum und wofür die Mitlesenden eigentlich Linux benutzen. Die Kurzfassung kam prompt: “quelloffen, günstiger, effizienter zu administrieren, verlässlich und sicher”. Rums. Na gut. Aber es gab auch ausführlichere Statements.

Einer der Server-Hüter argumentiert zum Beispiel nur vordergründig idealistisch, im Grunde aber pragmatisch. Schön, dass Pragmatismus solchen Spaß machen kann. “Erstens sind wir selbst ein gemeinnütziges Projekt, das von Freiwilligen lebt. Wir lieben deshalb Communities. Als Projekt haben wir auch stets wenig Geld und freuen uns, dass wir das selbst machen können.” Als zweiten Grund verargumentiert der Schreiber das Gefühl, etwas zurückgeben zu können. Eigentlich folgt das aus seinem ersten Motiv: Open-Source-Projekte ermöglichen ihren Betrieb, also zeigt sich die Gruppe dankbar und gibt selbst ihre Skripte, Patches und Anwendungen frei. “So läuft der Hase”, schließt der Schreiber vergnügt.

Ein weiterer bemerkt, dass das Setup zwar manchmal lange dauert – sprich, endlose Frickelei – aber dafür laufe das System ununterbrochen und stabil, wenn es erstmal läuft. An den Aspekt des Frickelns schließt sich noch ein zweites eher emotionales Argument an. Es bestehe im Maintenance-Pensum kein Unterschied zwischen Linux und Windows, schreibt ein anderer. In beiden Fällen brauche man Leute, die sich gut auskennen, und Zeit, um sich der Bedürfnisse und Möglichkeiten anzunehmen. Den Unterschied benennt nun der Schreiber augenzwinkernd: “Windows ist einfach, zu einfach um Spaß zu haben. Open Source ist eine schöne Herausforderung, um Männer und Jungs zu unterschieden.”

Ein nächster berichtet, dass bei einem seiner Jobs in der Anwendungsentwicklung Linux Verwendung fand. Es stieß auf Begeisterung, weil alle nötigen Tools einfach schon zur Hand waren. Im “Front-Office” hingegen fühlten sich die Geschäftsführung und die Büroangestellten mit Windows wohler. Das war um das Jahr 2000 herum. Heute habe Ubuntu dazu verholfen, Linux viel näher an den Endanwender heranzubringen. Das größte Hindernis sieht der Schreiber heute nicht beim Betriebssystem, sondern in der Erwartungshaltung der Anwender. Denn diese hat nach dieser Darstellung Schieflage: “Viele Leute erinnern sioch an die DOS-Zeiten. Aber wenige erinnern sich, welche Lernkurve auch für Windows nötig war.”

Damit spielt der Autor auf die Tatsache an, dass die meisten Leute Windows seit Jahren kennen und mit jeder neuen Version besser kennenlernten. Von Linux wünschen sie sich, dass es genau so funktioniert wie Windows – sonst müssen sie ganz von vorne anfangen. Ein kluger Gedanke, der wahrscheinlich kaum jemandem bewusst ist.

Derselbe Schreiber verspricht sich in dieser Angelegenheit Rückenwind von den zunehmenden Migrationen von Unternehmens-Desktops. Denn: “Arbeitszeit ist immer noch eine der teuersten Ressourcen im Unternehmen. Je weniger Training für den Umstieg nötig ist, desto niedriger ist die Hemmschwelle für Firmen aller Größe, und desto attraktiver werden Open-Source-Lösungen.”

Das schöne an diesen Statements: Ich halte sie für belastbar. Sie kommen nicht aus dem Munde eines Consultants, der Open-Source-Produkte verkauft, oder aus der Feder eines Open-Source-Aktivisten, der andere “zum Guten” konvertieren will. Jedenfalls bekleiden die Schreiber für die Zeit, in der sie auf dieser Mailingliste posten, nicht diese Rolle. Hier geht es die meiste Zeit um “Dell 1950 – CentOS 4.7 x86_64 – Repo install error” oder “IO error issues with MD3000i on Linux”. Daher bewegen sich die Leute hier in einem weitgehend nüchternen Kontext. Und die Antworten auf die eingangs gestellte Frage erscheinen dementsprechend aus der Erfahrung und Praxis heraus, ungekünstelt und authentisch.

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