Linuxtag 2008: Max Spevack über Fedora und die Community
01.06.2008
Auf dem Linuxtag in Berlin erläuterte der Europa-Gesandte von Red Hat und ehemalige Fedora-Projektleiter Max Spevack, wie Red Hat mit der Fedora-Community zusammenarbeitet. Der Linuxtag ist nach vier Tagen am Samstag, 31. Mai, zu Ende gegangen.
Unter dem Titel "Community-Architektur für Spaß und Profit" führte Spevack aus, wie das Projekt zwei Herren gleichzeitig diene: einerseits der Community, andererseits der Firma Red Hat, die mit dem Fedora-Code ihre Enterprise-Distributionen füttert. Der kürzlich von Red Hat nach Europa geschickte Community-Entwickler machte deutlich, dass quelloffene Software "ein Geschäftsmodell" sei, dass dazu aber auch Community-Entwicklung gehöre. "Nur den Quellcode auf die Webseite zu stellen, macht eine Firma nicht zu einer Open-Source-Firma", sagte er in seinem Vortrag.
Spevack erläuterte die Motivation Red Hats, das Fedora-Projekt zu unterstützen. So gebe es mehrere Kriterien, nach denen Red Hat entscheide, ob ein Software-Vorhaben bei Fedora unterstützenswert sei. Ein solches Vorhaben müsse demnach zum Beispiel die Unternehmensgeschäfte erweitern, also zum Beispiel neue Märkte erschließen, oder zumindest bestehende Produkte "dramatisch verbessern", nannte Spevack als erstes Kriterium. Als Beispiele führte er den Netzwerk-Setup-Assistenten Cobbler an, den Red Hat entwickelte und der das projektseitige Authentisierungstool Func benutzt. Offen argumentierte Spevack, dass die Firma mit solchen Beispielen Millionen Dollar spart, die ansonsten in die Arbeitszeit von angestellten Entwicklern geflossen wären.

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Max Spevack war bis März Fedora-Projektleiter. Jetzt arbeitet er weiter als Red-Hat-Beschäftigter und soll im EMEA-Raum unter anderem die Community fördern.
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Wenn Red Hat in Community-Projekte investiert, müsse als zweites Kriterium geringen Kosten ein hoher Nutzwert gegenüberstehen, sagte Spevack weiter. Als Beispiel nannte er die Paketverwaltung bei Fedora. Demnach würden zur Zeit 1500 Pakete von 200 Festangestellten betreut, 3200 Pakete von 300 Community-Mitgliedern und 600 Pakete seien in gemischter Betreuung. Dies ermöglichte das öffentliche Build-System, das unter Red Hats technischer Anführung gestanden habe. "Die Firma hat das nur einige Gehälter gekostet, die sie ohnehin hätte bezahlen müssen, sowie einiges an Hardware, worunter sich viel externe Spenden befanden, und ein paar Snacks für die Leute auf der FUDCon", rechnete er vor.
Aber nach Spevacks Ausführungen zählen nicht nur harte Geschäftszahlen, sondern auch menschliche Motive wie Ehrgeiz und Begeisterung. So sei ein weiteres Kriterium, ob es außerhalb der Firma Leute gebe, denen stark an einem Projektvorhaben gelegen sei. Ein Beispiel dafür ist das Revisor-Projekt, das Tools zum Remixen und Verändern von Fedora bereitstellt. "Alles was wir getan haben, war, es ihnen zu erlauben und sie zu ermutigen", beschrieb er Red Hats Anteil an dem Projekt.
Zum Schluss stellte Spevack "Schlüsselfragen für das Community-Management" vor. Ein Community-Manager müsse sich demnach fragen, ob das Projekt nicht unbedingt schnell, aber kontinuierlich vorwärts kommt. Außerdem sollten die Entwickler eines Projekts das Gefühl haben, dass ihre Arbeit Bedeutung trägt. Messen könne man das daran, ob sie Dank erhalten, ob ihre Anliegen Beachtung finden und ob bei den Entwicklern untereinander sowie zwischen Entwicklern und Unternehmen Kontakte bestünden. Daher habe die FUDCon ihr Gewicht, sagte Spevack.
Max Spevack hat im Februar 2008 das Amt des Fedora-Projektleiters abgegeben, das der Linux-Distributor aus North Carolina als Vollzeitjob bezahlt. Er blieb Red-Hat-Beschäftigter und wirkt jetzt für die EMEA-Community (Europa, Naher Osten, Afrika). Das Fedora-Projekt hat unter dem neuen Projektleiter Paul Frields erst kürzlich etwas mehr Souveränität gegenüber dem Unternehmen gewonnen (mehr dazu auf Linux-Magazin Online).
(Anika Kehrer)
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