Open Source im professionellen Einsatz

EU-Lizenz EUPL in 22 Sprachen

04.02.2008

Die EU-eigene freie Lizenz European Union Public License (EUPL) v1.0 liegt jetzt in 22 europäischen Sprachen vor.

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Die Übertragung in die Landessprachen sei eine schwierige Angelegenheit gewesen, berichtet die an der EUPL-Entwicklung beteiligte Rechtsprofessorin Séverine Dusollier von der belgischen Universität Namur. Während der Übersetzung der Anfang 2007 fertig gestellten Lizenz sei sie in manchen Fällen an das nationale Recht angepasst worden. Schwierig sei gewesen, den Ausgangstext trotzdem nicht umzuschreiben: Damit hätte alles wieder von vorne anfangen müssen, sagte die Juristin. Sie hofft, dass die nun lokalisierte Lizenz für die europäischen Open-Source-Entwickler von Wert sein wird: "Ich hoffe die EUPL nimmt einen Rang ebenbürtig mit den anderen Software-Lizenzen ein, und entwickelt sich nicht zur bloßen gesetzlichen Kuriosität", zitiert IDABC die Professorin.

Auf einem vor Kurzem abgehaltenen Workshop erörterte das IDABC-Projekt, ob die nun ein Jahr junge EUPL (v1.0) eines Upgrades bedürfe. Zu dem Workshop hatte das europäische Projekt anlässlich des Lizenz-Jubiläums ausgewählte Juristen und Open-Source-Vetreter nach Brüssel eingeladen. Zur Debatte, so das Ergebnis, steht nun erstens, ob die EUPL auch auf Software as a Service (SaaS) anwendbar sein solle. Zweitens stellt man sich die Frage, wie die EUPL mit dynamischem Linking umgehen soll.

Die EUPL ist außerhalb der bürokratischen Sphäre etwas umstritten. Der Vorsitzende der FSFE äußerte sich schon im Jahr 2005 betont diplomatisch, aber skeptisch zu dem europäischen Unterfangen, eine weitere Lizenz zu schaffen, die auch noch inkompatibel zu der GPL ist. Als die EUPL dann fertig war, gab es Irritationen zum Beispiel darüber, dass eine neue Version der Lizenz automatisch in Kraft tritt, ohne dass der Lizenzgeber dies etwa durch ein Opt-Out verhindern kann. In der deutschen Version heißt es entsprechend in Abschnitt 13: "Neue Versionen werden mit einer eindeutigen Versionsnummer veröffentlicht. Die neue Version tritt Ihnen gegenüber in Kraft, sobald Sie von der Publikation Kenntnis erlangen." Im Unterschied dazu ist es bei der GPL möglich, nur eine bestimmte Version zu benennen, die auch gültig bleibt, wenn es neue Versionen gibt (zum Beispiel "GPLv2" versus "GPLv2 or later").

Die Europäische Kommission hat ihre europäische Lizenz auf die eigenen Software-Projekte angewendet, also die Internet-Kommunikationssoftware IPM (Interactive Policy Making) und die Groupware Circa (Communication and Information Resource Centre Administrator). Der Leiter des seit 2006 zusammen getretenen EUPL-Teams, Karel de Vriendt, sieht in der EUPL eine Erleichterung für europäische Regierungen, die sich für Open Source einsetzen wollen. Der Teamleiter ist laut IDABC-Mitteilung der Meinung, dass Open Source eine gute Strategie für Zusammenarbeit ist, dass Open Source die Softwarequalität verbessert und schließlich die Kosten reduziert.

Das IDABC-Programm gehört zu der europäischen Kommission. Es soll Bürger und Unternehmen über grenzübergreifende öffentliche Dienste informieren. Neben den Open-Source-News unterhält es eine Reihe weiterer Unterprojekte. IDABC steht für Interoperable Delivery of European eGovernment Services to public Administrations, Business and Citizens. Das Programm dauert von 2005 bis 2009. Ihr Engagement für Open Source stellten die Projektleiterin Barbara Held und ein Mitarbeiter auch auf dem Linuxtag 2007 in Berlin vor (Linux-Magazin Online berichtete).

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