Open Source im professionellen Einsatz

Blockstack-Browser für ein dezentrales Internet

24.05.2017

Nicht weniger als die fundamentalen Probleme des Internet beheben wollen die Macher des Blockstack-Browser, einer Blockchain-basierten dezentralen Internetanwendung.

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"Das Internet ist kaputt", schreiben die Open-Source-Entwickler in ihrer Ankündigung des Blockstack-Browsers und berufen sich dabei auf Tim Berners-Lee und Vint Cerf. Sie kritisieren vor allem das "Corporate Internet". Sie bemängeln, das eine handvoll Unternehmen die Informationen und Dienstleistungen von Milliarden Nutzern weltweit verwaltet und kontrolliert. Die Nutzer bezahlen diese Dienstleistungen nicht nur mit Geld, sondern geben zugleich ihre persönlichen Daten preis und die Kontrolle über ihre Inhalte ab.

Der Blockstack-Browser soll ein Gegenrezept darstellen: Mit ihm wollen die Entwickler ein dezentrales Internet aufbauen, mit Inhalten, die direkt in der Blockchain hängen und die User quasi selbst hosten. Da die Blockchain dezentral funktioniert, braucht dieses Internet keine zentralen Server, auf schaltet auf diese Weise die bisherigen Vermittler, also die oben genannten Dienste-Anbieter, aus.

Noch steckt Blockstack Browser in den Kinderschuhen und richtet sich vor allem an Entwickler und technisch Interessierte. Die Blockstack-Entwickler setzen auf Virtualchains, ein Protokoll, mit dem sich Dienste auf existierende Blockchains aufsetzen lassen, die auch dann weiterleben, wenn die Blockchains darunter sterben oder manipuliert werden. Mit Virtualschain lassen sich Replicated State Machines definieren und an die Blockchain binden. Das so genannte Atlas Network, ein "unstrukturiertes Peer-Netzwerk", speichert Informationen zu den Inhalten, die aus Namen und Zone Files bestehen. Per Konzept bewahren sämtliche Knoten eine hundertprozentige Kopie dieser Daten auf. Als Speicher verwendet die Chain Dropbox, Amazon S3 und Google Drive als "dumb drives" und legt dort Daten verschlüsselt ab. Weitere Details liefern die Whitepaper zu Blockstack und Virtualchains.

Technisch betrachtet klingt das nach einem spannenden Konzept, und was die Dominanz von Unternehmen im aktuellen Internet angeht, haben die Entwickler ohne Frage recht. Doch springen ein paar konzeptionelle Fragen schnell ins Auge. Ein dezentrales Netzwerk, dass die "Mittelsmänner" ausschalten will, muss zugleich deren Dienstleistungen übernehmen. Facebook, Amazon, Google und Co. spionieren die Nutzer zwar aus und entziehen ihnen zum Teil die Kontrolle, sind aber vor allem erfolgreich, weil sie einen einfachen Zugang zu Dienstleistungen und Informationen ermöglichen. Ob das den Blockchain-Alternativen gelingt, ist keinesfalls sicher.

Wer einen Blick auf die Software werfen möchte, findet diese auf Github. Die Webseite bietet zudem Tutorials für Entwickler, Videos und Papers zum Thema an.

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