Aus Linux-Magazin 06/2003

Die Zukunft der LPI-Schulungen in Deutschland und anderswo

LPI-Gründer Evan Leibovitch will die Prüfungspreise senken.

Das Linux Professional Institute erweitert sein Prüfungsangebot, arbeitet intensiv an der Lokalisierung der Prüfungen und möchte insbesondere für Entwicklungsländer die Gebühren senken. Über all diese Punkte sprach das Linux-Magazin mit LPI-Gründer Evan Leibovitch.

LPI-Gründer Evan Leibovitch will die Prüfungspreise senken.

LPI-Gründer Evan Leibovitch will die Prüfungspreise senken.

Mit etwa 1200 Prüfungen pro Monat, abgelegt in 7000 Prüfungszentren weltweit, darf sich das Linux Professional Institute (LPI) den Titel “IT-Zertifikat mit der schnellsten Wachstumsrate der Welt” anheften. Trotz CeBIT-Auftritt lässt aber die Sichtbarkeit der kanadischen Non-Profit-Organisation hierzulande noch zu wünschen übrig. Das soll sich jetzt ändern – mit der Gründung des Ablegers “LPI deutsch” für die deutschsprachigen Länder.

“Um Haftungsproblemen aus dem Weg zu gehen”, so Gründungsmitglied Torsten Scheck, “werden wir einen Verein ,LPI german e.V.` gründen, der eine hundertprozentige GmbH-Tochter hat.” Die Details der Vereins- und GmbH-Satzung befanden sich zu Redaktionsschluss in Arbeit, auch der Stichtag für die Gründung stand noch nicht endgültig fest.

Am Rande des Linux Business Forums am 2. April in München sprach das Linux-Magazin mit dem LPI-Präsidenten Evan Leibovitch über weitere Pläne. Nicht nur sollen bis zum Linuxtag im Juli die bisherigen Prüfungen in deutscher Sprache vorliegen, auch die ersten Prüfungsinhalte einer neuen, dritten Stufe plant das LPI bis Ende 2003 herauszugeben.

Anders als die Level 1 und 2 lässt Level 3 eine Spezialisierung zu: Zwei Module nach Wahl werden zum Erlangen dieses Zertifikats genügen. Als erste Wahlfächer sollen dieses Jahr die Themen “Sicherheit” und “Computing-Cluster” fertig ausgearbeitet sein, wenn alles gut geht, auch noch “Datenbanken”.

Einsteiger-Test

Für die fernere Zukunft denkt das LPI bereits an einen Level 0, der sich an Anwender statt Sysadmins wendet. Doch hier stellt sich erst recht die Frage nach den Schwerpunkten: KDE oder Gnome, Open Office oder Abiword, Mozilla oder Konqueror? Noch ist über dieses heiße Eisen nichts entschieden.

Fest steht hingegen, dass die Open-Source-Welt demnächst um Software “Made by LPI” reicher wird: Zum Relaunch der Website [http://www.lpi.org/] (rund um den Erscheinungstermin dieses Hefts geplant) soll “t7e” (kurz für “Translation”) unter der GPL veröffentlicht werden. Das Perl/Mason-basierte Tool entstand, um die 13 verschiedensprachigen Versionen der Site synchron zu halten.

LPI baut Software

Noch in den ersten Entwicklungszügen befindet sich dagegen Xamnet, so der interne Name der LPI-eigenen Testsoftware, die nicht nur Multiple Choice, sondern auch assimilatives Testen unterstützen soll. Diese Testmethode, die unter anderem bei Red Hats RHCE-Prüfungen zum Einsatz kommt, integriert auch praktisch zu lösende Aufgaben in die Prüfungen.

Dabei hofft das LPI, dass die Entwicklung der Software, sobald sie unter der GPL releast wird, in einen Community-Prozess übergeht. Bereits jetzt, so Leibovitch, gäbe es Angebote von Mathematikern, bei der Implementierung der adaptiven Testmethode mitzuwirken. Hier hängt die zweite Frage von der Antwort auf die erste ab, die dritte von der Antwort auf die zweite und so weiter. So lässt sich statistisch bereits nach zehn Antworten feststellen, ob der Prüfling besteht – und Spicken ist fast ausgeschlossen.

Doch die Entwicklung einer eigenen Prüfungssoftware ist nicht der einzige Schritt hin zu größerer Unabhängigkeit von den kommerziellen Prüfungsanbietern Pearson Virtual University Enterprises (VUE) und Thomson Prometric. Diese sorgen für den relativ hohen Preis ab 100 US-Dollar pro Prüfung, der in Entwicklungs- und Schwellenländern wie China oder Indien einem Monatsgehalt oder mehr entspricht.

Auch Arbeitslose, denen das Arbeitsamt hierzulande den Kurs, nicht aber die Prüfungen bezahlt, würden profitieren, könnte das LPI diese für angestrebte 25 Euro anbieten. Um dieses Ziel zu erreichen, “sehen wir uns im Moment nach Möglichkeiten um, ein Netzwerk für die Prüfungsabnahme in einem Community-Prozess aufzubauen”, so Leibovitch.

Der springende Punkt dabei ist die Vertrauenswürdigkeit der Prüfer. Als Erstes kämen daher Kooperationen mit Universitäten und Hochschulen in Frage, die ohnehin über Erfahrungen im Abnehmen von Prüfungen verfügen.

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