Open Source im professionellen Einsatz

ODF endlich auch in Europa: Junge Europapolitiker kämpfen für freie Software und Standards

24.07.2014

In einer offiziellen Anfrage an die EU-Kommission fragt der schwedische Europaparlamentarier Max Andersson (Grüne), wann die EU ernsthaft auf den freien Dokumentstandard ODF umsteigt. Die Anfrage ist der aktuelle Stand einer ganzen Serie von Open-Source-Anträgen, die Andersson zusammen mit Kollegen wie der deutschen Piratin Julia Reda derzeit forciert.

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"Großen Nutzen soll ODF den britischen Bürgern bringen", zitiert Andersson in seinem schriftlichen Antrag an die EU-Kommission aus der Begründung der britischen Regierung, mit der diese den Schwenk weg von Microsofts proprietären Dateiformaten rechtfertigt (Das Linux-Magazin berichtete ).

Der Schwede fordert eine Positionierung ein, ob und wann die Kommssion denn ebenfalls - sowohl intern oder auch in der externen Kommunikation -  das Open Document Format ODF zu verwenden gedenke. Die Anfrage nennt zwei Studien als Belege für die vielen Probleme, Risiken und Inkompatibilitäten, die Microsofts proprietäre Alternative OOXML mit sich bringt, vor allem in Sachen Nachhaltigkeit, etwa bei der  Dokumentarchivierung.

Mehr Support, Ausbau von AT4AM

Gleichzeitig laufen weitere Anträge, die Andersson zusammen mit der deutschen Piratin Julia Reda gestellt hat. Das Open-Source-Observatory der Europäischen Kommission Joinup berichtet beispielsweise von dem Antrag , freie Software-Communities stärker zu unterstützen, um die Qualität und Sicherheit der vom Parlament verwendeten Tools zu erhöhen (auch unter dem Eindruck von Heartbleed).

Außerdem soll das Projekt AT4AM , eine Open-Source-Software des Europäischen Parlaments, die der Versionskontrolle und Kollaboration beim Erstellen von Gesetzestexten dient, stärker als bisher gefördert werden. "OSS-Communities und öffenltiche Einrichtungen verfolgen doch die gleichen Ziele", erklärt Reda. Ein weiterer Antrag von ihr sieht vor, 3-D-Drucker in öffentlichen Bibliotheken zu fördern und öffentliche Austauschplattformen für die Shapefiles zu schaffen.

Julia Reda, MdEP für die Piraten kämpft für Open Source

"Open Source ist ganz grundsätzlich förderungswürdig"

Im Linux-Magazin-Interview präzisiert die Piratin: „Wenn sich die Politik mit Sicherheitstechnologie beschäftigt, geht es meistens um Überwachung oder Zensur. Ein tatsächlicher Sicherheitsgewinn ist damit meist nicht verbunden. Stattdessen soll die öffentliche Hand lieber Technologien fördern, die mit der Sicherheit auch die Autonomie der Menschen erhöhen."

Und genau das sei bei Open-Source-Software eben der Fall. "Deshalb habe ich ein EU-Pilotprojekt vorgeschlagen, mit dem die Europäische Union die Open Source-Community mit 2,3 Millionen Euro bei Sicherheitsanalysen von freier Software unterstützen soll."

Mehr Audits und Anreize

Die Förderung habe auch das Ziel, mehr Menschen an der Entwicklung von Open-Source-Software zu beteiligen: "Aktive Communities wie die der Linux-Entwicklerinnen und -Entwickler sollen durch die EU gefördert werden, damit ihr Einsatz noch breitere Wirkung in der Gesellschaft entfalten kann." Das würde ja auch, so Reda, den Anreiz für öffentliche Stellen erhöhen, Open-Source-Software einzusetzen: "Die Überprüfung des Codes stärkt das Vertrauen in die Sicherheit der Software."

Reda sitzt für die Piratenpartei im Europäischen Parlament und arbeitet im  Rechtsausschuss, Binnenmarktsausschuss und Petitionsausschuss, hauptsächlich an den Themen Urheberrecht und andere Immaterialgüterrechte, Offene Standards und Telekommunikation.

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