Open Source im professionellen Einsatz

Limux und Kolab: Auch die Münchner Groupware wird Open Source

25.02.2014

Heute noch wollen die Beteiligten an die Öffentlichkeit: Kolab hat die Ausschreibung für die Münchner Groupware-Lösung gewonnen. Drei Firmen - das Münchner Systemhaus ESG, der Bremer E-Learning-Spezialist Szenaris sowie der Schweizer Enterprise-Groupware-Hersteller Kolab Systems werden das Open-Source-Projekt bis Jahresende umsetzen.

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Nach dem erfolgreichen Abschluss der Limux-Migration und kleineren Ausrutschern von Lokalpolitikern ist jetzt auch klar, welche Firmen denn das Rennen in der Groupware-Ausschreibung namens Migmak gemacht haben: Kolab kommt auf Windows, Linux und mobilen Geräten zum Einsatz.

Schwierige Kommunikation

Den Namen der Elektroniksystem- und Logistik-GmbH (ESG) hatten in Sachen Migmak wohl nur die wenigsten Beobachter auf der Rechnung. Dennoch tauchte das Münchner Systemhaus bereits im Dezember in den Papieren des bayerischen Ausschreibungsinformationssystems auf, und galt seitdem somit offiziell als Gewinner der Migmak-Ausschreibung. Mit letzterer suchte die bayerische Landeshauptstadt eine für sie maßgeschneiderte Groupware für Mail, Kalender und die Anbindung mobiler Geräte. Doch sowohl Limux, ESG als auch alle anderen Beteiligten vermochten den Namen des gewählten Softwareproduktes auf Nachfrage nicht zu bestätigen, selbst als die Spatzen bereits "Kolab" von den Münchner Dächern pfiffen.

"Neutrale Ausschreibung"

Erstmals bestätigen nun heute morgen alle Beteiligten: Kolab wird die Groupware der Wahl für das Limux-Projekt, und das nicht, weil die Lösung Open Source ist, sondern angesichts der Kombination aus Funktionsumfang und Sicherheit.

Zusammen mit Szenaris, einer GmbH mit Schwerpunkt E-Learning, und ESG werde Kolab Systems Limux mit einem Groupware-Client und dem ursprünglich für das BSI entwickelten Kollaborationsserver ausstatten.

Kontact Enterprise auf Windows und Linux

Der Kolab Client Kontact stammt aus dem KDE-Projekt, ist in Qt geschrieben und läuft neben Linux auch auf Windows und mobilen Geräten. Dazu bietet der Server diverse Protokolle zum Anbinden von beispielsweise Apple-Clients und anderen Geräten oder Softwareprodukten.

"Begleitet wird die Umstellung und Migration durch ein maßgeschneidertes Schulungskonzept inklusive webbasiertem Lernmodul, das durch die Szenaris GmbH aus Bremen erarbeitet und durchgeführt wird." heißt es in einer Pressemitteilung, die dem Linux-Magazin vorab vorliegt.

Greve (Kolab): Funktionen und Sicherheit gab den Ausschlag

Die Schweizer Kolab Systems AG soll die Software bereitstellen, dazu wird das Enterprise-Produkt Kolab Enterprise Edition zum Einsatz kommen, das interessierte Leser hier online testen können.

Georg Greve, Chief Executive Officer bei Kolab Systems, nannte auf Nachfrage des Linux-Magazins drei wichtige Punkte, die bei der Entscheidung für Kolab die Hauptrolle gespielt hätten: "Erstens: Es gab keine politische Open-Source-Vorgabe, jeder, sogar Microsoft, hätte gewinnen können. Wir sind der Meinung: Der Beste hat gewonnen. Zweitens spielte das Thema Sicherheit eine Hauptrolle. Nicht nur, aber gerade aus Security-Gesichtspunkten war die Ausschreibung vorbildlich. Und drittens wird das KDE auf Windows und mobilen Geräten einen enormen Schub geben, als erste große öffentlich sichtbare Referenz."

Bis Jahresende auf tausenden Rechnern

KDE PIM, also Kontact mit all seinen Backends und Modulen werde bis Jahresende auf Windows und Linux bis Jahresende im Produktiveinsatz laufen, "gleichberechtigt mit dem Webclient und der Mobilanbindung", erklärte Greve. Kolab hat erst letzte Woche Version 3.2 veröffentlicht, die neben Jabber-Integration auch zahlreiche Bugfixes und Verbesserungen mitbringt (Linux-Magazin berichtete).

Für die nächste Major-Release von KDE stehen die Frameworks 5 auf der Liste (ein Artikel dazu kommt im nächsten Linux-Magazin 04/14), die die umfangreichen Bibliotheken des Linux-Desktops vereinheitlichen, straffen und besser mit Qt integrieren (nicht zuletzt ebenfalls wegen mobiler Geräte und Windows-Maschinen). Bereits die kommende Version von KDE (4.13) wird die  semantische Desktop-Suchengine Nepomuk durch einen Nachfolger namens Baloo ablösen. Auch hier ist einer der Gründe für den Schwenk die schlechte Performanz auf mobilen oder Windows-Geräten, andererseits stießen aber die Entwickler mit dem RDF-Format für die semantische Suche regelmäßig an Grenzen. Mehr dazu im KDE-Blog von Vishesh Handa (KDE Search project maintainer), Stuart Jarvis, Aaron Seigo and Jos Poortvliet

Update: Mitterweile ist eine Pressemitteilung von Kolab Systems erschienen, die den Sachverhalt bestätigt und erläutert (englische Version)

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