Kernel 2.6.30 ist da
10.06.2009
Dank der bereits implementierten Fastboot-Patches erkennt der neue Kernel 2.6.30 Festplatten nun parallel und daher deutlich schneller. Ext 4 arbeitet sicherer, Ext 3 steigert die Performance.
Kernel 2.6.30 bringt neben Tux als altem-neuen Maskottchen auch Änderungen für das neue Dateisystem Ext 4 mit. Vorangegangen war eine längere Diskussion, da der recht verzögerte Schreibzyklus des Dateisystems zu Datenverlust bei einigen Anwendern führte. Während Ted Ts'o das Problem eher auf der Seite der Anwendungsentwickler lokalisierte, drängte Linus Torvalds darauf, es im Kernel zu beheben und nicht die Entwickler in die Pflicht zu nehmen. Insofern reduziert der neue Kernel die Performance etwas zugunsten der Datensicherheit. Zugleich haben die Kernel-Entwickler an der Performance von Ext 3 geschraubt: Hänger sollten bei bestimmten Lese- und Schreibprozessen nun deutlich seltener auftreten, auch der Scheduler wurde überarbeitet.
Beschleunigungen und Verbesserungen gibt es bei den Bootzeiten des Kernels: Alain Knaff fügte dem Kernel Unterstützung für die Kompressionsalgorithmen LZMA und BZIP2 hinzu, so dass er Kernel-Images und InitramFS schneller entpackt - dank LZMA gar um 33 Prozent. Zugleich hat Arjan van de Ven das Scannen der angehängten Laufwerke über das SCSI- und Libata-Subsystem deutlich beschleunigt, indem der Kernel diese nun nicht mehr sequenziell sondern parallel abarbeitet. Diese Fastboot-Option steckte bereits in der vorangegangenen Kernel-Version, ist nun jedoch standardmäßig aktiv. Aus dem Schlummer des Suspend wacht der neue Kernel dank eines souveräneren Umgangs mit Interrupts in der aktuellen Version besser auf.
Auf der Grafikebene unterstützt der neue Kernel GPUs der R6xx/R7xx-Reihe von ATI. Die ATI Mobility Radeon RV350 verfügt nun über eine funktionierende Suspend/Resume-Funktion. Intels IGD-Chipsatz unterstützt der Kernel ebenso wie VGA Hotplugging für die 945er Chipsatz-Familie. Im Drahtlosbereich unterstützt der neue Kernel bereits den vorgeschlagenen Standard IEEE 802.11w, der den Austausch von Verwaltungsdaten zwischen WLANs absichern soll. Da diese Daten ungeschützt über den Äther gehen, bilden sie potenzielle Angriffspunkte für Hacker. Zudem gibt es wieder ein paar unterstützte WLAN-Karten mehr, etwa von Atheros (AR9170), von Atmel (AT76c50x) sowie die PRISM54-Chips, die in Nokias N800/N810-Geräten stecken. Andere WLAN-Treiber, unter anderem die von Ralink, kommen nun besser mit dem Energiesparen und dem Aufbau von Mesh-Netzwerken zurecht.
Von NTT kommt das neue Dateisystem NILFS2, das "log-structured" arbeitet: Es schreibt Aktualisierungen von Daten und Metadaten in einem kontinuierlichen Strom (Log) auf die gesamte Festplatte, die es als fortlaufende Liste von Blöcken wahrnimmt. Änderungen und Ergänzungen bearbeitet NILFS2 also sequenziell, wodurch Abstürze das Dateisystem nicht beeinträchtigen. Zugleich erlaubt es, Schnappschüsse von vergangenen Schreibprozessen zu erzeugen, auf die der Admin zugreifen kann. Des weiteren kommt POHMELFS zum Einsatz, das ein netzwerkbasiertes Dateisystem anbietet. Es liest äußerst performante Daten von verschiedenen Quellen und beherrscht das simultane Schreiben auf mehrere Netzwerkknoten. Zur Zeit befindet sich das neue Dateisystem noch im Staging Bereich. Ebenfalls dort befindet sich mit DST (Distributed Network Storage) ein weiteres netzwerkbasiertes Dateisystem, das auf lokalen und entfernten Netzwerkknoten zum Einsatz kommt und neben dem linearen einen Mirror-Modus besitzt. Wer den Kernel testen will, kann das häufig tun: Viele Distributionen bieten Pakete mit dem Vanilla-Kernel an, die sich neben den Standard-Kerneln installieren lassen. Je nachdem, ob eine Distribution am Original-Kernel gebastelt hat, können Geräte oder bestimmte Funktionen nach dem Update nicht mehr korrekt funktionieren, man sollte also den alten Kernel nicht über Bord werfen.
(Kristian Kißling)
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icke,
11.06.2009 18:57