Kroah-Hartman beklagte in seinem Vortrag, dass Canonical in den letzten drei Jahren lediglich 100 Patches zum Kernel abgeliefert habe. Auf einem Google-Kongress zuvor hatte er von nur 5 bis 6 Patches geredet. Im selben Zeitraum, so Kroah-Hartman weiter, seien insgesamt etwa 100.000 Patches in den Kernel geflossen - Canonicals Beitrag betrage also gerade einmal 0,1 Prozent. Als Firma, so führte der Kernel-Entwickler weiter aus, stehe der Ubuntu-Sponsor an 79ster Stelle in der Rangfolge, weit hinter Red Hat (1. Platz) und Novell (2. Platz). Er zeigte noch ein paar weitere Folien, die illustrierten, wie wenig Code Ubuntu zum "Linux-Ökosystem" beitrage und wandte sich dann dem eigentlichen Thema des Vortrags zu.

Die Antwort von Ubuntu kam postwendend: Matt Zimmerman, Ubuntus CTO, gab Kroah-Hartman zunächst recht. Zwar sei dessen selbst erhobene Statistik nicht ganz sauber, aber es sei richtig: Canonical trage nicht so viele Kernel-Patches bei, wie Red Hat und Novell. Allerdings hätte die Firma das auch nie behauptet. Der Ubuntu-Kernel bestehe hauptsächlich aus unverändertem Kernel-Code. Zimmerman stieß sich vor allem an Kroah-Hartmans Definition des Linux-Ökosystem: Dazu zähle dieser neben dem Kernel etwa GCC, Binutils, X.org und die Glibc. Desktops wie KDE und Gnome würden hingegen komplett fehlen, da diese laut Kroah-Hartman nicht linuxspezifisch seien. Das sähe Zimmerman anders. Nicht zuletzt warf er Kroah-Hartman vor, zu verheimlichen, dass er für Novell arbeite, einem direkten Konkurrent von Canonical. Er schlug Kroah-Hartman vor, über die Kritik zu reden, denn ihm gegenüber hätte der Kernel-Entwickler seine Vorbehalte bisher noch nie geäußert.

Mit seinem Angriff provozierte der streitbare Entwickler jedenfalls zahlreiche Reaktionen in Blogs und Foren - unter anderem im Blog von Matt Zimmerman. Auf der Linux Plumbers Conference treffen sich am Rande des Kernel Summit in Portland Entwickler, die zu Projekten gehören, die besonders eng mit der Kernel-Entwicklung zusammenhängen, etwa X.org oder GCC.