Fosdem 2010: Andrew Tanenbaum setzt Verlässlichkeit vor Performanz
07.02.2010
Der Informatik-Veteran Andrew Tanenbaum hat den Entwicklern auf der Fosdem, die am 6. und 7. Februar 2010 in Brüssel stattfindet, die dritte Version seines Betriebssystems Minix nahe gebracht.
Die Codebase von Minix 3 (6000 Zeilen) habe gegenüber Linux (sechs Millionen Zeilen) allein schonmal weniger Bugs, beziffert Tanenbaum in seinem Vortrag. Als Linux-Magazin Online einwendet, dass Minix bei wachsender Codebase der gleiche Käferreichtum ereilen könnte, führt er aus: Wichtiger sei die Art der Bugs, und kommt auf sein ursprüngliches Argument gegen den Linux-Kernel zurück. Im Kernel selbst hätten Treiber oder andere Dienste nichts zu suchen, dann gefährden sie auch nicht das System. Der Performance-Geschwindigkeit misst er weniger Bedeutung bei als der Stabilität: "Wenn jemand die Wahl zwischen einem zwei- und einem drei-Gigahertz-Prozessor hat, würde er den langsameren nehmen, wenn er dafür mehrere Jahre stabil läuft."

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Professor Andrew Tanenbaum unterhielt das Fosdem-Publikum mit einem lebendigen Vortrag.
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Die Argumentation Tanenbaums ist praktisch dieselbe wie vor 20 Jahren. Sein Vortrag auf der Fosdem - den Tanenbaum, wie ein Fosdem-Insider Linux-Magazin Online erzählte, ursprünglich als bescheidenen Lighting Talk eingereicht hatte - war also weniger neu oder brisant. Interessanter ist schon, dass der Informatikprofessor neuerdings die Community für sich beziehungsweise sein unter der BSD-Lizenz freigegebenes Projekt Minix 3 entdeckt. Während seines Vortrages hatte er selbst sichtlich genausoviel Spaß wie das Publikum, dass er mit Witzen und szenischen Elementen unterhielt, und hinterher war er rund 20 Minuten von Fragestellern und Fotografen umringt.
Der 1944 in New York geborene Tanenbaum lehrt derzeit an der Freien Universität von Amsterdam, wo er seit 2008 mit EU-Fördergeldern über Design und Implementierung besonders stabiler Betriebssysteme forscht. Das in den frühen 80ern von Tanenbaum geschriebene Minix dient offenbar als Referenzprojekt. Seit der dritten Version steht das Mikrokernel-Betriebssystem quelloffen unter einer BSD-Lizenz zur Verfügung. Speziell zur Portierungen von Programmen oder Bibliotheken lädt er interessierte Entwickler ein, einen Blick auf die Projektseite zu werfen. Als weitere aktuelle Tasks benannte er das Live-Update für Betriebssystemaktualisierungen ohne Reboot sowie die Verteilung der Minix-Prozesse auf viele Betriebssystemkerne. Der Waschbär (Tanenbaum: "Irgendwie hat jedes Projekt ein Tier") dient als Projektsymbol, weil er klein und schlau sei "und weil er Käfer frisst".

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Mit dem abgebildeten Minix forscht Andrew Tanenbaum an der Amsterdamer Vrije Universiteit an einem Betriebssystemkonzept, das sowohl Windows als auch Linux an Stabilität übertreffen soll. Bild: Minix3.org.
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Auf Linux-Magazin Online gibt es einen Artikel über Minix 3 sowie ein Gast-Editorial von Tanenbaum, frei verfügbar in der Professorenausgabe (Heft 01/2009). Wer sich die Frage stellt, wieviel Sinn in einem stabilen, aber wenig verbreiteten Betriebssystem liegt, das derzeit primär der Forschung dient, findet in dieser Slashdot-Diskussion einen Ausgangspunkt.
(Anika Kehrer)
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Anika Kehrer,
27.04.2010 17:59
An E-Mails kann ich mich allerdings nicht erinnern.
Ettore Atalan,
16.04.2010 21:07
Mathias Huber,
15.02.2010 14:33
Éamon,
15.02.2010 13:28