Open Source im professionellen Einsatz

EU empfielt "auch ODF" als Standardformat

13.01.2014

Als Antwort auf die Anfrage einer schwedischen Politikerin hat die EU-Kommission erstmals auch ODF als Standard-Dokumentformat bestätigt. Verfechter freier Software kritisieren den Schritt als "zu wenig weitreichend".

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Ein Mitglied der schwedischen Piratenpartei, Amelia Andersdotter, hatte im November eine Anfrage an die EU-Kommission gestellt, in der sie in zwei Punkten nachhakte, was die von der EU empfohlene Dateiformate angehe. 2011 hatte das Interinstitutionelle Kommittee für Informatik (IIIS) alle Stellen angewiesen, den von Microsoft entwickelten und kontrollierten Standard OOXML zu unterstützen. Andersdotter fragte nach, welchen Sinn das noch mache, wo doch nur ein Hersteller den Standard implementiere und wie man mit öffentlichen Einrichtungen zu kommunizieren gedenke, die andere Standards einsetzen.

Amelia Andersdotter bei der FOSDEM 2013 in Brüssel.

Seit wenigen Tagen liegt nun die Antwort der Kommission vor: Laut einem Bericht des Open Source Observatory der EU bei Joinup hat der Vizepräsident der Europäischen Kommission Maroš Šefčovič selbst geantwortet und dabei OOXML und ODF als Minimumanforderungen für den Dokumentenaustausch benannt. Das, so Šefčovič, stelle sicher, dass kein Vendor-Lock-In bestehe oder aufkommen könne. Außerdem sollen Behörden andere Dateiformate nach dem Best-Effort-Prinzip, also soweit es eben praktisch möglich sei, unterstützen. 

Im Forum des Europaparlaments.

Open-Source-Aktivisten bezeichnen die Entscheidung als überfällig, kritisieren jedoch, dass die EU es nicht wage, Farbe zu bekennen und sich auf den einen, offenen Standard ODF festzulegen, so etwa das Open Forum Europe. Die Schweizer Open Systems Group begrüße diesen ersten Schritt, zitiert Joinup. Mathias Stürmer hofft gar, dass auch die Schweizer Regierung nachzieht, auch wenn das Alpenland nicht in der EU sei, helfe das doch sicher, auch andere Administrationen zum Umstieg zu bewegen.

ODF

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