Atlas: Supercomputing mit Debian
Vor wenigen Tagen hat der viertschnellste Supercomputer Deutschlands beim Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in Hannover den Betrieb aufgenommen. Auf einer Mailingliste hat nun einer seiner Betreuer erläutert, warum auf dem Cluster namens Atlas die Distribution Debian zum Einsatz kommt.
Dr. Carsten Aulbert arbeitet in der Hannoverschen Niederlassung des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (auch Albert-Einstein-Institut). Dort arbeitet der Rechencluster Atlas seit 22. Mai unter Debian GNU/Linux und ist hauptsächlich mit der Suche nach den Gravitationswellen beschäftigt, die Einstein vorhergesagt hat.
Auf der Debian-Publicty-Liste schreibt Aulbert: "Die meisten von uns Computer-Jungs benutzen Debian bereits seit Jahren, daher war es nur natürlich, sich auch auf dem Cluster für Debian zu entscheiden". Auch im High Performance Computing am Standort Potsdam sei Debian bereits seit Jahren im Einsatz.
So läuft die freie Linux-Distribution in der Version Etch nun auch auf Atlas, der laut Aulbert der viertschnellste Rechner Deutschlands ist. Auf der Top-500-Liste der Supercomputer würde sich der Cluster auf Platz 34 einordnen. Atlas besteht aus 1342 Rechenknoten (Intel Xeon 3220
Quad-Core-Prozessoren 2,4 GHz, 8 GB RAM, 500 GB Hitachi HDD, IPMI Remote-Management) sowie 31 Datenservern und vier Head-Knoten. Zusätzliche Storage-Knoten laufen unter Solaris 10. Eine Spezialität des Rechners ist das hierarchische Netzwerk von der Firma Woven Systems.
Der Cluster wurde von Dr. Aulbert und Dr. Henning Fehrmann vom AEI konzipiert, die Pyramid Computer GmbH baute die Anlage. Auf den Rechnern läuft Debian Etch mit maßgeschneidertem Kernel und dem Queuing-System Condor. Ein wichtiges Argument für den Debian-Einsatz war die Vielzahl der fertigen Software-Pakte, die das freie Linux bietet. "Das ersparte uns die Mühe, benötigte Software selbst zu paketieren", schreibt Aulbert. Doch auch das Erstellen von Paketen für Debian sowie das Paketmanagement im Ganzen findet sein höchstes Lob.
Zum automatischen Deployment nutzen die Administratoren das Paket Fully Automatic Installation (FAI). Eine Neuinstallation des gesamten Clusters soll damit nur zweieinhalb Stunden dauern.
Die kürzlich entdeckte OpenSSL-Panne erschüttert sein Vertrauen in Debian offenbar nicht: "Die Reaktion auf die OpenSSL-Sachen war sehr gut [...] Aber wir brauchen eigentlich nur für die Head-Knoten Security-Updates, da der Rest keine Verbindung nach außen besitzt". Das Einzige, was sich Aulbert von Debian noch wünscht: "einen festeren Release-Plan sowie stabile Backports mit Support".





