Aus Linux-Magazin 12/2010

Zertifikate, Keys und Tokens in der Praxis

Modern und sicher: Leicht handhabbare PKCS-Zertifikate auf Cryptocards und Tokens schützen VPNs mit IPsec oder Open VPN. Selbst Hardware kann frei sein, zeigt ein USB-Token. Die Rootzone führt endlich DNSSEC ein, und das ambitionierte Cacert-Projekt steckt seit fünf Jahren in der Aufbruchphase fest.

Eigentlich müssten Verschlüsseln und Signieren ganz einfach sein: Sowohl für Zertifikate und Keys als auch für deren Speichern auf Medien mit kryptographischen Zugriffsschutz gibt es allgemein anerkannte Standards. Und im Web sichern kostenlose Zertifikate von Cacert die Server, und dank DNSSEC passt auch die Namensauflösung fälschungssicher.

Nicht ganz so einfach

Manche Crypto-Karten funktionieren jedoch nicht mit jeder Software, offene Standards hin oder her. VPN-Admins kämpfen sich durch den Wald der Backslashes, um die korrekte Syntax für den Zugriff auf die richtigen Credentials im Windows-Zertifikatsstore zu finden. Andernorts verweigert die Cryptocard den PKCS#11-Standard und scheidet damit für VPNs aus.

Dieser Schwerpunkt zeigt, wie sicherheitsbewusste Admins ihre virtuellen privaten Netzwerke absichern. Ein Artikel widmet sich IPSec in Form von Strongswan und dessen Konfiguration mit PKCS#11-Smartcards. Gleich darauf führen zwei Admins eines großen Rechenzentrums ihr Open-VPN-Setup vor. Das basiert auf E-Tokens von Aladdin, integriert Windows- und Linux-Clients und ermöglicht, es für jeden Benutzer individuell zu konfigurieren, zeitgesteuerter Zugriffsschutz inklusive.

Ob PKCS#11, E-Token, verschlüsselter USB-Stick oder Crypto-Card: Das Scherheitskonzept ist immer das gleiche: Nur wer Hardware (Stick oder Karte) und Wissen (Passwort) vereint, gilt als authentifiziert. Das lässt sich auch für andere Dienste anwenden, zum Beispiel E-Mail oder im Web. Das ist die Domäne des freien GPG-Crypto-Stick, auch wenn er als Zugangsberechtigung fürs VPN (noch) nicht geeignet ist.

Cacert und DNSSEC

Wichtig wäre auch, dass zwei größere Krypto-Vorhaben endlich Nägel mit Köpfen machen. Bei DNSSEC hat sich da zuletzt einiges getan: Nach langen Jahren des Wartens gibt es jetzt erstmals signierte Zertifikate für die Rootzone. Die “Kette des Vertrauens” hat damit einen Anker montiert bekommen, an der jeder DNS-Admin festmachen sollte. Wenn hoffentlich bald alle Top-Level-Domains nachziehen, bekommt die Archillesferse des Internets ein paar feste Stiefel angepasst.

Nicht so prickelnd sieht dagegen die Lage beim mit großen Hoffnungen gestarteten Cacert-Dienst aus. Auf dem Weg zum Web-of-Trust verheddern sich die Aktiven offensichtlich mehr und mehr, weil unverständliche Zertifikats-Update-Prozesse und die fehlende Browser-Integration in den führenden Distributionen für sinkende Nutzerakzeptanz sorgt. Dass dabei auch das Verhalten einiger Mitwirkenden (so genannter Assurer) eine Rolle spielt, steht außer Frage: Die kümmern sich oft mehr ums eigene Punktekonto und damit Renommee als um Ganze.

Keine Alternative

Allen Problemen zum Trotz: Wer modernen Zugriffsschutz mit sicherer Authentifizierung aller Kommunikationspartner umsetzen will, kommt an Zertifikaten nicht vorbei. Nur Pre-Shared-Keys oder Passwörter zu verwenden, gilt heute – nicht nur unter Sicherheitsspezialisten – als fahrlässig. Dieser Schwerpunkt zeigt, wie Admins die Ansprüche modernen Datenschutzes und der Systemsicherheit in der Linux-Praxis umsetzen.

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