Mit Songbird betritt eine neue Softwaregattung namens Webplayer in finaler Version die dicht gedrängte Bühne der Musikabspielprogramme. Außerdem soll Gnome Format eine kleine, aber lästige Lücke im Desktop schließen und setzt dabei auf die innovative Sprache Vala.
Webbrowser und Musikplayer gehören zu den am häufigsten genutzten Anwendungen eines Desktop-PC. Oberflächlich betrachtet besteht zwischen beiden Softwaregattungen kein Zusammenhang. Mit dem Projekt Songbird ([1], Abbildung 1) gibt es jedoch eine Anwendung, die beide Welten verbindet.

Abbildung 1: Songbird basiert wie der Webbrowser Firefox und andere Mozilla-Produkte auf der XULrunner-Plattform. Damit wird es zum plattformunabhängigen Webplayer, der Browser-Funktionalität integriert.
Grenzgänger
Die nach zweieinhalb Jahren Entwicklung fertiggestellte Version 1.0 von Songbird stufen ihre Schöpfer als “Webplayer” ein. Auf den ersten Blick wirkt die Software wie ein normales Musikabspielprogramm. Außergewöhnlich ist aber bereits, dass sie auf XULrunner aufsetzt. Diese Laufzeitumgebung nutzen praktisch alle Anwendungen aus dem Hause Mozilla. Dabei handelt es sich bekanntlich vor allem um Internetprogramme wie Browser oder Mailclients. Dieses Fundament bringt einen großen Vorteil mit sich: Wie Firefox, Thunderbird & Co. funktioniert auch Songbird nativ unter Linux, Windows, Mac OS und Solaris.
Auf den zweiten Blick
Die Basisfunktionalität von Songbird gleicht der anderer Musikwiedergabeprogramme. Beim ersten Start fragt es nach einem Verzeichnis, das die digitale Musiksammlung enthält, und liest die darin enthaltenen Stücke in die Programm-eigene Mediathek ein. Aus ihr lassen sich Songs einzeln über die direkte Anwahl oder über Genres, Interpreten und Alben zur Wiedergabe auswählen.
Wie andere Player kennt das Programm statische und intelligente dynamische Wiedergabelisten. Ersteren fügt der Benutzer Lieder manuell hinzu, um dieselbe Zusammenstellung danach immer wieder abzurufen. Intelligente Playlists spielen dagegen Musikstücke ab, die bestimmte Kriterien erfüllen. Das können Interpreten oder Alben sein, aber auch Daten wie die letzte Wiedergabe, die Herkunft der Datei oder das Datum, an dem der Anwender ein Lied zur Sammlung hinzugefügt hat.
Unerwünschte Autonomie
Die Installation von Songbird umgeht in der Standardvariante die Paketverwaltung: Die Entwickler stellen lediglich einen Tarball bereit, der alle notwendigen Bibliotheken mitbringt. Dazu gehören auch XULrunner sowie das Multimedia-Framework Gstreamer [3] inklusive Codec-Plugins für die Musikformate MP3, AAC, OGG Vorbis, FLAC und WMA.
Dieses Paket lässt also keine Abhängigkeiten offen, seine Größe beträgt allerdings 30 MByte. Da zumindest XULrunner und Gstreamer auf zahlreichen Desktop-Systemen bereits installiert sind, kommt es hier zu einer ineffizienten Dopplung. Das widerspricht der Philosophie der Linux-Paketverwaltung. Distributionsspezifische Songbird-Pakete für Fedora, Ubuntu und Gentoo Linux sowie für Open Solaris unter [4] schaffen Abhilfe. Sie benötigen im Vergleich zum offiziellen Tarball nur etwa die Hälfte des Speicherplatzes. Songbird ist unter der GPL lizenziert, deshalb steht auch der Quellcode des Programms zum Download bereit.
In der Songbird-Oberfläche zeigt sich die Verwandtschaft zu Firefox und anderen Mozilla-Anwendungen. Das »Extras«-Menü gleicht dem der anderen Mitglieder der Mozilla-Familie bis ins Detail und führt zu einer weiteren Ähnlichkeit: Unter dem Menüpunkt »Add-ons« installiert der Benutzer Plugins, um die Songbird-Funktionalität nahezu beliebig zu erweitern. Der Link »Get Extensions« öffnet die entsprechende Seite auf der Songbird-Website. Dazu startet aber nicht der Browser, stattdessen zeigt ein neuer Reiter die Webseite direkt im Wiedergabeprogramm an (Abbildung 2). Hier zahlt sich die XULrunner-Basis aus: Die Darstellung von Webseiten gelingt ohne großen Programmieraufwand.

Abbildung 2: Zahlreiche Erweiterungen machen aus dem einfachen Musikabspielprogramm Songbird ein Multitalent. Dank XULrunner zeigt die Software die Webseite mit den Plugins direkt im Player-Fenster an.
Die Erweiterung Meshtape zeigt beispielsweise beim Abspielen eines Liedes Informationen, Bilder und Videos des Interpreten an, die die Erweiterung bei Diensten wie Flickr, Youtube und Last.fm findet. Für die zuletzt genannte Web-2.0-Musikanwendung existiert ein eigenes Plugin. Es überträgt gespielte Songs ins Onlineprofil des Benutzers und erhält auf demselben Wege Empfehlungen für die eigene Wiedergabeliste. Über Shoutcast empfängt Songbird Online-Radiostationen. Weitere Plugins unterstützen tragbare MP3-Player, darunter sogar den nicht gerade für seine Kompatibilität bekannte I-Pod von Apple.
Große Vorbilder
Wer Firefox kennt, weiß die eingebaute Direktsuche zu schätzen. Auch hier imitiert Songbird seine Vorbilder aus der Internetwelt. Das Feld rechts oben im Fenster leitet Anfragen aber nicht an Suchmaschinen wie Google oder Yahoo weiter, sondern durchstöbert die eigene Mediathek, die Songbird-Website, den MP3-Suchdienst Skreemr [5] oder den Musik-Blog-Aggregator The Hype Machine [6].
Wem das Songbird-Fenster mit seinen zahlreichen Funktionen zu viel Platz auf dem Desktop einnimmt, benutzt den Mini-Modus. Er verkleinert das Programm auf eine Zeile, die lediglich die Steuerungsknöpfe sowie den Titel des aktuell gespielten Liedes anzeigt (Abbildung 3). Freunde des MP3-Player-Veteranen XMMS oder seines Windows-Vorläufers Winamp kennen diese Darstellung bereits. Das ist kein Zufall, denn schließlich arbeiten im Songbird-Team nicht nur ehemalige Entwickler von Netscape und Firefox mit, sondern auch Immigranten aus dem Winamp-Team.
Abbildung 3: Das umfangreiche Songbird-Hauptfenster nimmt viel Platz ein. Wer Musik platzsparend im Hintergrund abspielen möchtet, schaltet besser den Mini-Modus ein.
Ob einem das Design der Songbird-Oberfläche zusagt, ist eine Geschmacksfrage, über die sich bekanntlich streiten lässt. Bei den dem Vergnügen dienenden Anwendungen wie Musikplayern spielt jedoch das Erscheinungsbild für viele Benutzer eine wichtige Rolle. Das Standard-Outfit lässt sich deshalb dem eigenen Geschmack anpassen: Songbird unterstützt wie andere Musikabspielprogramme Themes oder Skins. Nur bei der Bezeichnung leisten sich die Entwickler eine kleine Extravaganz: Bei Songbird heißen die Skins Federkleider (Feathers). Auf der offiziellen Seite stehen bislang allerdings nur 18 solcher Gefieder zum Download bereit. Ob die Community mehr beisteuert, hängt von der Akzeptanz des neuen Programms ab.
Gnome mit Format
Wie formatiert man unter Linux einen Datenträger? Mit »mkfs«. Einfacher geht\’s nicht, wenn man das Kommando und seine Parameter kennt. Doch mit der zunehmenden Bedeutung von Linux auf dem Desktop wächst die Zahl der User, die für solche Aufgaben lieber die Hilfestellung einer grafischen Oberfläche in Anspruch nehmen. So viele Tools die Desktops wie Gnome und KDE auch mitbringen: Sie bieten dem Laien keine Möglichkeit, um mittels GUI ein Dateisystem zu erzeugen.
Das Werkzeug Gparted [7] enthält zwar auch eine Funktion zur Formatierung, aber der Partitionierungs-Allrounder scheint für diese Aufgabe überdimensioniert. Weil Eingriffe in die Partitionstabelle nur Benutzer vornehmen sollten, die sich damit auskennen, enthält die Paketvorauswahl der meisten Distributoren Gparted nicht. Doch nicht nur eingebaute Speichermedien, sondern auch USB-Sticks, Speicherkarten und externe Festplatten bedürfen hin und wieder einer Formatierung, gerade bei einem Desktopsystem.
Noch nicht Standard
Auch Gnome Format ([8], Abbildung 4) gehört noch nicht zur Standardinstallation gängiger Distributionen. Anders als bei Gparted liegt es in diesem Fall aber daran, dass die erste Vorabversion 0.1 erst wenige Wochen jung ist. Das neue Projekt des Gnome-Entwicklers Felix Kaser greift den Namen eines ähnlichen Versuchs auf, der vor etwa zwei Jahren die Gnome-Bühne beschnupperte. Es entstammte der Feder von Paul Betts, doch sein Gnome Format [9] schaffte es nie bis zu einer Endnutzer-tauglichen Version. Bei Ausgabe 0.2 blieb die Entwicklung stehen, Betts hatte nach seinem Wechsel zu Microsoft wohl nicht mehr genügend Zeit oder Interesse. Ein anderer Programmierer als Pate für das verwaiste Projekt fand sich ebenfalls nicht.

Abbildung 4: Gnome Format ermöglicht es auch Laien, ohne Kommandozeilenkenntnisse Wechselmedien neu zu formatieren. Rechtschreibfehler liefert die erste deutsche Fassung gratis mit.
Das neue Gnome Format beschränkt sich ausschließlich auf die Formatierung von Wechselmedien. Eingebaute Festplatten stellt es gar nicht erst zur Wahl, um Versehen mit unschönen Folgen zu vermeiden. Möchte ein Anwender mit solchen Datenträgern operieren, startet der »Erweitert«-Button den großen Gnome-Format-Bruder Gparted, falls das Programm installiert ist. Zur Erkennung infrage kommender Hardware verwendet Gnome Format HAL. Dieses Linux-Subsystem soll allerdings in absehbarer Zeit das neue, ebenfalls Desktop-unabhängig Devicekit [10] ersetzen.
Schon praxistauglich
Seine Hauptaufgabe erfüllt Gnome Format bereits tadellos. Es erkennt angeschlossene beziehungsweise eingelegte beschreibbare Datenträger und erstellt darauf FAT- oder Ext-2-Dateisysteme. Diese Statusbeschreibung klingt, als sei das Programm – abgesehen von der obligatorischen Suche nach Bugs – bereits weitgehend abgeschlossen. Doch dem Entwickler schweben noch Funktionserweiterungen vor. Beispielsweise kennt Gnome Format bislang keine Disketten. Felix Kaser plant die Unterstützung dieser obsoleten Datenträger jedoch nur für den Fall expliziter Nachfrage.
Für wichtiger hält der Programmierer da schon die Integration von LUKS (Linux Unified Key Setup, [11]), um auch verschlüsselte Medien erzeugen zu können. Des Weiteren will er eine Rechteverwaltung über Policykit integrieren. Es steht außerdem die Portierung auf Devicekit an, um mit der Gnome-Entwicklung Schritt zu halten. Die Unterstützung zusätzlicher Dateisystemformate führt die Todo-Liste derzeit jedoch nicht auf, obwohl sich insbesondere für Flash-Speichermedien spezialisierte Dateisysteme anbieten würden.
Sprachexperte
Junge Projekte leben von aktiver Beteiligung. So ruft auch Felix Kaser zu konstruktiver Kritik auf. Einen Bugtracker hat er allerdings noch nicht aufgesetzt. Die Kommunikation mit dem Entwickler findet solange per E-Mail statt, seine Adresse steht auf der Projektseite. Ein Subversion-Repository existiert bereits. Wer sich mit eigenem Code einbringen möchte, sollte aber der Programmiersprache Vala ([12], [13]) mächtig sein.
Diese junge Sprache feiert im Mai ihren dritten Geburtstag. Sie möchte die Vorteile von C++, C# und Java vereinen. Besonderen Wert legt sie auf den einfachen Zugang zur Gobject-Bibliothek. Der Compiler »valac« übersetzt Vala-Programme nicht direkt in Binärcode, sondern in C. So erhalten Vala-Programmierer Zugang zu Gobject-Helfern wie Interfaces, abstrakten Klassen, virtuellen Methoden und einer einfachen Thread-Verwaltung.
Putenbrust-Curry-Spaghetti
Freie Software entwickelt sich durch von Anwendern eingesandte Patches stetig weiter. In dieser Projekteküche gilt dies auch für das Kochrezept. Linux-Magazin-Leser Sascha Zipper schreibt über die Schinken-Curry-Spaghetti, die Projekteküche 11/08 als Alternative für die als schnelle Notlösung verbreitete rote Soße vorschlug: “Neulich habe ich ihr Rezept Schinken-Curry-Spaghetti gelesen. Hier musste ich schmunzeln, denn die rote Soße, wie ich sie vor einigen Jahren noch sehr häufig gemacht habe, ist ja wirklich keine Offenbarung. Mittlerweile koche ich sehr gerne und habe Ihr Rezept mit gerade vorhandenen Zutaten etwas abgewandelt.” Hier also sein Rezeptvorschlag.
Die Zutaten: 500g Spaghetti, 250g Putenbrust, eine kleine Dose Mandarinen, Oregano, Basilikum, Curry, Koriander, Salz, Pfeffer sowie etwas Gemüsebrühepulver aus dem Glas, Olivenöl und zwei Knoblauchzehen.
Zur Zubereitung die Spaghetti al dente kochen. Für die Soße den Knoblauch in der Presse zerkleinern oder von Hand klein würfeln und leicht salzen. Die Putenbrust in schmale Streifen schneiden, mit Oregano und Basilikum in einem Esslöffel Olivenöl anbraten. Wenn sich das Fleisch weißlich verfärbt, den Knoblauch in die Pfanne geben, gut vermischen und das Fleisch weiter anbraten. Einen Teelöffel Gemüsebrühe mit dem Saft aus der Mandarinendose vermischen, damit das Fleisch ablöschen, dann die Früchte hinzufügen und die Mischung mit einem Teelöffel Curry sowie nach Geschmack mit Salz und Pfeffer würzen. Die Soße bei niedriger Hitze etwa zehn Minuten köcheln lassen, bis sie sämig wird, dann mit etwas Koriander abschmecken. (pkr)
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Infos |
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[1] Songbird: [http://getsongbird.com] [2] XULrunner: [http://developer.mozilla.org/en/XULrunner] [3] Gstreamer: [http://www.gstreamer.net] [4] Songbird-Pakete: [http://wiki.songbirdnest.com/Developer/Articles/Builds/Contributed_Builds] [5] Skreemr: [http://skreemr.com] [6] The Hype Maschine: [http://hypem.com] [7] Gparted: [http://Gparted.sourceforge.net] [8] Gnome Format: [http://live.gnome.org/gnome-format] [9] Gnome Format von Paul Betts: [http://blog.paulbetts.org/index.php/2007/05/05/gnome-format-02-this-one-actually-does-stuff] [10] Devicekit:[http://hal.freedesktop.org/docs/DeviceKit] [11] LUKS: [http://luks.endorphin.org] [12] Vala: [http://live.gnome.org/Vala] [13] Christan Meyer, “Vala: GObject ohne Kopfschmerzen”: [https://www.linux-magazin.de/online_artikel/gobject_ohne_kopfschmerzen] |





