Aus Linux-Magazin 10/2008

Webdesign für Mobilgeräte sowie Programmieren zum Vergnügen

Das Webbrowsen auf dem Handy verliert seinen Exoten-Status. Das Linux-Magazin hat sich ein Buch angesehen, das Ratschläge zum optimalen Webdesign für Mobilgeräte gibt. Der zweite Titel will einfach Spaß am Programmieren wecken und lädt zu einer Reise durch die IT-Geschichte ein.

Das Mobiltelefon oder der PDA finden heute leicht Anschluss ans World Wide Web, doch nicht immer macht das Miniatur-Surfen Freude. Abhilfe möchte das Buch “Mobiles Webdesign” von Manuel Bieh schaffen, das die Gestaltung von Webseiten für Mobilgeräte vorexerziert.

WWW zum Mitnehmen

Der Autor prophezeit Webanwendungen wie dem elektronischen Bank- oder Fahrkartenschalter fürs Handy hervorragende Marktchancen. Die Anbieter müssen sich im Handy-Web allerdings auf neue Rahmenbedingungen einstellen: kleines Display, beschränkte Farbtiefe und mäßige Rechenkapazität. Dazu kommt die Bedienung über Nummerntasten, On-Screen-Keyboard oder mit einem Stift.

Nach diesen Vorüberlegungen zum Medium stellt Bieh das Handwerkszeug des Mobil-Webdesigners vor. Dazu muss er Ordnung in die Vielfalt der Standards wie I-Mode, WAP, HDML und XHTML-Basic bringen. Eine kurze Beschreibung gibt es für die Wireless Markup Language (WML), die es schon in der Dotcom-Ära gab. Als derzeit wichtigste Sprache für das mobile Web stellt das Buch XHTML Mobile Profile (MP) vor – kurz gesagt eine Untermenge von XHTML, die sich auf rund 60 Elemente beschränkt.

Der Einstieg ist flach und eignet sich für jeden, der schon einmal ein paar Zeilen HTML geschrieben hat. Doch der Verfasser behandelt auch weniger triviale Details wie den geeigneten Mime-Typ für mobile Inhalte, die der Webserver im HTTP-Header senden sollte. Was Bieh über die benutzerfreundliche Gestaltung von Formularen schreibt, ist vorbildlich. Die Stylesheet-Sprache WCSS komplettiert den Mobil-Grundkurs. Das Kapitel “Mobile Web Best Practices” beschäftigt sich mit Empfehlungen, die auch das W3C unter der Abkürzung MWBP veröffentlicht hat. Hier geht es um konkrete Vorgaben, die der Autor Punkt für Punkt durchgeht, von kurzen URIs für Einstiegseiten (die der Benutzer auf der Handy-Tastatur eingeben muss) bis zum Verzicht auf Client-seitige Skripte, Framesets und Popups.

Der durchschnittliche Webseiten-Autor dürfte das Buch rasch durchgearbeitet haben und sich bei der leichten Lektüre gelegentlich langweilen. Dennoch wird es ihn für die Besonderheiten des Mobil-Web sensibilisieren und auf dem Weg dorthin einige Schlaglöcher glätten. Lediglich die häufige Beschwörung des Zukunftsmarkts “Mobiles Web” erinnert unangenehm an vergangene Hype-Zeiten.

Info


Manuel Bieh:

Mobiles Webdesign

Galileo Computing, Bonn, 2008

300 Seiten, 35 Euro

ISBN 978-3-8362-1153-6

Spaß muss sein

Nicht innovationsorientiert, sondern ausschließlich unterhaltsam ist “Coding for Fun” von Gottfried Wolmeringer, das bei Galileo Computing erschienen ist. Der Autor gibt auf 573 Seiten einen Abriss über die spannenderen Seiten der Informatik jenseits der trockenen Lehrbücher aus Uni-Bibliotheken. Es ist ein Sammelsurium von Themen, von denen jeder, der sich für Computer interessiert, schon einmal gehört hat. Da geht es um Anekdoten aus der Anfangszeit der Rechner, um obskure Programmiersprachen wie Lisp oder Smalltalk, um Chaostheorie und künstliche Intelligenz.

Pong als Computerspiel einer Ära, als Pixel noch als Abstraktion für Bälle herhielten, Eliza als Höhepunkt und Scheideweg der harten KI oder Conways Game of Life sind immer wieder eine Erwähnung wert. Doch leider sind die meisten Programme nur für Windows beigelegt. Einige lassen sich zumindest in Simulatoren auch unter Linux betreiben.

Verwirrend: Das Buch erläutert in späteren Kapiteln in bunter Folge auch die Installation von Ubuntu (sechs Seiten), des Echtzeit-Betriebssystems QNX (sieben Seiten) sowie ein DVD-Brennprogramm für Windows (18 Seiten) und führt nebenbei noch in mehrere Sprachen und Entwicklungsumgebungen wie beispielsweise Eclipse ein.

Ob dieser Band tatsächlich interessierte Laien zum Programmieren bringt (das verspricht der Klappentext), darf bezweifelt werden. Der Experte andererseits findet nicht viel Neues. Dennoch birgt die Lektüre einen eigenen Reiz: Da der Autor sehr kurzweilig und teils mit lakonischem Unterton schreibt, eignet es sich prima als Lektüre nach Feierabend.

Info


Gottfried Wolmeringer:

Coding for Fun

Galileo Computing, Bonn, 2008

573 Seiten, 25 Euro

ISBN 978-3-8362-1116-1

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