IBM hat seinen Collaboration-Boliden Lotus Notes gründlich überarbeitet und bringt mit der Version 8 nun endlich eine native Version für den Linux-Desktop heraus. Grund genug, einen Blick unter die mächtige Haube zu riskieren und die Installation unter die Lupe zu nehmen.
Leistungsfähig wie ein Sportwagen, genauso teuer und kompliziert zu warten. Das ist das Image, das IBMs Gespann Domino/Notes in der IT-Welt hat. Und Lotus liegt mit seinem Funktionsumfang auch heute noch an der Spitze des Groupware-Felds, es setzt Maßstäbe, nach denen sich zahlreiche freie Projekte vergeblich strecken.
Leistungsfähiger Oldtimer
Dabei fährt hier ein Oldtimer der Collaboration Suites vor, seit den 80er Jahren steht der Name des Rennstalls als Synonym für Groupware und gemeinsame Dokumentenverwaltung. Den Server dazu gibt\’s zwar bereits seit 1999 auf Linux, einen passenden Client jedoch erst seit Version 6.5, aber nur als offline-fähiges Plugin für den Browser Mozilla. In Lotus 7 war ein Workplace-Client nötig, um Notes auf Linux zu bringen. Diese Technologie verfolgt IBM aber nicht mehr weiter, sie ging mit ihren Bestandteilen in mehreren Produkten der Lotus- und Websphere-Familie auf. In der neuen Version 8 gibt es endlich einen nativen Client mit vollem Funktionsumfang auch für den Linux-Desktop.
Grundlagen
Ein Blick in die Geschichte zeigt: Erst Iris, dann Lotus und später IBM haben Notes ([1], [2]) von Anfang an konsequent als Groupware entwickelt. Teams sollten die Möglichkeit haben, ihre Termine, Aufgaben und vor allem Dokumente gemeinsam zu verwalten. Jeder Anwender bekommt einen Notes-Client, ein Server (seit Version 4.6 Lotus Domino genannt) erledigt die zentrale Datenhaltung. Der Client spricht aber auch ohne Lotus-Server IMAP, SMTP, LDAP und andere Protokolle. Seit Version 5 integriert IBM mehr und mehr Java und XML in allen Komponenten. Die E-Mail-Komponente baut der Hersteller Zug um Zug aus, obwohl sie kein zentraler Bestandteil ist. Vielleicht stellt sie ja gerade deshalb mit der eingebauten POP-, IMAP- und SMTP-Unterstützung eine der offeneren Komponenten des ansonsten proprietären Kraftpakets.
Dass Lotus keine einfache Groupware ist, sondern ein eher unübersichtliches Geflecht aus Programmen, stellt sich spätestens beim Blick auf den Application-Server mit den umfangreichen Verwaltungstools oder den ausgefeilten Werkzeugen zur Anwendungsentwicklung heraus. Als erste Anlaufstelle für Detailinfos, Begriffserklärungen und Definitionen bieten sich die Lotus Domino Designer Documentation [3] und die Developer Works [4] an. Hier findet der interessierte Admin schnell Lektüre für ein paar Wochen Lesespaß.
Dokumente, Ansichten, Masken, Agenten
Hinter Lotus steckt ein komplexes Datenmanagement-System, dem ein eigenes Flat-File-Datenbankformat, die Notes Storage Facility [5], für die Datenhaltung dient. Die NSF enthält sowohl die Daten als auch die Gestaltungselemente für deren Darstellung. Eine einzelne NSF-Datei stellt eine ganze Datenbank dar und beinhaltet meist alle Informationen einer kompletten Applikation.
Notes kennt dafür Dokumente, Ansichten, Masken und Agenten. Ein Dokument ist ein Datensatz, der in einer Zeile der Datenbank steht. Ansichten sind Filter auf die Gesamtheit der Dokumente, die die Daten in verschiedener Sortierung mit Spalten darstellen. Beim Öffnen eines Dokuments erzeugt Notes Masken, die Datenfelder und Texte enthalten, ähnlich wie MS Access. Agenten übernehmen die periodische oder Event-gesteuerte Verarbeitung der Daten, etwa den Export in andere Datenbanken, Dateiformate (TXT, XLS) oder Systeme wie SAP, Oracle oder DB2.
Programmierbar
Die Gestaltung einer Datenbank ist für die Standardfeatures Mail (Abbildung 1), Kalender (Abbildung 2), Aufgaben, Kontakte und allgemeine Dokumente bereits vorgegeben, der Lotus-Admin kann diese aber mit diversen Programmiersprachen individuell anpassen. Die einfachste davon ist die Notes-Formelsprache, die aus so genannten @-Funktionen und @-Kommandos besteht. Wer Lotusscript beherrscht, einen Visual-Basic-Abkömmling mit zusätzlichen Klassen, kann dann schon alle Notes-internen Bedürfnisse abdecken. Für Webanwendungen kommen HTML, XML, Javascript, Java und seit Version 7 sogar die Web Services Description Language (WSDL) in Frage.

Abbildung 1: Schön anzuschauen: Die E-Mail-Verwaltung mit Lotus Notes macht einen aufgeräumten Eindruck und steht ganz im Zeichen des neuen Portal-Feelings. Oben links der zentrale Startknopf »Open«.

Abbildung 2: Auch die Aufgabe, einen neuen Termin hinzufügen und dabei die Verfügbarkeit von Kollegen abzufragen, beherrscht Notes. Rechts im Bild die Links zu Sametime und Activities.
Die Domino-Familie
Der Domino-Server selbst ist Datenbankserver, Router und Web-, IMAP- und SMTP-Server. Er bietet ein LDAP-fähiges Directory mit allen registrierten Benutzern, mit Gruppen und allen Domino-Servern der Domäne. Für die Sicherheit stehen Tools auf mehreren Ebenen parat, eine integrierte PKI verwaltet Public und Private Keys, SSL-Zertifikate und Zugriffskontrolllisten. Für die reinen Webapplikationen bietet IBM den Websphere Application Server [6] an. Der arbeitet mit verschiedenen Webservern wie Apache und Datenbankservern (Oracle, DB2) zusammen und stellt J2EE-konforme Laufzeitumgebungen für Servlets, JSPs und Enterprise Java Beans bereit. Auf ihm kommt noch der Websphere-Portalserver dazu, der die Entwicklung und Bereitstellung konfigurierbarer Webportale über Portlets ermöglicht.
V8: Neues unter der Haube
Zusammen mit den Notes- und Domino- Versionen 8 kam eine Reihe von neuen Produkten auf den Markt, die mehr oder weniger eng mit Lotus Notes verknüpft sind. Lotus Connections [7] ist ein Server für Blogs, Wikis, Social Bookmarking oder Projektmanagement mit Activities. Und mit dem Expeditor-Server [8], einem Entwicklungs- und Verteilungsserver für Eclipse-Plugins, stehen dem kundigen Admin noch weitere Möglichkeiten zur Verfügung.
Lotus Connections als Web-2.0-Lösung basiert auf Websphere und bringt wiederum den Activities-Server mit. Die Teamroom- und Quickplace-Produkte gingen in Lotus Quickr auf und wurden ebenfalls um Blogs und Wikis erweitert. Lotus Sametime 7.5 und der Websphere Portal Server 6 ergänzen die Palette der Möglichkeiten um Instant Messaging und Portal-Features.
Echtes Portal-Feeling
Lotus V8 kommt deutlich frischer und moderner daher als die älteren Modelle. In einem langen Diskussionsprozess mit Betatestern und mit Hilfe systematischer Nutzerbefragungen haben die Entwickler die Benutzeroberfläche fast komplett neu gestaltet. Ein Startbutton versammelt nun die wichtigsten Anwendungen unter sich, das Vorschaufenster für Mails und Dokumente kann auch rechts liegen und viele Sidebars und Plugins erlauben die individuelle Konfiguration der Oberfläche. Das Werkzeug Activities gruppiert zusammengehörende Dokumente an einem Platz. Allgegenwärtig ist dabei IBMs Bestreben, ein Portal zu entwickeln, in dem der Benutzer schnell findet, was er für die tägliche Arbeit braucht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Der neue Portal-Charakter, den die Entwickler im Sinn hatten, zeigt sich am stärksten auf der Startseite von Notes 8. Der Zugang zu den verschiedenen Modulen erscheint aufgeräumt und übersichtlich.
Die Symphonie der Productivity-Tools
Diese Absicht unterstreicht Notes auch mit den so genannten Productivity-Tools. Es handelt sich dabei um drei ODF-kompatible Werkzeuge für Tabellenkalkulation, Dokumente und Präsentationen, die IBM integriert hat, um dem Lotus-Notes-Anwender die Arbeit mit Office-Dokumenten innerhalb seines Groupware-Clients zu ermöglichen.
Das auf Openoffice.org basierende Dreiergespann Lotus Spreadsheets, Lotus Documents und Lotus Presentations ist inzwischen auch als separates Programm unter dem Namen Lotus Symphony erschienen und steht unter [9] sowohl für Windows als auch für Linux zum kostenlosen Download.
Das Produkt Symphony gab\’s schon einmal: IBM erweckt hier dem Namen nach eines der erfolgreichsten und leistungsstärksten Modelle der Lotus-Geschichte wieder zum Leben, dessen Version 3.0 im Jahr 1992 die letzte zu sein schien. Bereits in den 80er Jahren bot die Symphonie Tabellenkalkulation, Textverarbeitung und umfangreiche Datenbank- und Datenübertragungsfunktionen, jedoch werkelt heute unter der Haube Open-Source-Software.
Böses Erwachen an der Tankstelle?
Die Productivity-Tools muss aber niemand unbedingt mit installieren, denn sie nehmen immerhin über 350 MByte des ohnehin enormen Plattenbedarfs in Anspruch. Wer schon ein Office-Paket wie Open Office installiert hat, sollte also darauf verzichten (Abbildung 4). Beim Platzbedarf ist Lotus Notes nicht gerade bescheiden, gut 1100 MByte braucht der Client auf der Festplatte, und 1 GByte RAM sollten auch sein. Ein Ressourcenbedarf wie ein Sportwagen, selbst für eine Groupware erscheint das allerdings fast übertrieben.

Abbildung 4: Hinter den 354 MByte der Productivity-Tools verbirgt sich unter anderem IBMs Open-Office-Variante Symphony. Auch wenn der Admin die Option deaktiviert, landen immer noch knapp 640 MByte auf der Platte.
Ein Grund für diesen Durst ist laut Hersteller die neue Architektur von Notes 8. Als Basis dient die Eclipse Rich Client Platform [10], die IBM zum so genannten Lotus Expeditor ausgebaut hat. Dieser Managed Client ermöglicht SOA-Implementierungen für mobile und Rich-Client-Anwendungen. Notes ist eben auch nur eine derartige Implementierung auf Basis des Expeditors.
Weil es damit nicht nur die klassischen Lotus-Anwendungen im NSF-Format unterstützt, sondern auch Software auf der Basis quelloffener Standards, öffnet sich der Client damit ein gutes Stück weit zur Open-Source-Welt und erlaubt auf diese Weise auch die Integration selbst entwickelter Eclipse-Plugins in vorhandene Notes-Programme.
Composite Applications
Das Zauberwort für diese neue Welt heißt Composite Applications. Ein Property Broker fügt Anwendungen aus den Komponenten von Notes und Eclipse zusammen und sorgt für den Datenaustausch oder stößt Transaktionen an. Über den mitgelieferten Composite Applications Editor verknüpft Lotus die Anwendungen miteinander. Dieses Admin-Tool definiert, welche Daten zwischen den Anwendungen fließen sollen.
Technologisch werkelt dann ein Property Broker im Hintergrund und verteilt die Daten an die beteiligten Komponenten. Alle Gestaltungs- und Programmierarbeiten für die klassischen Notes-Anwendungen außerhalb der Eclipse-Entwicklung führt der Admin mit dem Domino Designer durch, der wiederum nur ein erweiterter Notes-Client ist. Auch für die Administration der Domino-Server gibt\’s eine weitere Client-Erweiterung namens Domino Administrator.
Leider laufen all diese Tools nur auf Windows-PCs. Linux-Desktops für die Admins sind für IBM wohl noch kein Thema. Wer kein Windows hat, greift dann zum Web-fähigen Pendant Domino Web Administrator.
Notes auf Linux
Lotus Notes auf Linux erweist sich folglich in erster Linie als Produkt für den Endanwender, für die Administratoren und Entwickler besteht noch Handlungsbedarf für IBM. Interessant ist der neue Client vor allem für Unternehmen, die schon eine Lotus-Notes-Infrastruktur haben und mit dem Wechsel zu Linux als Client-Betriebssystem liebäugeln. Sie können jetzt ihren Mitarbeitern die Notes-Anwendungen des Unternehmens sowohl auf Windows als auch auf Linux mit dem gleichen Funktionsumfang zur Verfügung stellen.
Lotus Notes verhält sich dann auf jedem System identisch: Mit dem Mechanismus der Replikation, bei guter Netzanbindung auch per Direktzugriff, holen sich die Benutzer sowohl die Anwendungen als auch die Nutzdaten vom Lotus-Domino-Server auf ihren Client.
Diese Replikation zählt zu den klassischen Stärken von Lotus Notes, sie ist gerade beim Offline-Betrieb auf Notebooks beliebt. Allerdings schwächt die Integration von SOA-Anwendungen per Eclipse-Plugin die Vorteile deutlich ab, denn solche Komponenten erfordern in der Regel eine Verbindung zu einem Application-Server.
Verteiler
Hat der Domino-Server eine Eclipse-Update-Site verpasst bekommen, dann kann er auch die Funktionen des Websphere-Portalservers oder eines Expeditor-Servers übernehmen und beliefert die Clients mit den passenden Eclipse-Plugins. Weil dabei mehrere Server beteiligt sein können, ist allerdings auch die Versorgung des Lotus-Notes-Clients mit den Basis-Programmen ab Version 8 aufwändiger.
Das kann sich für Composite Applications als Problem erweisen, denn dabei müssen alle Bestandteile immer in der aktuellen Fassung vorliegen und für den Client verfügbar sein. Ob dafür die alten Server und das alte Netzwerk noch ausreichen, muss jeder Admin selber testen.
Immer noch kein Caldav
Auch im Bereich der eigentlichen Groupware, also den Teilen E-Mail, Kontakte und Kalender, hat sich seit Version 7 einiges getan. Eine automatische Posteingangsverwaltung hält überquellende Eingänge durch eine planmäßige Ablage klein, auch wenn die Benutzer partout nichts löschen. Das neue Feature des Mail-Rückrufs mag zwar praktisch sein, ist aber aus rechtlichen Gründen prekär, wenn man es nicht auf die ungelesenen Nachrichten beschränkt.
Der Außer-Haus-Agent kann jetzt auch als Service laufen, was die Reaktionszeit auf Mails während der Abwesenheit erheblich verbessert und keine Abschaltung des Agenten durch den Benutzer mehr verlangt. Außerdem verschickt Domino keine Abwesenheitsnotizen mehr an Spammer und Listserver, ein Problem, das Administratoren bisher nur durch eigene Tricks und Skripte in den Griff bekamen. Im Kalender fehlt leider immer noch die Unterstützung von Caldav, um Daten mit anderen Kalendern auszutauschen. Notes unterstützt lediglich den Import und Export über ICS-Dateien.
Installation
Die Installation von Lotus Notes 8 auf Linux stellt normalerweise kein Problem dar, solange sich der Benutzer an die Vorgaben von IBM hält. Falls jedoch am System irgendetwas nicht passt, erweisen sich die Fehlermeldungen der Installationsroutine als nicht sonderlich hilfreich. Auf einer getesteten Suse 10.3 verabschiedete sich der Installer beispielsweise mit »Zusicherung c-xlib.lock nicht erfüllt«, die Tester mussten das Programm mehrfach von Hand killen. Offiziell unterstützt IBM ohnehin nur Suse Linux Enterprise Desktop 10 und Red Hat Enterprise Linux 5 Desktop. Letzeren auch nur, wenn AIGLX und SE Linux deaktiviert sind.
Wer auf IBMs Rat und Tat verzichten kann, den freut\’s: Notes 8 soll auch auf Ubuntu laufen. Aktuelle Versionen von Metacity, Compiz und XGL sind allerdings Pflicht, ebenso muss Mozilla Firefox 1.5 GTK 2 oder das Mozilla Runtime Environment 1.8 GTK 2 vorhanden sein.
Die Installationsprozedur
Hat sich der Linuxer dazu entschlossen, das Tar-Archiv mit knapp 450 MByte von IBM [11] herunterzuladen, dann entpackt »tar -x « den Inhalt des Archivs ins aktuelle Unterverzeichnis.
Der X11-Installer will als Root aufgerufen werden, daher braucht\’s ein »sux«, bevor »./setup.sh« den Installationsprozess startet. Fast wie unter Windows hilft dann ein Wizard durch die fünf Schritte der Installation. Viel Auswahl hat der Sysadmin dabei nicht, am wichtigsten ist wohl die Angabe des Pfads für die Installation. Per Default landet der Notes-Client immer im Verzeichnis »/opt/ibm/lotus/notes« (Abbildung 5), Verzeichnisse für gemeinsame Dateien wie die Hilfe-Datenbanken oder die Schablonen liegen unter »/etc/lotus/notes/data/shared«. Unter »/root/lotus/notes/data« befindet sich ein Mustersatz an persönlichen Dateien, die als Kopiervorlage für die anderen Benutzer dienen.

Abbildung 5: Als Pfad schlägt IBM ein Verzeichnis unterhalb von »/opt« vor. Templates und Schablonen landen aber auch unter »/etc/lotus« und »/root/lotus«. Die Installation ins Home-Directory ist ebenfalls möglich.
Ubuntu: Der V8 springt nicht sofort an
Im Gegensatz zum Installer kann Root den Notes-Client gar nicht ausführen, ein Benutzerwechsel ist nötig. Die ».desktop«-Datei mit dem Startsymbol für die Arbeitsoberfläche hat der Installer unter »/usr/share/applications« angelegt. Ein »cp /usr/share/applications/Lotus* /home/Benutzername/Desktop« kopiert sie auf den Desktop des Users.
Auf Multiuser-Systemen empfiehlt sich das Kopieren oder Verlinken nach »/etc/skel/Desktop«. Nach dem Anlegen eines neuen Benutzers befindet sich dann das Notes-Icon automatisch auf dem neuen Desktop. Unter Ubuntu kommt beim ersten Klick auf das Symbol allerdings eine enttäuschende Fehlermeldung (Abbildung 6). Die Erklärung ist simpel, wie ein »ls -l« im Notes-Verzeichnis zeigt:
(...) -rwxr-x--- 1 root root 25925 2007-08-03 08:16 notes (...)
Alle Dateien unter »/opt/ibm/lotus/notes« gehören dem Benutzer »root« und der gleichnamigen Gruppe, Lese- und Ausführrechte besitzen also nur der Administrator und die Mitglieder der Gruppe »root«.
Wie sich IBM das genau vorstellt, ist unklar: Alle potenziellen Groupware-Benutzer in die Gruppe »root« aufzunehmen, wird wohl in den wenigsten Fällen der richtige Weg sein. Als einfachste Lösung kommt dagegen der Befehl «chmod -R o+rX« in Frage, mit dem alle Dateien, die bisher ein Executable-Bit gesetzt hatten, ab sofort auch für alle anderen Benutzer ausführbar sind. Danach springt der Lotus-Bolide auch unter Ubuntu brav an und belegt vom Fleck weg sein GByte-RAM.
Aber woher kommt der Fehler? Liegt es an Ubuntu? Ein kurzer Blick in das Notes-Setupskript offenbart Interessantes:
#!/bin/sh
umask 022
chmod 777 "${0%setup.sh}/installdata"
"${0%setup.sh}/installdata" "$@"
Zum einen erscheint mehr als fragwürdig, warum das Skript die Umask verändert. Aber ein richtiges Sicherheitsloch reißt der »chmod 777 …«-Befehl auf. Nach dem Aufruf von »setup.sh« liegt auf dem System ein File (»installdata«), das für jedermann schreib- und ausführbar ist. Ein mögliches Root-Exploit wird daraus, weil der Installer vom Administrator auszuführen ist. Die Tester des Linux-Magazins haben IBM von der Sicherheitslücke informiert, die entsprechende Technote findet sich unter [12].

Abbildung 6: Mit oder ohne Root-Rechte: Nach der Installation auf Ubuntu geht erstmal nichts. Hier muss der Admin die Rechte unter »/opt/ibm/lotus/notes« und den Pfad in der ».desktop« Datei korrigieren.
Der Motor läuft
Hat der Admin die Rechte korrigiert, klappt\’s auch auf Anhieb mit dem Anlassen. Nach dem Klick aufs Icon legt Notes in »$HOME/lotus« das persönliche Notes-Verzeichnis an und der Benutzer darf den Client konfigurieren (Abbildung 7).
In den folgenden Dialogen sind eigentlich nur Benutzername und Domino-Server anzugeben, dann läuft Notes. Wer Lotus Domino hat, kann sich über die Einstellungen des Setup-Wizards mit dieser Maschine verbinden, für alle anderen hört der Weg hier auf. Ist kein Server erreichbar, beendet sich der Client unvermittelt wieder.

Abbildung 7: Lotus Notes auf Linux ist erfolgreich gestartet, jetzt will der Client seine Konfiguration erhalten. Auch dafür gibt’s einen Wizard.
Notes verspricht zwar nach der Installation dem Benutzer, sich auch zu anderen Mail-, Newsgroup- und Directory-Servern zu verbinden. Allerdings scheitert der Versuch, das Programm ohne Domino-Server zu betreiben. Deaktiviert der User das Optionsfeld »I want to connect to a Domino server«, dann erscheint nach dem nächsten Klick auf »Next« eine Fehlermeldung, die wieder auf fehlende Schreibrechte hindeutet (Abbildung 8). Danach verabschiedet sich Notes ohne weiteren Kommentar.

Abbildung 8: Ohne Domino-Server geht gar nichts. Zwar sollte der Client auch normale Mailserver ansprechen können, aber scheinbar verhindern fehlende Dateirechte dies.
Ausgereift – außer auf Ubuntu?
Wenn es läuft, macht Notes einen ausgereiften Eindruck, die Fülle an Anwendungen für Entwickler und Administratoren ist schier unüberschaubar. Doch scheint die Installation auf dem nicht supporteten Ubuntu einige Probleme zu verursachen. Dass diese nicht der Distribution anzulasten sind, sondern eher auf Fehler im Wrapper-Skript und daraus resultierende falsche Dateiberechtigungen zurückgehen, macht den Boliden allerdings verdächtig.
Lotus Notes 8 gibt\’s ab 100 Euro pro Client, es ist für alle Anwender älterer Versionen interessant, die eine moderne Oberfläche im Stile eines Webportals suchen und auf Linux umsteigen wollen. Auch wenn IBM die Rückwärtskompatibilität für alle Notes-Anwendungen ab Version 2 garantiert, sollte jeder Upgrade-Willige erst gründlich auf Version 8 testen, bevor der Rollout beginnt.
Für Januar 2008 ist bereits die erste Maintenance-Release 8.0.1 angekündigt, die den Lotus Notes Traveler mitbringt, einen mobilen Notes-Client für Windows-Mobile-Geräte mit automatischer Replikation von Mails, Kalendereinträgen, Aufgaben, Notizen und Kontakten. Also Dinge, die mit Blackberry schon heute möglich sind, allerdings nur auf RIM-eigenen Handhelds oder Geräten mit Blackkberry-Plugin. In dieser Version ist dann laut IBM übrigens auch eine gefixte Installationsroutine enthalten.
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Der Autor |
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Matthias Frey beschäftigt sich schon seit Jahren mit Lotus Notes und den angrenzenden Produkten. Er arbeitet bei der Empalis GmbH in Stuttgart als Entwickler und Administrator. |






