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Aktueller Überblick über freie Software und ihre Macher

Projekteküche

von Carsten Schnober
Erschienen im Linux-Magazin 2008/01

Open Solaris will mit einer ersten Community-getriebenen Distribution den Kreis der freien Betriebssysteme aufmischen. Linux dagegen findet Platz auf einem als Open Hardware angepriesenen Mini-Computer - eine längst fällige Neudeutung des Open-Source-Prinzips oder ein Werbetrick?

Indiana ist ein US-amerikanischer Bundesstaat, der sich auf den ersten Blick nicht besonders vieler bekannter Attraktionen rühmen kann. Außer dem legendären Autorennen ist dort aber auch Ian Murdock ([1], Abbildung 2) zu Hause, der Begründer der mindestens ebenso legendären Linux-Distribution Debian [2]. Er arbeitet mittlerweile für den Software-Riesen Sun Microsystems [3] als Chefstratege im Bereich Betriebssysteme; im Falle Sun heißt das vor allem Solaris [4]. Daher ist es kaum ein Zufall, dass die erste echte Open-Solaris-Distribution den Namen Indiana trägt.


Abbildung 1: Nun offen und frei verfügbar: Mit der Release unter dem Codenamen Indiana legt Sun erstmals eine brauchbare Community-Version des Betriebssystems Solaris vor.


Abbildung 2: Ian Murdock begründete die legendäre Linux-Distribution Debian und arbeitet nun als Betriebssystemexperte für Sun Microsystems.

Staatenrally

Bereits Anfang 2005 hatte Sun unter dem Namen Open Solaris eine freie Version seines Betriebssystems veröffentlicht. Deren interner Codename war Nevada. Wer das System ausprobieren wollte, sah sich jedoch mit einem Hindernislauf konfrontiert, der offenbar vor allem für neue Kunden der proprietären Solaris-Version sorgen sollte.

Nevada enthielt nämlich nur den Quellcode des Kernels und weiterer Komponenten. Zum Kompilieren war ein bereits laufendes Solaris-System nötig, also das kommerzielle Produkt oder die erst nach Registrierung erhältliche und nicht quelloffene Developer-Edition. Netzwerkunterstützung, ohne die ein Betriebssystem heutzutage wenig nützt, gehörte nicht zum Basispaket. Sie nachinstallieren war kein leichtes Unterfangen.

Alles in allem bleibt als Fazit: Nevada war weder als Werbung für Solaris noch als freies Betriebssystem wirklich brauchbar. Zu dieser Erkenntnis ist wohl auch Hersteller Sun gekommen und hat im März dieses Jahres mit Ian Murdock den Schöpfer der traditionsreichsten freien Linux-Distribution angeheuert. Wenige Monate später gab dieser bekannt, dass er die Arbeit an einer Open-Solaris-Distribution begonnen habe.

Neuer Ansatz

Diese neue Ausgabe möchte Benutzern dasselbe bieten wie eine Linux-Distribution: ein betriebsfertig geschnürtes und auf Anhieb funktionstüchtiges Betriebssystem, gebündelt mit sinnvollen Komponenten wie einer Desktop-Umgebung und Entwicklungswerkzeugen. Ein Paketverwaltungssystem darf natürlich auch nicht fehlen, damit das Auflösen von Abhängigkeiten nicht die Geduld der Anwender strapaziert. Des Weiteren erfolgt die Entwicklung von Open Solaris seit der Ära Indiana nicht mehr nur in den Labors von Sun, sondern auch durch die Community; auch für dieses Modell steht der Debian-Gründer wie kaum ein anderer.

Sun hat bereits die erste Version von Indiana zum Download bereitgestellt. Sie erfüllt schon eines der erklärten Ziele: Beim Routineblick auf die Oberfläche fällt kein Unterschied zu gebräuchlichen Linux-Distributionen auf. Die etwas über 600 MByte große Imagedatei wird wie gewohnt auf CD gebrannt und ins Laufwerk geschoben. Der so genannte Slim Installer bootet daraufhin einen X-Server nebst Gnome-Desktop-Umgebung als Live-System (Abbildung 3).


Abbildung 3: Wie viele Linux-Live-CDs bootet auch die Open-Solaris-Distribution in eine Gnome-Desktop-Umgebung, von der aus die Festplatteninstallation möglich ist.

Die Gnome-Umgebung unterscheidet sich naturgemäß nicht von einer für Linux kompilierten Variante. Die mit einem von CD gestarteten Live-System stets verbundenen Geschwindigkeitseinbußen haben nichts mit dem Betriebssystem zu tun. Die Live-CD vermittelt einen guten Eindruck, ein Klick auf das Icon »Install OpenSolaris« löst den Installationsprozess aus, der sich prinzipiell ebenfalls nicht von dem der meisten Linux-Distributionen unterscheidet. Ein Assistent führt den Benutzer durch die Installationsschritte, die grundlegende Dinge wie die Festplatten-Partitionierung und das Anlegen des ersten Benutzers durchexerzieren (Abbildung 4).


Abbildung 4: Ein Assistent macht die Open-Solaris-Installation einfach, auch wenn der Slim Installer im gegenwärtigen Frühstadium noch wichtige Funktionen vermissen lässt.

Dass sich Indiana nun in einem Stadium befindet, in dem die Installation weitgehend reibungslos über die Bühne geht, bedeutet nicht, dass es bereits zur alltäglichen Benutzung zu empfehlen ist. Updates früherer Installationen ermöglicht der Installer bislang noch nicht, stattdessen überschreibt er eine entsprechende Partition komplett. Beim Punkt Partitionierung ist ohnehin äußerste Vorsicht angesagt: Findet die Automatik auf der gewählten Festplatte keine für die Installation präparierte Partition, macht sie kurzen Prozess und überschreibt die gesamte Platte.

Es zeichnet sich dennoch ab, dass Sun alles in allem einen Coup gelandet hat. Ian Murdock hat ja schon bewiesen, dass er die Vorteile von freier Software zu nutzen versteht - Debian spricht für sich. Indiana lässt sein Fingerspitzengefühl deutlich erkennen. Benutzerfreundlichkeit ist wichtig, darf aber nicht auf Kosten der Technik gehen. So finden sich bei Indiana beide Regeln bereits im Frühstadium in erstaunlich hohem Maße wieder. Wer wie Murdock auch mal auf andere freie Unix-artige Systeme als Linux ein Auge werfen möchte, hat nun eine bequeme Möglichkeit.

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