Aus Linux-Magazin 03/2007

Bilddatenbanken im Test

Mikhail Olykainen, Fotolia

Bilddatenbanken verwalten Fotos und veröffentlichen sie im Internet. Diese Bitparade greift aus der Masse des Angebots zwei leistungsfähige Anwendungen heraus: Photo Organizer und Gallery 2 bieten eine Fülle von Funktionen und bewähren sich auf unterschiedliche Art in der Praxis.

Bilder im Dateisystem verwalten ist mühsam: In Ordnerhierarchien geht bei wachsender Tiefe schnell die Übersicht verloren, jede Suche gestaltet sich aufwändig. Außerdem fehlt die Möglichkeit, den einzelnen Bildern Informationen wie Schlagwörter zuzuordnen. Abhilfe schaffen Bilddatenbanken, die die einzelnen Fotos über eine Datenbank mit Meta-Informationen verknüpfen.

Gute Systeme werten zudem die in den Bilddateien gespeicherten Exif- oder Iptc-Tags bereits beim Hochladen aus, sodass sich diese ebenfalls durchsuchen lassen. Das Datum der Aufnahme, das über die Bild-Tags ohne manuelle Eingabe in die Datenbank gelangt, steht zum Beispiel für Suchanfragen bereit.

Dieser Artikel stellt zwei leistungsfähige, in PHP programmierte Bilddatenbanken, Gallery 2 [1] und Photo Organizer [2], vor und vergleicht ihren Leistungsumfang. Beide Bilddatenbanksysteme nutzen zur Bedienung Webtechnologien: Da ein Browser für den Zugriff ausreicht, ist dies die einfachste Methode, um eine plattformübergreifend funktionierende Client-Server-Architektur innerhalb der Firma zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig eignen sich Web-basierte Bilddatenbanken auch für die Veröffentlichung im Internet.

Voraussetzungen

Für beide Bilddatenbanken empfiehlt sich der Einsatz eines Apache-2-Webservers, Photo Organizer setzt Version 2.0.40 oder höher zwingend voraus. Gallery 2 benötigt PHP entweder ab Version 4.3.0 oder 5.0.4, hat aber mit der PHP-Ausgabe 5.0.5 Schwierigkeiten. Photo Organizer läuft ab PHP 4.3.10. Hinsichtlich der Datenbanksysteme ist Gallery 2 flexibel: Es lässt sich mit MySQL ab 3, PostgreSQL ab 7, Oracle 9i oder 10g, IBM DB2 8.2 und Microsofts SQL Server betreiben. Photo Organizer arbeitet nur mit PostgreSQL ab Version 7.4 zusammen (Übersicht in Tabelle 1).

Zum Erzeugen von Vorschaubildern setzen Web-basierte Bilddatenbanksysteme entweder auf die PHP-Erweiterung GD oder rufen zu diesem Zweck externe Tools auf dem Serverrechner auf. Auch hier erweist sich Gallery 2 als die flexiblere Lösung: Die Software kann GD ab Version 2, Netpbm 9 oder neuer sowie Imagemagick ab Version 4 nutzen. Photo Organizer benötigt Imagemagick mindestens in Version 6.

Für den Test kam ein Rechner mit einer auf 2,4 GHz getakteten Intel-Celeron-CPU und 1 GByte RAM zum Einsatz. Alle erforderlichen Pakete lieferte das verwendete Suse 10.2. Gallery 2 kommt allerdings nicht mit der enthalten Imagemagick-Version 6.3.0.0 zurecht. Wie es scheint, gilt diese Einschränkung sogar für alle neueren Versionen von Imagemagick [3]. Mit der enthaltenen Netpbm-Version 10.26.22 lief die Software dagegen fehlerfrei.

Single- oder Multisite

Gallery 2 ist einfach zu installieren: Nach dem Aufsetzen der Serversoftware und Entpacken des Programmarchivs in ein vom Webserver verwaltetes Verzeichnis übernimmt ein Wizard im Webbrowser alles Weitere. Dieser testet die Voraussetzungen für jeden Installationsschritt und informiert den Benutzer über Fehlerquellen (Abbildung 1): Er stellt sicher, dass Gallery 2 Schreibrechte auf das Installationsverzeichnis hat und prüft Abhängigkeiten wie die zur PHP-Erweiterung Gettext, die Voraussetzung für die Internationalisierung ist. Die Einrichtung der Datenbank übernimmer vollständig der grafische Installer. Der Anwender hat bei Gallery 2 die Wahl zwischen einer Single- und einer Multisite-Installation. Bei der zweiten Variante verwaltet die Software mehrere Toplevel-Galerien und trennt diese auf Dateisystem- und Datenbankebene voneinander.

Abbildung 1: Der im Browser ablaufende Installer von Gallery 2 nimmt dem Anwender die gesamte Handarbeit ab und erkennt viele potenzielle Probleme, zum Beispiel fehlende Schreibrechte für den Repository-Ordner.

Abbildung 1: Der im Browser ablaufende Installer von Gallery 2 nimmt dem Anwender die gesamte Handarbeit ab und erkennt viele potenzielle Probleme, zum Beispiel fehlende Schreibrechte für den Repository-Ordner.

Bei der Installation von Photo Organizer ist für die Initialisierung der Datenbank Handarbeit nötig. Das Vorgehen ist unter [4] nachvollziehbar dokumentiert, die Anleitung geht allerdings nicht auf die Unterschiede der verschiedenen Linux-Distributionen ein: Unter Suse läuft Apache beispielsweise nicht – wie [4] voraussetzt – unter dem Benutzer »apache«, sondern als »wwwrun«, die entsprechende Gruppe ist nicht »apache«, sondern »www«.

Ist die Datenbank in PostgreSQL angelegt, übernimmt auch bei Photo Organizer ein Installer-Skript die weitere Arbeit (Abbildung 2). Photo Organizer unterstützt jedoch keine Multisite-Installationen mit einer Trennung der Datenbanken und der Verzeichnisse auf dem Server. Anders als bei Gallery 2 muss das Verzeichnis zum Speichern der Bilder außerdem für den Webserver erreichbar sein, was ein potenzielles Sicherheitsproblem darstellt.

Abbildung 2: Der Installer von Photo Organizer ist weniger ausgefeilt als der von Gallery 2. Nach dem Anlegen der Datenbanken auf der Konsole erledigt aber auch er alle weiteren Arbeitsschritte.

Abbildung 2: Der Installer von Photo Organizer ist weniger ausgefeilt als der von Gallery 2. Nach dem Anlegen der Datenbanken auf der Konsole erledigt aber auch er alle weiteren Arbeitsschritte.

Vorschaugrafiken erstellen

Sowohl Gallery 2 als auch Photo Organizer nutzen zum Erzeugen der Vorschaugrafiken Imagemagick und können so die über 100 Dateiformate [5] verarbeiten, die das Tool beherrscht. Dazu gehören neben Jpg, PNG, Gif und Tiff auch PDF, EPS sowie das Photoshop-Dateiformat PSD.

Greift Gallery 2 allerdings zum Erzeugen der Vorschaugrafiken auf die PHP-Erweiterung GD zurück, die anders als Imagemagick auch die meisten Webhoster anbieten, so beschränkt dies die Bilddatenbank auf Jpg-, Gif- und PNG-Grafiken. Über ein zusätzliches Modul bindet Gallery 2 Ffmpeg ein und erstellt auch Vorschaugrafiken für Videodateien. Für den Umgang mit qualitativ hochwertigen Raw-Dateien setzen beide Bilddatenbanken auf Dcraw [6].

Bilddatenbanken müssen mit großen Datenmengen zurechtkommen. Zu Problemen führt die Datenflut besonders beim Hochladen von Bildern, da Apache-Administratoren die Größe eines Uploads über ein HTTP-Formular in der Praxis oft einschränken, um die Serverbelastung zu begrenzen. Je nach Konfiguration ist die »LimitRequestBody«-Größe in einer verzeichnisspezifischen ».htaccess«-Datei zu umgehen.

Die zu niedrigen PHP-Standardwerte von 2 MByte für hochzuladende Dateien und 8 MByte für über Formulare versandte Daten lassen sich in ».htaccess« über die Direktiven »php_value upload_max_filesize 250M« und »php_value post_max_size 250M« vergrößern.

Geschickt umgangen

Gallery 2 umgeht diese Einschränkungen der Upload-Größe allerdings auch ohne Eingriff in die PHP- oder Apache-Konfiguration: Die Software liest Bilddateien direkt aus einem Verzeichnis auf dem Server ein, in das der Anwender diese zum Beispiel per FTP kopiert hat (siehe Abbildung 3). Gallery 2 kann die Bilddateien dabei entweder in das konfigurierte Repository-Verzeichnis verschieben oder auch nur symbolische Links auf die Dateien setzen. Bei bestehenden Bildsammlungen belässt die Software die Dateien dann unverändert in der alten Ordnerhierarchie.

Abbildung 3: Vor allem bei vielen Bildern ist es am effektivsten, Grafiken direkt aus einem Verzeichnis einzulesen. Auf Wunsch setzt Gallery 2 dabei nur symbolische Links und lässt die bisherige Ordnerstruktur unberührt.

Abbildung 3: Vor allem bei vielen Bildern ist es am effektivsten, Grafiken direkt aus einem Verzeichnis einzulesen. Auf Wunsch setzt Gallery 2 dabei nur symbolische Links und lässt die bisherige Ordnerstruktur unberührt.

Für einzelne Bilder enthält Gallery 2 ein Formular, mit dem sich lokale Dateien über den Browser hochladen lassen. Komfortabler als das HTML-Formular ist ein Java-Applet (Gallery Remote, [7]), mit dem der Anwender auch mehrere Dateien zum Server übertragen kann. Ein Zusatzmodul [8] liest in Zip-Archiven verpackte Bilder ein.

In Photo Organizer ist der Bild-Upload nur über ein Webformular möglich. Sind die maximale Upload-Größe und außerdem die in »php.ini« festgelegte maximale Skriptlaufzeit groß genug, lassen sich wie bei Gallery 2 gleich mehrere Bilder in einem Arbeitsschritt in die Datenbank übertragen: Die Software unterstützt einen Bulk-Upload über ein Zip-, Tar-, Tgz- oder Tar.bz2-Archiv. Die Bilddatenbank wertet fakultativ eine XML-Datei mit Informationen wie Schlagwörtern oder Bildtiteln aus. Photo Organizer enthält einen Template-Generator für diese XML-Dateien, deren Format leicht nachzuvollziehen ist.

Anders als Gallery 2, das im Bild-Repository pro Album einen Unterordner anlegt, enthält Photo Organizer eine Volume-Verwaltung: Neue Unterordner im Repository erstellt die Software dann, wenn die voreingestellte Volume-Größe überschritten wird. Da die Namen der Volume-Unterordner einem festen Schema folgen, ist diese Funktion auch einsetzbar, um die Bilddateien über mehrere Partitionen zu verteilen

Upload-Geschwindigkeit

Neben dem Komfort ist beim Upload die Geschwindigkeit ein wichtiger Faktor: Bei Gallery 2 dauerte das Einbinden von 70 Bildern (insgesamt 150 MByte) direkt aus einem Server-Verzeichnis in den Testrechner etwas mehr als 5 Minuten. Dabei erstellte die Software für jedes Bild Vorschaubilder mit bis zu 640 Pixeln Seitenlänge und ein Thumbnail mit einer maximalen Seitenlänge von 150 Pixeln. Sie wertet außerdem Exif- und Iptc-Daten der Grafikdateien aus (Abbildung 4). Alternativ erstellt Gallery 2 die Vorschaugrafiken erst beim Betrachten der Bilder. Die Dauer des Einlesens verkürzte sich dann auf 30 Sekunden.

Abbildung 4: Sowohl Gallery 2 als auch Photo Organizer übernehmen die Exif- und Iptc-Daten, die Digitalkameras in den Bilddateien anlegen, und stellen sie für die Suchfunktion zur Verfügung.

Abbildung 4: Sowohl Gallery 2 als auch Photo Organizer übernehmen die Exif- und Iptc-Daten, die Digitalkameras in den Bilddateien anlegen, und stellen sie für die Suchfunktion zur Verfügung.

Photo Organizer ließ sich etwas mehr Zeit: Nach dem Upload des gleichen Tgz-Archivs, dessen Geschwindigkeit von der Netzwerkverbindung abhängt, brauchte Photo Organizer etwa 6,5 Minuten, um die Bilder in die Datenbank zu integrieren. Das Errechnen der Vorschaugrafiken lässt sich bei Photo Organizer allerdings nicht abstellen, der Anwender kann lediglich die Qualität der Jpg-Vorschauen beeinflussen.

Bildbearbeitung

Bei eingescannten Vorlagen kommt es manchmal vor, dass Bilder verdreht vorliegen. Beide Testprogramme können die Fotos dann rotieren. Gallery 2 erzeugt außerdem auf Wunsch nachträglich mehrere skalierte Versionen in vom Benutzer definierten Größen. Die Wartungsfunktion verspricht zwar, dies auch für ganze Alben oder die komplette Galerie auf einmal zu erledigen. Im Test funktionierte es jedoch nicht.

Wie Photo Organizer kann auch Gallery 2 die Grafiken mit einem Wasserzeichen versehen. Ein Java-Applet beschränkt die Vorschaugrafik außerdem auf einen Ausschnitt des Originals (Abbildung 5). Anders als Gallery 2 kann Photo Organizer Bildern auch spiegeln, was eine lokale Bearbeitung und einen erneuten Upload erspart, wenn Scans von Dias oder Negativen beispielsweise seitenverkehrte Schrift aufweisen.

Abbildung 5: Der richtige Blickwinkel: Gallery 2 enthält ein Java-Applet, das einen passenden Ausschnitt für die Vorschaugrafiken auswählt.

Abbildung 5: Der richtige Blickwinkel: Gallery 2 enthält ein Java-Applet, das einen passenden Ausschnitt für die Vorschaugrafiken auswählt.

Verschiedene Schwerpunkte

Der Vergleich zeigt deutlich, dass beide Programme unterschiedliche Zielgruppen ansprechen: Gallery 2 ist für das Publizieren von Bildern im Internet konzipiert. Mitgelieferte Themes verändern das Aussehen der Fotogalerien (Abbildung 6). Die Software enthält eine leistungsfähige Benutzerverwaltung, die den Zugriff für Benutzeraccounts und Benutzergruppen regelt. Der Festplattenplatz, der einzelnen Benutzern oder Benutzergruppen zur Verfügung steht, lässt sich durch Quotas beschränken.

Abbildung 6: Auf Wunsch auch mit Rahmen: Das Aussehen der Fotogalerien in Gallery 2 lässt sich über das Webinterface flexibel anpassen.

Abbildung 6: Auf Wunsch auch mit Rahmen: Das Aussehen der Fotogalerien in Gallery 2 lässt sich über das Webinterface flexibel anpassen.

Über das Menü »Site-Administration | Leistung« kann der Administrator festlegen, wie oft Gallery 2 die Caches für die dynamisch erzeugten Seiten auffrischen soll. Allerdings erreichte das wesentlich umfangreichere Programm nie ganz die Performance des schlanken Photo Organizer, der die Seiten auf »localhost« fast ohne Verzögerung auslieferte.

Dafür lässt sich der Leistungsumfang von Gallery 2 durch Module erweitern: Es gibt Erweiterungen, die es den Benutzern erlauben, Kommentare oder Wertungen zu den Bildern abzugeben, zwei Diashow-Plugins (auf der Basis von Javascript oder eines Java-Applets), einen RSS-Feed-Generator und ein Modul zum Erzeugen permanenter Verweise.

Außer durch seine Plugin-Schnittstelle zeichnet sich Gallery 2 dadurch aus, dass der Administrator die Bilddatenbank durch selbst definierte Textfelder erweitern darf. Anders als bei Photo Organizer lassen sich bei Gallery 2 über das Webfrontend viele Sprachen einstellen.

Photo Organizer orientiert sich primär an den Bedürfnissen von Profi-Fotografen: Die Software enthält eine Ausrüstungsdatenbank, die es erleichtert, über die Exif-Informationen hinausgehende technische Details wie das verwendete Objektiv oder die Marke des Films festzuhalten (Abbildung 7). Statt fertiger Themes hält die Anwendung eine rudimentäre Template-Sprache bereit, die aber ausreicht, um Photo Organizer in bestehende Seiten einzubinden [9]. Photo Organizer enthält außerdem eine Versionsverwaltung, die bearbeitete Fassungen eines Bildes im selben Datensatz wie das Original speichert. Einen Überblick über den Funktionsumfang der beiden Systeme bietet Tabelle 1.

Abbildung 7: Die Ausrüstungsdatenbank in Photo Organizer verwaltet Objektive, Kameragehäuse und weiteres Zubehör. Sie hilft Profi-Fotografen dabei, die Entstehung eines Fotos genau zu dokumentieren.

Abbildung 7: Die Ausrüstungsdatenbank in Photo Organizer verwaltet Objektive, Kameragehäuse und weiteres Zubehör. Sie hilft Profi-Fotografen dabei, die Entstehung eines Fotos genau zu dokumentieren.

Tabelle 1: Photo Organizer und
Gallery 2 im Vergleich

Präsentation der Bilder

Bei der Organisation der Albumstuktur gehen beide Programme unterschiedliche Wege: Bei Photo Organizer sind Alben und Folder von der Startseite aus erst nach einem Klick auf den Reiter »Users« sichtbar. Dieser wenig intuitive Einstieg lässt sich allerdings durch Anpassen der Templates verändern. Gallery 2 dagegen präsentiert auf der Startseite bereits im Lieferzustand eine ansprechende Übersicht mit Vorschaubildern. Neben der Anpassung von Farben und Themes über das Webinterface (Abbildung 7, Tabelle 1) lässt sich der Aufbau der Seiten auch per Hand verändern: Die Bilddatenbank nutzt das Smarty-Template-System [10].

Die Fotoalben in Gallery 2 sind hierarchisch aufgebaut, sie können Bilder oder weitere Alben aufnehmen. Anders als Photo Organizer, das neben der verkleinerten Vorschau stets das unveränderte Originalbild speichert, kann Gallery 2 neben den Vorschaubildern auch die hochauflösende Bildversion auf eine einstellbare Maximalgröße begrenzen.

Anders als Gallery 2 kennt Photo Organizer zwei Objekttypen als Bild-Container: Folder entsprechen den Alben in Gallery 2: Jedes Bild darin entspricht einer physischen Datei auf der Festplatte. Bilder in Alben dagegen sind nur Links auf bereits in Foldern vorhandene Bilder. So lassen sich Bilder ohne Mehrverbrauch an Ressourcen mehrmals in verschiedenen Alben veröffentlichen.

In Gallery 2 ist dies über die Funktion »Verweis erzeugen« zwar auch möglich. Dabei stört allerdings, dass die Anwendung bei verlinkten Fotos keine Vorschau in der für das Album eingestellen Größe erzeugt. Außerdem erkennt der Anwender nicht, ob ein Bild direkt oder über eine Verknüpfung in eine Galerie eingebunden ist.

Suche und Export

Eine wichtige Funktion in jeder Bilddatenbank ist die Suche nach Schlagwörtern. Beide Testkandidaten bieten dafür sowohl ein einfaches Suchformular als auch eine erweiterte Funktion, die gezielt in Feldern sucht (Abbildungen 8a und 8b). Photo Organizer verknüpft mehrere Suchbegriffe außerdem mit booleschen Operatoren. Leider weist die Anwendung hier einen Bug auf: Die Suche nach zwei oder mehreren mit »AND« verknüpften Stichwörtern bleibt stets ohne Ergebnis.

Abbildungen 8a und 8b: Sowohl Gallery 2 als auch Photo Organizer enthalten neben der Volltextsuche eine nach Feldern differenzierende Suchfunktion. Photo Organizer unterstützt außerdem die booleschen Verknüpfungen der Suchbegriffe und erleichtert so bei umfangreichen Bildbeständen eine gezielte Suche.

Abbildungen 8a und 8b: Sowohl Gallery 2 als auch Photo Organizer enthalten neben der Volltextsuche eine nach Feldern differenzierende Suchfunktion. Photo Organizer unterstützt außerdem die booleschen Verknüpfungen der Suchbegriffe und erleichtert so bei umfangreichen Bildbeständen eine gezielte Suche.

Das Problem ist auf eine fehlerhafte Logik in der SQL-Abfrage zurückzuführen und wird nach Auskunft des Programmautors in der Version 2.33b, die zum Erscheinungstermin dieses Hefts vermutlich bereits vorliegt, behoben sein. Auch das Kontrollkästchen vor Schlagwörtern in der Detailansicht (Abbildung 9), das eine schnelle Suche nach Bildern mit den gleichen Stichwörtern ermöglicht, wird dann ohne Einschränkungen benutzbar sein.

Abbildung 9: Schnell ähnliche Bilder finden: Aktivierte Kontrollkästchen vor den Schlagwörtern suchen nach anderen Bildern mit denselben Stichwörtern. Leider funktionierte dies nicht mit mehreren Schlagwörtern zugleich.

Abbildung 9: Schnell ähnliche Bilder finden: Aktivierte Kontrollkästchen vor den Schlagwörtern suchen nach anderen Bildern mit denselben Stichwörtern. Leider funktionierte dies nicht mit mehreren Schlagwörtern zugleich.

Neben dem Download einzelner Bilder lassen sich bei beiden Anwendungen auch mehrere Fotos in einem Arbeitsschritt herunterladen: Photo Organizer erstellt dabei ein unkomprimiertes Tar-Archiv, das auf Wunsch außer den Grafikdateien auch eine XML-Datei mit den zu den Bildern gehörenden Metadaten enthält. Für Gallery 2 gibt es ein Erweiterungsmodul, das die ausgewählten Bilder noch vor dem Download in ein Zip-Archiv verpackt.

Wertung: Ungleiche Geschwister

Sowohl Photo Organizer als auch Gallery 2 sind Bilddatenbanksysteme, die durch ihre Qualität aus der Masse des Angebots herausragen. Beide bilden eine solide Basis für das Veröffentlichen von Bildern im Internet, aber auch für das Verwalten von großen Bildsammlungen auf dem lokalen Rechner. Beide kommen mit großen Bildmengen zurecht, bieten eine leistungsfähige Suchfunktion und werten Exif- und Iptc-, Photo Organizer zusätzlich noch Xmp-Tags der Bilddateien aus.

Auf den zweiten Blick unterscheiden sich die beiden Bilddatenbanken allerdings spürbar: Gallery 2 eignet sich mit seiner Theme-Funktion und seiner über das Webfrontend einstellbaren Farbgebung besser dafür, Bilder optisch ansprechend zu präsentieren.

Mehr Masse

Durch die Plugin-Architektur lässt sich Gallery 2 zudem wesentlich leichter erweitern als Photo Organizer. Viele Erweiterungen, beispielsweise ein Voting-Modul oder ein Plugin, das mit Hilfe des Apache-Moduls »mod_rewrite« für suchmaschinenfreundliche URLs sorgt, stehen zur Verfügung.

Der recht große Umfang des Systems schlägt sich jedoch negativ in der Performanz nieder: Auf dem Testrechner sorgte bereits ein Benutzer, der sich durch die Galerien bewegte, für spürbare CPU-Lastspitzen. Gleichzeitig wirkte die Anzeige etwas träge, selbst wenn Gallery 2 und der Browser über ein schnelles Netz verbunden waren.

Photo Organizer enthält keine Cache-Funktion wie Gallery 2. Ändernungen im Photobestand erscheinen daher sofort in der Anzeige. Die CPU-Belastung fällt trotzdem wesentlich niedriger aus als beim Kontrahenten. Dafür ist der Leistungsumfang der Software insgesamt geringer: Photo Organizer ist nicht über Plugins erweiterbar, bietet keine Internationalisierung und das Aussehen lässt sich nicht über Themes anpassen.

Ein guter Teil des Geschwindigkeitsvorteils dürfte sich daraus ergeben, dass der Aufbau der Galerieseiten sich nicht über das Webinterface anpassen lässt, während der Anwender bei Gallery 2 seine Extras wie zum Beispiel die Bewertungen durch Seitenbesucher oder Informationen zum Eigentümer des Fotos ein- oder ausblenden kann.

Innere Werte

Photo Organizer verfügt zwar über eine einfache Template-Sprache, die leistungsfähig genug ist, um das Tool in eine bestehende Webseite einzupassen. Mit dem Smarty-Template-System bei Gallery 2 kann sie jedoch nicht mithalten. Da auch eine Theme-Funktion fehlt und Photo Organizer zurzeit außerdem zur Formatierung nicht CSS einsetzt, ist eine Anpassung des Look & Feel nur über einen Eingriff in den Quellcode möglich. Für die nächste Version 2.34 verspricht der Programmautor einen konsequenten Einsatz von CSS, sodass es künftig leichter sein wird, das Aussehen anzupassen.

Als Vorteil für Fotografen oder Layouter, die gespeicherte Bilder weiterverarbeiten möchten, erweist sich dagagen die integrierte Versionsverwaltung. Nützlich für Fotografen ist auch die Ausrüstungsdatenbank, die es gerade beim Einsatz von Kameras mit Wechselobjektiven ermöglicht, die technische Entstehung eines Fotos zu dokumentieren.

Infos

[1] Gallery 2: [http://gallery.menalto.com]

[2] Photo Organizer: [http://po.shaftnet.org]

[3] Gallery-2-Probleme mit neueren Imagemagick-Versionen: [http://gallery.menalto.com/node/57876]

[4] Installationsdokumentation für Photo Organizer: [http://po.shaftnet.org/podoc:installation]

[5] Von Imagemagick unterstützte Grafikformate: [http://www.imagemagick.org/script/formats.php]

[6] Dcraw: [http://www.cybercom.net/~dcoffin/dcraw]

[7] Gallery Remote: [http://codex.gallery2.org/index.php/Gallery_Remote]

[8] Zusätzliche Module für Gallery2: [http://codex.gallery2.org/index.php/Gallery2:Download#Modules]

[9] Template-Sprache in Photo Organizer: [http://po.shaftnet.org/podoc:front_page]

[10] Smarty-Template-System: [http://smarty.php.net]

Der Autor

Hagen Höpfner hat an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg Informatik studiert und dort auch seine Promotion zum Dr.-Ing. abgeschlossen. Inzwischen ist er Lecturer für Datenbanken und Informationssysteme an der International University in Germany in Bruchsal. Er ist Co-Autor eines Lehrbuchs über mobile Datenbanken und Informationssysteme. In seiner Freizeit spielt der enthusiastische Vater zweier Kinder Gitarre in der Akustik-Rock-Cover-Band “Wireless” und textet, komponiert und klampft für die Band “Gute Frage !?”.

Copyright © 2002 Linux New Media AG

DIESEN ARTIKEL ALS PDF KAUFEN
EXPRESS-KAUF ALS PDFUmfang: 6 HeftseitenPreis €0,99
(inkl. 19% MwSt.)
LINUX-MAGAZIN KAUFEN
EINZELNE AUSGABE Print-Ausgaben Digitale Ausgaben
ABONNEMENTS Print-Abos Digitales Abo
TABLET & SMARTPHONE APPS Readly Logo
E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
Nach oben