Kaj Arnö, Vice President Community Relations beim Datenbankhersteller MySQL, ist an der Entwicklung der GPL-Version 3 beteiligt. Das Linux-Magazin traf ihn in München, um über die GPLv3, Countrymusik und die Entwicklung der beiden MySQL-Datenbanken zu sprechen.
Der gebürtige Finne Kaj Arnö hat bereits in den 80er Jahren mit MySQL-Mitgründer David Axmark zusammengearbeitet. Nach seinem Studium war er unter anderem bei IBM tätig. 1987 gründete Arnö die IT-Firma Polycon AB und stand ihr als CEO vor. Bei MySQL war er erst für Training, Support und Dokumentation zuständig, bevor er im Oktober 2005 zum Vice President Open Source Community Relations ernannt wurde. Arnö engagiert sich gegen die Legalisierung von Softwarepatenten in Europa und repräsentiert MySQL in der Diskussion um die GPLv3.
Linux-Magazin: Ist die GPLv3 im Vergleich zu Version 2 aufgebläht, wie Kritiker sagen?
Kaj Arnö: Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, mit einem kürzeren Text die vorgegebenen Ziele zu erreichen. Die FSF möchte die Freiheit von Software schützen und die Regelungen dieser Gesellschaft sind sehr kompliziert.
Ein Ansinnen war, die GPL weniger US-lastig zu gestalten. Diese Vorgabe lässt sich mit dem Vorhaben vergleichen, Software zu entwickeln, die unter Linux, Mac OS X, Windows und am besten noch unter FreeBSD läuft. Um das zu erreichen, muss man eine Abstraktionsebene schaffen. Das ist es, was wir (bei der GPL; Anm. d. Red.) gemacht haben. Wir haben Begriffe wie “Distribution” unabhängiger definiert. Ich glaube, das ist ein Fortschritt, aber es bläht den Text natürlich ein wenig auf.
Linux-Magazin: Auch durch zusätzliche Klauseln, wenn nötig?
Kaj Arnö: Ja. Wenn die GPLv3 die Entwicklung der Gesellschaft für die nächsten zehn Jahre beeinflussen soll, reichen drei Sätze nicht. Für die FSF ist Digital Rights Management ein heißes Thema und die Freiheit von Software ist durch DRM bedroht. Wenn eine Multimedia-Software die GPL als wesentlichen Baustein benutzt, dann muss ich dieselben Musikstücke und dieselben Filme auch mit einer veränderten Version dieser Software abspielen können. Eben (Moglen) macht da sehr gute Arbeit, indem er ausschweifende juristische Formulierungen, die kaum ein Nichtjurist kennt, in eine Sprache übersetzt, die jeder versteht.
Linux-Magazin: Ist eine DRM-Klausel in der GPL eine gute Idee? Die Klausel ist bekanntermaßen sehr umstritten.
Kj Arnö: Ja, sie ist sehr umstritten; viele Leute möchten sie überhaupt nicht haben. Aber die GPL gehört der Free Software Foundation, die damit ganz eigene Absichten hat. Wir arbeiten (in den Komitees) als Helfer der FSF, um die GPLv3 möglichst eindeutig zu formulieren. Wir könnten auch sagen, dass wir eine DRM-Klausel lieber streichen würden. Doch haben wir da eine Machtposition? Nicht wirklich. Es steht der FSF frei, zu entscheiden, was die GPLv3 enthalten soll.
Patente und die FSF
Linux-Magazin: Versucht die FSF mit den DRM- und Softwarepatent-Klauseln Probleme anzugehen, die tiefer liegen als nur in Software, nämlich in der Gesellschaft selbst?
Kaj Arnö: Klar, das versuchen sie auf jeden Fall. Die FSF hat mit der GPL einen Einfluss auf die Technik in der Gesellschaft, und den möchten sie aufrechterhalten. GPL-Software ist mittlerweile ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft. Diese Machtposition möchte die FSF mit Sicherheit nicht aufgeben. Gestern hat in der Gruppe jemand gefragt: “Richard Stallman scheint DRM zu hassen. Gut, das mag seine persönliche Vorliebe sein. Aber was ist, wenn er plötzlich Countrymusik nicht mehr so toll findet? Wird es in GPL-Version 4 eine Anti-Countrymusik-Klausel geben, in der steht, dass die GPL nicht für die Verbreitung von Countrymusik verwendet werden darf?” Das ist zwar eine rhetorische Frage, aber wenn man das logisch bedenkt, hat DRM doch eher eine Bedeutung für die Freiheit als Countrymusik.
MySQL-Entwicklung
Linux-Magazin: Inwieweit unterscheiden sich die frei verfügbare MySQL Community Edition und der proprietäre Pro Certified Server?
Kaj Arnö: Technisch gesehen unterscheiden sie sich nicht. Aber vom Entwicklungsverfahren. Der Certified Server stellt über das doppelte Lizenzverfahren sicher, dass ein Unternehmen MySQL als Datenbank benutzen kann, ohne seine Software selbst unter die GPL zu stellen. Der Community Server ist immer Cutting Edge, er enthält die neuesten Patches und die neuesten Features, was ja auch weniger Stabilität bedeutet. Wenn wir neue Features für den Certified Server entwickeln, ist die Community nicht ausgeschlossen.
Linux-Magazin: Im September 2005 gab es ein Treffen zur Gründung eines Open Source Database Consortium. Gibt es da schon Fortschritte zu melden?
Kaj Arnö: Wir hatten das Treffen in Frankfurt, aber es sieht nicht so aus, als hätten wir viele gemeinsame Interessen, die wir als Gruppe vertreten wollen. (uba)






