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Maschinenumzug

Seit Version 2 bietet Xen die Möglichkeit, virtuelle Maschinen (außer Domain 0) von einer physischen Maschine auf eine andere umziehen zu lassen. Den Speicherinhalt der virtuellen Maschinen überträgt Xen über das Netzwerk - wobei diese lediglich am Ende ganz kurz anhalten müssen, um die letzten veränderten Speicherseiten zu kopieren. Die Xen-Entwickler haben dies mit Webservern unter Last und auch Videostreamern demonstriert. Dabei sind Unterbrechungen in der Größenordung von einer Zehntelsekunde typisch.

Mit der Version 3 vom Dezember 2005 erreichte Xen einen wichtigen Meilenstein: Die Entwickler präsentierten nicht nur viele neue Features (siehe Kasten "Neuerungen in Xen 3"), sie froren auch die Schnittstelle zwischen den paravirtualisierten Betriebssystemen und dem Hypervisor ein. So fällt in Zukunft die Arbeit zur Paravirtualisierung des Betriebssystemkerns nur einmal an und weitere Portierungen von Betriebssystemen, beispielsweise von Netware, sind zu erwarten.

Neuerungen in Xen 3

  • Unterstützung von virtuellen SMP-Maschinen. Während
    Xen schon lange mehrere Prozessoren unterstützte, war je
    Domain nur ein Prozessor nutzbar. Version 3 kann die Anzahl der
    virtuellen CPUs sogar zur Laufzeit verändern (soweit vom
    Betriebssystem unterstützt - bei Linux ist dies aber er
    Fall).
  • ACPI-Support. Xen 3 steht der Großteil der
    ACPI-Funktionalität der Domain 0 zur Verfügung, die
    Vorversion war hier noch eingeschränkt.
  • Bessere Hardware-Unterstützung. Einige Probleme,
    insbesondere mit der Unterstützung von AGP und DRM (3D-Grafik)
    unter Linux sind in den späten 2.0.x- und den 3.0-
    Entwicklungsversionen behoben worden.
  • Unterstützung von PAE36. Mit Hilfe der PAE36-Erweiterung
    ist der Zugriff auf bis zu 64 GByte möglich, vorher waren 4
    GByte das Maximum. Allerdings müssen sowohl Xen als auch
    Kernel mit PAE-Support übersetzt werden.
  • Unterstützung für x86/64. Die 64 Bit-Variante der
    x86-Architektur (bei AMD AMD 64, bei Intel EM64t und bei Microsoft
    x64 genannt) behebt all die Einschränkungen eines
    32-Bit-Addressraums und bietet einige weitere Optimierungen. Xen 3
    unterstützt nun auch 64-Bit-Betriebssysteme.
  • Andere Architekturen. Die Unterstützung von IA 64
    (Itanium) ist bereits weitgehend in die aktuelle Version
    integriert, die Unterstützung für die Power-Architektur
    soll bald folgen.
  • Nutzung der neuen Prozessor-Technologien. Intel liefert neueste
    CPUs mit einer speziellen Erweiterung aus, der so genannten
    Vanderpool Technology. Sie vereinfacht und beschleunigt die
    Implementierung einer vollen Virtualisierung stark. Xen 3 kann
    damit auch nicht paravirtualisierte Betriebssysteme
    unterstützen. AMD hat eine ähnliche Technologie namens
    Pacifica angekündigt, die Xen 3 ebenfalls bald
    unterstützen will. In jedem Fall wird dabei mit Hilfe von Qemu
    echte Hardware emuliert, auf die das nicht paravirtualisierte
    Betriebssystem dann zugreifen kann. Damit wird man in absehbarer
    Zeit auch Windows booten können, auch wenn es bis dahin noch
    einige Stolpersteine aus dem Weg zu räumen gilt. [3]

Wer mit Xen beginnen möchte, kommt am einfachsten mit einer existierenden Linux-Installation zum Ziel, die er in eine Xen-»dom0« konvertiert. In einem zweiten Schritt kann man dann weitere Domains aufsetzen, um zusätzliche Aufgaben zu erledigen oder Dienste in eigene Domains zu verlagern.

Einstieg in Xen

Der erste Schritt zur Konvertierung ist die Installation des Hypervisors und der Tools. Das genaue Vorgehen richtet sich nach der verwendeten Distribution. Bei Suse Linux 10.0 heißen die entsprechenden Pakete etwa »xen«, »kernel-xen« und »xen-tools«. Möglicherweise sind weitere Xen-Pakete vorhanden, die man installieren sollte. So ist beispielsweise in Suse Linux die Dokumentation in eigene Pakete ausgelagert. Wenn die Pakete älter sind als Dezember 2005, empfiehlt es sich in jedem Fall, nach Updates Ausschau zu halten, da sich die Stabilität inzwischen deutlich verbessert hat.

Sind die Pakete installiert, sollte man einen zusätzlichen Bootloader-Eintrag für Xen anlegen. So lässt sich beim Booten entscheiden, ob die Maschine einen nativen Kernel oder den Xen-Hypervisor mit »dom0«-Kernel laden soll. Der Bootloader-Eintrag für Grub kann so aussehen:

title XEN
root (hdX,Y)
kernel /xen.gz XEN-Parameter
module /vmlinuz-xen Kernelparameter
module /initrd-xen

Im Beispiel steht »(hd X,Y)« für die Partition mit dem »/boot«-Verzeichnis. Wie der Kernel akzeptiert auch Xen Parameter - so setzt man etwa mit »»dom0«_mem=XXX« die Größe des Arbeitsspeichers in »dom0« fest (in KByte). Ist nichts eingegeben, bekommt »dom0« zunächst den gesamten Arbeitsspeicher zugeschlagen. Mit »lapic« kann man einen APIC-Interruptcontroller einschalten, der vom Bios deaktiviert wurde - dies kann Interruptprobleme beheben.

Ist alles so weit vorbereitet, kann der Rechner nun den Hypervisor und den »dom0«- statt des nativen Kernels laden. In der Regel verläuft das unspektakulär: Der Bootvorgang sieht ganz normal aus und auf den ersten Blick ist das Linux-System unverändert. Wer genauer hinschaut, sieht, dass der Hypervisor einige Initialiserungsmeldungen ausgibt. Wenn der Distributor normalerweise einen grafischen Bootvorgang (Bootsplash) aktiviert hat, ist dieser nun nicht aktiv - stattdessen ist man mit dem freundlichen VGA-Textmodus konfrontiert.

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