Diese Kolumne berichtet aus der Perspektive von GNU-Projekt und FSF über Aktionen und aktuelle Geschehnisse im Umfeld freier Software. Diese Ausgabe wirft einen Blick hinter die Kulissen der FSFE-Hauptversammlung und auf die Entwicklungen innerhalb der FSFE im vergangenen Jahr.

Abbildung 1: Das Kernteam der FSFE. Hinten: Jonas Öberg (Schweden), Bernhard Reiter (Deutschland), Georg Jakob (Österreich), Reinhard Müller (Österreich), Henrik Sandklef (Schweden). Mitte: Georg Greve (Deutschland), Peter Gerwinski (Deutschland), Alessandro Rubini (Italien). Vorne: Karin Kosina (Österreich), Stefano Maffulli (Italien) und Werner Koch (Deutschland)
Willkommen zu einer Spezialausgabe über die Free Software Foundation Europe (FSFE). Den Anlass gibt die vierte Hauptversammlung der FSFE, die Anfang Mai 2005 in Wien stattfand und sich durch mehrere Besonderheiten auszeichnete: Zum einen war dies das erste vollzählige Zusammentreffen des europäischen Kernteams (Abbildung 1), zum anderen markierte sie das Ende der Amtsperiode für den europäischen Vorstand. Vier Jahre besteht der europäische Ableger mittlerweile. Zeit also, Bilanz zu ziehen und die Perspektive für die nächsten Jahre zu entwickeln.
Erfolgreiches Jahr
Wie bereits zur Hauptversammlung im Juni 2003 in Mailand [1] wurde auch dieses Jahr eine Kurzübersicht über wesentliche Aktivitäten der FSFE innerhalb der letzten beiden Jahre angefertigt [2]. Sie dient nicht nur der Orientierung für die interne Diskussion, sondern stellt auch in kompakter Form die Perspektiven dar.
Teilnehmer, die vor dem Wochenende der Versammlung anreisten, nutzten die Zeit bereits für erste Diskussionen. So standen der Freitag und die Stunden bis zum formellen Teil des Treffens ganz im Zeichen der Analyse und Bewertung des letzten Jahres auf nationaler wie internationaler Ebene. Großen Raum nahmen bei dem Event die Aktivitäten ein, die aufgrund der Arbeit gegen Softwarepatente [3] weniger öffentliche Aufmerksamkeit erhielten, deshalb aber nicht weniger wichtig sind.
Stefano Maffulli, regionaler Koordinator für Italien, berichtete ausführlich von den italienischen Aktivitäten der FSFE und dem Zusammenwachsen des dortigen Teams. Im letzten Jahr wurde zudem ein viel beachteter “Free Software, Free Society Award” an den italienischen Datenschützer Professor Stefano Rodatà verliehen, der sich vehement für den umfassenden Schutz der digitalen Privatsphäre engagierte.
Henrik Sandklef berichtete über die Gründung der “Föreningen fri kultur och programvara”, einer Organisation für freie Kultur und Software, die sich vor kurzem in Kooperation zwischen der FSFE und der Creative Commons in Schweden etablierte. Georg Jakob gab einen Überblick über die österreichischen Aktivitäten bei der Kooperation mit den österreichischen Linux-Wochen und die Arbeit zur Entschärfung der heftig umstrittenen Intellectual Property Rights Enforcement Directive (IPRED) der europäischen Kommission. So extrem diese in Bezug auf eine Kriminalisierung von Tauschbörsennutzern auch scheint, in ihrer ursprünglichen Fassung ging sie noch deutlich weiter.
Dialog verstärken
Der erweiterte Vorstand berichtete ebenfalls über seine Aktivitäten und legte Rechenschaft über die Entscheidungen der letzten Jahre mit Schwerpunkt auf 2004 ab. Ein zentraler Aspekt war dabei die internationale Koordination, zum Beispiel mit der Schwesterorganisation in den Vereinigten Staaten sowie dem kürzlich gegründeten Software Freedom Law Center (SFLC).
Einen besonderen Platz nahm die angekündigte Free Software Foundation Latin America ein. In den vergangenen Jahren besuchten Vertreter aus Europa häufiger Konferenzen in Lateinamerika, um so die Kooperation und den Dialog zwischen den Mitgliedern aus beiden Teilen der Welt zu verstärken.

Abbildung 2: Karin Kosina, Stefano Maffulli, Reinhard Müller, Bernhard Reiter, Georg Jakob und Alessandro Rubini (von links) diskutieren in lockerer Runde die Ergebnisse der Arbeit der FSFE im abgelaufenen Jahr.
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Fragen und |
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Im Gegenzug besuchte Federico Heinz aus Argentinien im letzten Jahr Europa und arbeitete hier am Stand der FSFE auf dem Linux-Tag in Karlsruhe mit. Auch in diesem Jahr werden Federico Heinz und seine Mitstreiterin Fernanda Weiden wieder in Karlsruhe sein. Eine gute Gelegenheit, die Aktiven der FSF Lateinamerika kennen zu lernen.
Nach der Entlastung durch die Hauptversammlung wurde der gesamte erweiterte Vorstand mit großer Mehrheit für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt. Es übernehmen weiterhin Werner Koch das Amt als Head of Office, Jonas Öberg bleibt Vizepräsident und der Autor dieser Kolumne übernimmt wieder als Präsident die Exekutive der FSFE.
Planungen und Perspektiven
In der restlichen Zeit, insbesondere am Sonntag, widmeten sich die Teilnehmer den Perspektiven und der Planung weiterer Aktivitäten, um die wichtigsten Dinge möglichst in voller Besetzung zu besprechen. Einige Mitglieder traten bereits Sonntagabend die Rückreise an. Die Diskussionen zogen sich jedoch bis in den Montag und zum Teil in den Dienstag hinein. Dabei bildeten der mittlerweile traditionelle Abend mit der lokalen Community am Samstag und das für Montag angesetzte Pressedinner die einzigen wirklichen Ruhepunkte.
Aufgrund der wachsenden Themenbreite scheint es sinnvoll, die Versammlung über die Zeit von Freitag bis Montag hinaus auszudehnen. Obwohl sich zu den offiziellen Hauptversammlungen nur das Kernteam trifft, also der Kreis der europäischen Koordinatoren, reicht die Zeit bereits heute nicht aus – und das Kernteam wächst von Jahr zu Jahr.
Zu den Plänen für die Zukunft gehört unter anderem die Priorisierung der Aktivitäten, die mit Blick auf den Kampf gegen Softwarepatente, den Microsoft-Fall, die zweite Phase des WSIS und den bei der WIPO begonnenen Prozess relativ klar sein dürften. Die Unterstützung freier Software in der Bildung ist ebenfalls unumstritten. Auch hier hoffen die Beteiligten im Laufe des nächsten Jahres auf Fortschritte.
Weitreichende Pläne verbinden sich mit dem Fellowship-Programm: Insbesondere wurde ein zweites Treffen um den Oktober herum erwogen – diesmal mit Beteiligung des gesamten FSFE-Teams, eine unvollständige Liste findet sich unter [4]. Auch die Freiwilligen und Fellows sollen zu dieser Veranstaltung eingeladen werden, vielleicht sogar mit einem angeschlossenen Workshop.
Wann und wie dies Realität wird, hängt von den verfügbaren Ressourcen ab. Es wurde zumindest vorläufig festgehalten, eine solche Veranstaltung im Oktober 2005 in Italien zu planen. Das von Stefano Maffulli koordinierte italienische Team kümmert sich in den nächsten Monaten um die Organisation und veröffentlicht so bald wie möglich die Informationen dazu.
In puncto Pressearbeit will die Organisation intensiver arbeiten und sich europaweit besser koordinieren. Vermutlich noch in diesem Jahr steht ein Treffen aller Medienaktiven und -freiwilligen der FSFE auf der Tagsordnung. Andere Pläne betreffen Projekte in Zusammenhang mit der EU, beispielsweise das GNU Business Network sowie die Einrichtung einer Freedom Task Force. Doch mehr dazu, wenn diese Projekte konkrete Formen annehmen.
Insgesamt zogen die Beteiligten der diesjährigen Hauptversammlung ein sehr positives Resümee: Viele Aktivitäten wurden ausgebaut, die Transparenz und Effektivität der Organisation wuchs und es stehen mehr Ressourcen zur Verfügung. So konnte die Foundation dank des Fellowship-Programms Ciaran O\’Riordan für die Arbeit in Brüssel gewinnen.
Erfolg ausbauen
Die gesamte FSFE hofft, dass sich noch mehr Leute aktiv in die Arbeit einbringen. Auf europäischer Ebene stehen jetzt vor allem die weiteren Projekte im sechsten EU-Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung an. Hier soll das GNU Coordination Action Network eingereicht werden, um die Finanzierung für das schon lange geplante GNU Business Network zu gewährleisten. Mit diesem Netzwerk will die FSFE gezielt kommerzielle freie Software voranbringen.
Daneben drängt auch die Arbeit für das siebte Rahmenprogramm: Nachdem die FSFE es in der Vorbereitung des aktuellen Programms schaffte, einen Evaluationsbonus für freie Software unterzubringen, stieg die Zahl der Projekte mit entsprechender Software erheblich. Diesen Erfolg möchte die FSF wiederholen und weiter ausbauen. (agr)
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Infos |
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[1] Executive Summary 2001-2003:[http://fsfeurope.org/documents/reports/es-2003.html] [2] Executive Summary 2003-2005:[http://fsfeurope.org/documents/reports/es-2005.html] [3] Arbeit gegen Softwarepatente: [http://fsfeurope.org/projects/swpat/] [4] Team der FSFE: [http://fsfeurope.org/about/team.html] |
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