Aus Linux-Magazin 01/2001

KDevelop 1.3

Kurz nach der Freigabe von KDE 2.0 greift die integrierte Entwicklungsumgebung KDevelop 1.3 Entwicklern bei der Programmierung von KDE-Anwendungen unter die Arme. Der Beitrag beleuchtet die Verbesserungen am Werkzeug, das dem neuen Desktop zu zahlreichen Applikationen verhelfen soll.

Etwas Wichtiges zu Beginn: KDevelop 1.3 selbst ist nach wie vor eine KDE 1.1-Applikation, und benötigt darum KDE 1.1 und die Qt-Bibliotheken in der Version 1.44. Bei strenger Betrachtung ist KDevelop darum ein Cross-Plattform-Werkzeug.

Dass aber mittlerweile einige Distributionen auf KDE 2.0 umgestellt haben, ist dem Entwicklerteam nicht verborgen geblieben. Darum bietet es eine statisch zu KDE 1.1 gelinkte KDevelop-Version an; der reicht ein “nacktes” Linux-System mit X Window.

Der Port von der Version 1.3 auf KDE 2.0 ist derweil in Arbeit, mit brauchbaren Ergebnissen darf zum Jahresende gerechnet werden. Parallel dazu wird seit längerem die Version 2.0 entwickelt, die rein auf KDE 2.0 basiert, aber bislang nicht benutzbar ist.

Der Projekt-Importer verschafft Überblick

An dem Stichwort Projekt-Importer lässt sich schon leicht erkennen, dass es hier um die Bearbeitung von existierenden Automake-Projekten mit Hilfe von KDevelop geht. Mit dem Projekt-Importer von KDevelop 1.3 können sehr einfach zum Beispiel für die gesamten Quellcodes von KDE 2.0 Projektdateien zusammengestellt werden.

Es genügt die Auswahl des Menüpunktes Projekt | Projektdatei generieren. In der sich öffnenden Verzeichnisauswahl wechselt man in das Verzeichnis, von dem aus die Projektdatei erzeugt werden soll und bestätigt mit OK.

KDevelop untersucht alle Unterverzeichnisse rekursiv nach Quellcodes, die es dann automatisch in eine Projektdatei schreibt. Gewöhnlich dauert das ist nur wenige Sekunden. Das Projekt wird anschließend geladen; die Bearbeitung von vorhandenen Quelltexten ist mit KDevelop eben eine schnelle Sache.

Genutzt werden kann dieses Feature natürlich auch, um sich über unbekannten Code einen Überblick zu verschaffen. So kann man beispielsweise in einem bestehenden Programm die Klassen suchen, die für ein eigenes Projekt gebraucht werden.

KDE 2.0 und Qt-2.2 Projektmanagement

Das Projektmanagement fürs Entwickeln und Bearbeiten von KDE2.0 / Qt2.2-Projekten ist an das System der offiziellen KDE-Pakete angepasst. Das bedeutet im Kern, dass sich alle Dateien in ein /admin-Verzeichnis verschoben haben. Dies gilt bis auf die Ausnahmen configure.in (configure.in für Qt-Projekte), Makefile.am und Makefile.dist.

Das Hauptverzeichnis wird von den KDE-Entwicklern im KDE-CVS Modul kde-common ständig gepflegt und weiterentwickelt. Neue Entwicklungstools wie der UI-Compiler von Qt werden mittlerweile automatisch aufgerufen, die Unterstützung für Unix-Systeme erweitert et cetera.

Für den Anwendungsentwickler bedeutet das, das er zum Update seines Entwicklungs-Frameworks nur dieses Verzeichnis, zum Beispiel mittels Anonymous CVS (siehe [2]) per KDE, selbst aktuell hält. Daraus resultieren weniger Schwierigkeiten beim Update des eigenen Projekts auf neuere KDE- und Qt-Versionen ergeben, da die Configure-Checks immer auf dem aktuellen Stand sind.

Qt Designer, Qt Linguist und KBabel

Mit den neuen Versionen von Qt und KDE sind weitere, explizit zugeschnittene Entwicklungstools erschienen: der Qt Designer erstellt grafische Oberflächen, Qt Linguist übersetzt Qt-Programme und KBabel übersetzt KDE-Programme. KDevelop 1.3 integriert diese Tools, sodass seine Benutzer stets mit neuester Technologie nahtlos arbeiten.

Qt-2.2 Projekte können neue Interfaces mit Hilfe des Designers innerhalb von KDevelop hinzugefügt werden, indem im Dialog Datei | Neu als Dateityp Qt2 Benutzerinterface (*.ui) gewählt wird. Die Datei wird daraufhin angelegt und mit dem Designer geöffnet. Beim Kompilieren des Projekts ruft sich der UI-Compiler automatisch auf, um aus C++-Code in der UI-Datei Binärcode zu erzeugen. Dieser Output kompliert sich dann ebenfalls in das Projekt ein.

Der neue Qt Linguist dient zur Internationalisierung von Qt-Programmen. Übersetzungen können innerhalb von KDevelop mit den gleichen Kommandos zum Projekt hinzugefügt und aktualisiert werden, wie dies bei der Bearbeitung von KDE-Programmen üblich ist. Das KDevelop-Benutzerhandbuch gibt diesbezüglich erschöpfend Auskunft.

Weil Qt 2 und KDE 2 Unicode verlangen, ändert sich für die Übersetzer von KDE-Programmen einiges, vor allem beim Dateiformat. KDE besitzt das neue Programm KBabel, das KTranslator ersetzt. Es wird im Zuge des Internationalisierens von KDE-Programmen aufgerufen; an der Handhabung von KDevelop ändert sich dadurch jedoch nichts.

Projekt-Schablonen

Die Projekt-Schablonen für KDE 2.0 / Qt-2.2 sind in KDevelop 1.3 aktualisiert worden, was den erzeugten Quellcode anbelangt. Diese machen daher von der neuen API exzessiv Gebrauch, vor allem was GUI-Design über KAction/QAction-Klassen und XML-Resource-Dateien anbelangt.

Für Anwendungsentwickler ist sicher ebenfalls das neue Buch “KDE 2.0 Development” von Interesse. Es ist gedruckt erhältlich, kann aber auch in einer HTML und PDF unter [5] bezogen werden kann. (jk)

Infos
[1] Homepage vom KDevelop: http://www.kdevelop.org
[2] Homepage von KDE: http://www.kde.org
[3] TrollTech (Qt-Bibliothek): http://www.trolltech.com
[4] Homepage für KDE-Entwickler: http://developer.kde.org
[5] KDE 2.0 Development: http://www.andamooka.org
Der
Autor
Ralf Nolden studiert Elektrotechnik an der RWTH Aachen und programmiert seit 1998 im KDevelop-Team an der KDevelop IDE. Darüber hinaus ist er meist auf IT-Messen und Linux-Tagen am KDE-Stand anzutreffen, um KDE und KDevelop vorzustellen. Zu erreichen ist er unter nolden@kde.org.

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