Open Source im professionellen Einsatz

Interview: Linux-Autor Michael Kofler über E-Books

01.10.2010

Den Österreicher Michael Kofler mit seinem Linux-Handbuch kann man getrost als Bestseller-Autor in Sachen Open Source bezeichnen. "Tux liest" sprach mit ihm über die E-Books, die er in eigener Regie auflegt.

Kofler ist Stammautor beim Verlag Addison-Wesley, wo von ihm Titel wie "Linux 2011" und "Das Ubuntu-Handbuch" erscheinen - in gedruckter, teils auch in digitaler Form.

Auf seiner Homepage kofler.info vertreibt er aber auch auf eigene Faust E-Books, die er selbst produziert.

Tux liest: Sie vermarkten auf Ihrer Website selbstgemachte E-Books. Warum?

Michael Kofler: Weil bin überzeugt davon bin, dass sich E-Books am IT-Buchmarkt durchsetzen werden, wenn auch im deutschen Sprachraum langsamer als im englischen.

Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass die Leser mit den E-Books glücklich sind, die sie momentan in der Regel erhalten: Nämlich Recycling-Produkte herkömmlicher Bücher, viele Hundert Seiten stark, in einem für den Druck optimierten Layout in viel zu kleiner Schrift, dafür ohne Farbe, vielfach durch DRM-Techniken verkrüppelt et cetera.

"ebooks.kofler" ist der Versuch, es besser zu machen: Texte, die auf ein Thema fokussiert sind, ein Layout, das ein komfortables Lesen auch auf Notebooks oder Tablets ermöglicht, verpackt als DRM-freie PDF-Dateien, die auf nahezu jedem Gerät gelesen werden können.

Gleichzeitig gibt mir "ebooks.kofler" die Möglichkeit, Texte zu vermarkten, die für ein herkömmliches Buch zu kurz oder zu kurzlebig sind.

Michael Koflers E-Books, hier der Titel zu Mac OS X, sind für das Lesen am Bildschirm gemacht.

Tux liest: Was unterscheidet diese E-Books von Ihren herkömmlichen Büchern?

Michael Kofler: Ich versuche, dieselbe Qualität zu bieten wie bei herkömmlichen Büchern. Anders ist eigentlich nur das Layout und die inhaltliche Fokussierung.

Diese Fokussierung hat auch damit zu tun, dass sich viele Leser für die Einführung in ein neues Thema weiterhin ein (dickes) Grundlagenwerk im Form eines herkömmlichen gebundenen Buchs wünschen, für Spezialthemen aber eher zu einem E-Book greifen, dass innerhalb von Minuten gekauft und genutzt werden kann.

Tux liest: Sie gelten als Latex-Liebhaber - Warum und wie setzen Sie das Satzsystem bei Ihrer Arbeit ein?

Michael Kofler: Ein Großteil meiner Bücher, aber auch das Opensuse-E-Book habe ich selbst mit Latex gesetzt - ganz einfach deswegen, weil es so am schnellsten geht. Ich arbeite nun seit über 15 Jahren mit Latex und bekomme damit beinahe jedes Layout hin. Als Texteditor setze ich Emacs ein, mit Makros und eigenen Tastenkürzeln, die ich seit Jahren gewohnt bin.

Bei meinem ersten E-Book zum Thema Mac OS X aus Linux-Sicht habe ich übrigens mit Word (zum Schreiben) und Virtualbox (zum Erzeugen der PDF-Datei) experimentiert. Das bietet zwar große Vorteile beim Korrekturlesen (Latex-Dateien muss ich selbst korrigieren, Word-Dateien kann dagegen jeder bearbeiten), aber in Summe war diese Kombination nicht produktiv. Mit Word kann man keine ordentlichen PDF-Dateien erzeugen, und Open Office macht mich beim Schreiben längerer Texte nicht glücklich (um es mal dezent zu formulieren).

Tux liest: Was wird Ihr nächstes E-Book, was Ihr nächstes gedrucktes Buch?

Michael Kofler: Zuerst zu den gedruckten Büchern, die ja nach wie vor mein Kerngeschäft sind: Im November erscheint mein großes Linux-Buch unter dem Titel "Linux 2011" in der 10. Auflage. Und auch da gibt es einen E-Book-Aspekt: Zum Jubiläum gibt Addison-Wesley die E-Book-Ausgabe des Buchs als DRM-freie PDF-Datei kostenlos dazu. (Im Buch wird sich ein Download-Code befinden.)

Noch unklar ist die Lage bei "ebooks.kofler": Ich habe zwar Ideen für unzählige weitere E-Books (z.B. Debian 6, MySQL 5.5, KVM, CMSMS, um nur ein paar zu nennen), aber leider zu wenig Zeit, um sie alle sofort zu schreiben. Und um wirklich Geld damit zu verdienen, sind die Verkaufszahlen noch zu klein. Deswegen kommt nur dann ein neuer "ebooks.kofler"-Titel zustande, wenn ich zwischen meinen regulären Büchern und anderen Projekten gerade ein paar Wochen Zeit finde. Mit etwas Glück erscheint das nächste E-Book noch dieses Jahr -- aber mehr kann ich noch nicht verraten!

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