Open Source im professionellen Einsatz

Flottes Einsteiger-Buch für Git

05.08.2011

Linus Torvalds schuf Git anno 2005 im Handstreich. Mittlerweile hat sich das Versionskontrollsystem zum Standard-Tool unzähliger Software-Projekte gemausert. Das Git-Buch von Valentin Haenel und Julius Plenz führt professionelle Entwickler und interessierte Amateure in dessen Anwendung ein.

Zu Beginn steht ein Schnelleinstieg mit dem ersten Commit. Im Vergleich mit anderen Einführungen kommen die Autoren sehr rasch zu Git-Interna und legen dem Leser die Unterscheidung zwischen Working Tree, Index und Repository ans Herzen, was ihm zum besseren Verständnis nachfolgender Kommandos dient. Bereits nach 60 Seiten weiß der Leser, wie er Commits eincheckt, nachbessert oder in Hunks aufteilt und wie er die Versionsgeschichte durchsuchen kann. Daneben besitzt er Grundwissen über Objekte und Datenbank des Versionskontrollsystems.

Das nächste Kapitel vermittelt die Praxis von Branching, Tagging und Merging und stellt zudem das grafische Tool Gitk vor. Daneben zeigt es, wie man Versionen wiederherstellt und Commits rückgängig macht. Auch das Cherry-Picking, also das Übernehmen einzelner Commits, beschreiben die Autoren. Anschließend geht es um das fortgeschrittene Verfahren Rebasing, das die den Commit-Geschichte umschreibt. Die Verfasser geben dabei auch Ratschläge, wann es sinnvoll ist, Features eines Softwareprojekts per Merge einzugliedern und wann ein Rebase die bessere Wahl darstellt. Daneben werden Git-Blame, Git-Bisect, Notes und das Format der Datei ".gitignore" beschrieben.

Danach wendet sich das Buch einem äußerst wichtigen Git-Feature zu, das es mit Systemen wie Mercurial und Darcs teilt: der verteilten Architektur. Hier lernt der Anwender Klonen und Pushen sowie unterschiedliche Szenarien bei der Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern, etwa das Verschicken von Patches per Mail, wie es beim Linux-Kernel üblich ist.

Anschließend vermittelt ein kurzes Kapitel Best Practices für Entwickler und Release-Manager. Dem Betrieb eines Git-Servers mit SSH, Gitolite oder Git-Daemon gilt ein weiterer Abschnitt. Gitweb und Cgit bringen das Repository ins Web. Gegen Ende des Buchs werden die vorgestellten Techniken immer ausgefuchster: Nun geht es Automatisierung mit Hooks, die so genannten Plumbing-Kommandos, die auf der Objekt-Datenbank arbeiten, und das Zusammenspiel mit anderen Versionskontrollsystemen, wobei die Autoren fast ausschließlich Subversion behandeln.

Auf den rund 300 Seiten des Buchs handeln Julius Plenz und Valentin Haenel einen großen Umfang an Themen ab. Dieser Band eignet sich für alle, die möglichst schnell mit dem praktischen Git-Einsatz beginnen möchten. Kommandozeilen und Listings zum Mitmachen sind der zentrale Bestandteil der Anleitungen und Erklärungen. Außerdem geben die Verfasser sinnvolle Ratschläge zur erfolgreichen Arbeit mit der Software. Die behandelten fortgeschrittenen Themen sind nicht nur für erfahrene Software-Ingenieure tauglich - sie helfen beispielsweise auch Mitarbeitern eines Open-Source-Projekts zu verstehen, was ihre Oberen mit dem Repository machen. Schade ist allerdings, dass das Buch die vielen praktischen Erweiterungen für Editoren und Entwicklungsumgebungen nicht vorstellen, die Git in das Handwerkszeug des Entwicklers integrieren.

Julius Plenz, Valentin Haenel:

Git: Verteilte Versionsverwaltung für Code und Dokumente

Open Source Press, 2011

330 Seiten

30 Euro

ISBN 978-3-941841-42-0

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