Open Source im professionellen Einsatz

Abzocke im Abo - das miese Geschäft mit freier Software

Erst gestern wieder ein Anruf. Ein Rechtsanwalt ruft mich im Auftrag seines Mandanten an, um Informationen zu einem bundesweit berüchtigten Download-Anbieter einzuholen. Sein Mandant hat bei einer bekannten Suchmaschine nach OpenOffice.org gesucht, versehentlich auf eine Anzeige geklickt und war in Nullkommanichts bei einem "Download-Anbieter", der für ein Entgelt von 96 EUR pro Jahr Software zum Download anbietet, die man andernorts vollkommen kostenlos erhält.

Als freies Projekt stecken wir in einer Zwickmühle: Wir wollen ja gerade, dass unsere Software verbreitet wird, und die LGPL untersagt aus diesem Grund auch nicht deren Verkauf. Eine Klausel, dass dubiose Anbieter dies nicht dürfen, existiert nicht - wie sollte man "dubios" auch definieren? Wir selbst können also wenig tun, zumal der Anbieter sich über dutzende von Firmen im Ausland verteilt, sodass wir ohnehin kaum einen Anspruch durchsetzen könnten.

Zwar warnen wir per Pressemitteilung und Webseite davor, selbst das Fernsehen hat die Thematik schon aufgegriffen - aber wer das mitbekommt, bei dem ist es meistens schon zu spät. Polizei, Staatsanwaltschaft und Verbraucherschutz sind die Hände gebunden, da das Vorgehen der Anbieter per se nicht illegal ist. Die Firmen wissen aber wohl darum, dass ihre Forderungen vor keinem Gericht dieser Welt Bestand haben würden, denn meines Wissens ist es trotz großartiger Ankündigungen zu keiner einzigen Klage gekommen.

Die bekannte Masche. Wer erinnert sich nicht an kostenpflichtige Malvorlagen, mit denen sogar Kinder in die Irre geführt worden sind, seltsame Stammbaum-Seiten mit horrenden Gebühren und angebliche Post von Nachbarn, natürlich gegen entsprechendes Entgelt? Und immer fühlt sich ein Rechtsanwalt berufen, die Forderungen beizutreiben. Juristenschwemme.

Der Rat für die Betroffenen ist klar, sagen auch die Verbraucherschutzzentralen. Widersprechen, anfechten, Füße still halten. Business as usual quasi.

Die Abzocke im Internet wird wohl ewig weitergehen. Was fehlt, sind Möglichkeiten, derart schmutzigen Geschäften einen Riegel vorzuschieben. Und Suchmaschinenbetreiber, die sich endlich ihrer Verantwortung bewusst werden, und für Geld nicht alles verkaufen.

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