Open Source im professionellen Einsatz

Lokale Domäne?

(...)

If I could just connect all these dots,
the truth would tumble like a Cynic vexed by love

And yet the people keep saying
I'm miles from my home,
miles from my home

(Cowboy Junkies, "Miles from Our Home", 1998)

Manchmal bürgern sich Standards ein, ohne dass sie als solche spezifiziert wären. So scheint sich "localhost.localdomain" als Default-FQDN (Fully Qualified Domain Name) unter mehr und mehr Linux-Distributionen durchzusetzen, obwohl es dafür weder ein RFC noch ähnliche Vorgaben gibt.

Foto: Markus Feilner

Ursprünglich schuld ist wohl Red Hat. Doch auch Debian, Mandriva, Arch und andere Linux-Distributionen zogen schnell nach. Aber während der Name "localhost" gemäß den RFCs 1912, 2606 und 6761 auf den lokalen Rechner, also 127.0.0.1 zu zeigen hat - und dies auch gemäß jeder vernünftigen Standardeinstellung aller bekannten Distributionen tut, ist die Erweiterung für die "localdomain" eine Red-Hat-Erfindung, die keinerlei Bezug zu den RFCs hat."localhost.localdomain" ist wohl nirgendwo als Standard definiert, findet sich aber auf vielen Systemen in der Datei "/etc/hosts" und als Rückgabewert des Programmes "hostname".

Debian hat sich befreit

Debian freilich bewies wohl Weitsicht und ist offenbar schon seit 2005 wieder weg von der  immer noch umstrittenen Lösung. Arch diskutiert, wie ein aktueller Thread im Forum beweist. Sinngemäß fragen sich da die Entwickler: "Wollen wir eigentlich jeden Blödsinn unreflektiert mitmachen, nur weil Red Hat das so macht?" Der Arch-User x-yuri schnappte sich daraufhin im Februar diesen Jahres gängige Distributionen und konstatiert: Eigentlich machen das nur Red Hat, Centos, Fedora und Arch so. Debian und damit auch Ubuntu verzichten auf das Konstrukt der "localdomain".

Fedora, RHEL und Centos verwenden localhost.localdomain. Ubuntu und Debian nicht (mehr).

Poettering regt zur Diskussion an...

Vor wenigen Tagen griff dann auch Kernel-Entwickler Lennart Poettering die Diskussion auf: Für seine Systemd-Entwicklungen suche er Klarheit, was da genau spezifizert sei, und vor allem wo, fragt er in einem Google-Plus-Thread. Die Antworten sind recht klar: "localdomain" sei einfach Käse ("bogus"), nirgendwo gäbe es Belege für solcherlei Definitionen, und als hilfreich erweise sich die Erweiterung ohnehin nicht immer, schreiben die Kommentatoren.

Der Ursprung: Mailserver?

Wer bei Debian oder anderen Distributionen nach den Gründen recherchiert, warum die die Erweiterung nicht mehr in der "/etc/hosts" tragen, findet schnell heraus, dass die "localdomain" ursprünglich offenbar einfach von Mailserver-Konfigurationen übernommen worden war. Die setzen nämlich eine FQDN in der Form "Host.Domain" voraus, und erstellen die offenbar auch ganz von selbst, zur Not halt als "localhost.localdomain", oder raten dem Admin in Howtos oder Installationsroutinen dazu. Zum Defacto-Standard erhoben hat das offenbar irgendwann Red Hat, doch das lässt sich wohl nicht mehr hundertprozentig nachvollziehen.

Dass sich die eigentlich überflüssige "localdomain" so lange durch verschiedene Distributionen zog, können selbst gestandene Entwickler nicht glauben, immer wieder finden sich verwunderte Kommentare in den genannten Threads. Wer nicht daran glaubt, dass das ganze Thema auch immer wieder für Probleme sorgt, der google mal nach "'hostname -f' problem".

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