Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 11/2016
© tomertu, 123RF

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Plattformübergreifende Apps mit Livecode

Appsolut simpel

Wer eine simple App entwickeln möchte, ohne groß Detailwissen aufzubauen, der kann auf den Livecode-Zug aufspringen. Das Ticket kostet zwar etwas, produziert aber Apps für alle Plattformen.

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Livecode [1] ist eine visuelle Programmierumgebung, mit der App-Entwickler aus einer Codebasis native Apps für I-OS, Android, Windows, OS X, Linux und HTML bauen. Die App-Oberflächen klicken sie per Drag & Drop zusammen, Event Handler programmieren sie in einem sprachähnlichen Code.

Wie bei Smalltalk und Visual Basic repräsentieren Objekte die Bestandteile einer Anwendung. Letztere lässt sich in Livecode zur Laufzeit erstellen, bearbeiten und testen. Der Clou: Per Mausklick erzeugt der Entwickler am Ende plattformspezifische Varianten der Livecode-App. Abbildung 1 zeigt eine typische Livecode-Session unter Debian 8.

Abbildung 1: Die Beispielanwendung My Work Items öffnet sich wie die Livecode-Tools in einem separaten Fenster.

Installation

Livecode erscheint sowohl kostenfrei unter der GPLv3 als auch kostenpflichtig für den kommerziellen Einsatz. Für das Linux-Magazin legte der Tester einen kostenpflichtigen Indy-Account an und installierte die Software unter Debian 8 per Aufruf in der Shell automatisch. Die eigentliche Arbeit besteht darin, Zusatzsoftware für Android und I-OS einzuspielen. Für diesen Usecase sollten sich frischgebackene Mobilentwickler mental auf einen Kampf mit den Elementen einstellen. Immerhin beschreibt Livecode die Installation anhand einer ausführlichen Anleitung [2]. Laut dieser braucht der Entwickler die passenden Versionen der Java- und Android-SDKs, um Android-Apps zu bauen. Für I-OS-Apps benötigt er analog das I-OS-SDK. Das Problem: Das SDK läuft nur unter OS X und funktioniert im Zusammenspiel mit Livecode nur auf der Intel-Architektur.

Gestalterisches

Die Abbildungen 2 und 4 zeigen die Beispielanwendung als native Linux-App in der Desktopansicht unter Debian. Der Tester hat sie mit Hilfe von Livecode 8.01 dp3 innerhalb von fünf Stunden programmiert. Der einfache Aufgabenplaner My Work Items listet in Abbildung 2 alle Aufgaben auf, die ein Nutzer über das Formular aus Abbildung 4 eingab. Um die Daten lokal auf dem Gerät abzulegen, verwendet die App SQlite [3].

Abbildung 2: Ein Klick auf das Plus-Symbol öffnet das Eingabeformular aus Abbildung 4.

Abbildung 3 zeigt die Objekthierarchie der App in der Projektbrowser-Ansicht. Das Container-Element »My Work Items« vom Typ »Stack« fungiert als Wurzel (Abbildung 3 oben). Die beiden Karten »list« und »edit« bilden Teilbäume. Ein Baum umfasst jeweils die funktionalen Bestandteile einer der beiden Oberflächen aus den Abbildungen 2 und 4.

Abbildung 3: Der Projektbrowser platziert alle Objekte der App in einer Baumstruktur mit dem Wurzelelement vom Typ Stack oben.
Abbildung 4: Ein Klick auf Save sichert, einer auf Delete löscht Datensätze.

Mit Hilfe eines eingebauten, interaktiven Tutorials erzeugt der Entwickler die Oberflächen fast spielerisch. Funktionale Bestandteile wie Titel, Listen, Textfelder, Datagrids oder Knöpfe schiebt er per Drag & Drop auf die geöffnete Karte (Abbildung 5), zieht sie in die richtige Höhe und Breite und konfiguriert sie dann mit dem so genannten Inspector. Allerdings ließ sich die mittels Datagrid erstellte Liste aus Abbildung 2 im Test nicht ohne Weiteres erzeugen, der Tester musste länger die Dokumentation wälzen.

Abbildung 5: Objekte lassen sich mit der Maus verschieben.

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