Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 02/2016
© Andor Bujdoso, 123RF

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Test: Linux-Systeme für den Bildungssektor

Auf der Schulbank

Dass Linux und sein umfangreiches Open-Source-Ökosystem kostenlos sind, müsste für die finanziell klammen Schulen ein starkes Argument für deren Einsatz sein. Warum das jedoch nicht immer zieht und in welcher Form Linux bereits die Schulbank drückt, beleuchtet die Bitparade.

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Es gibt etliche Linux-Distributionen speziell für Schulen. Sie bringen nicht nur ein Fülle von Lernsoftware mit, sondern haben auch gleich Verwaltungswerkzeuge für Vernetzung und Administration im Gepäck. Je nach Einsatzbereich lassen sie sich mehr oder weniger einfach einrichten. Die beigelegte Lernsoftware und die Benutzerführung unterscheiden sich von Distribution zu Distribution teils erheblich. Der Artikel geht mit Sugar [1], Uberstudent [2], Edubuntu [3], Debian Edu [4], Open Suse Edu Life [5], UCS@School [6] sowie Linuxmuster [7] in Klausur.

Tabelle 1

Features der Schul-Linuxe im Überblick

Feature

Sugar

Edubuntu

Debian Edu

Open Suse Edu Life

Uberstudent

UCS@School

Linuxmuster

Lokalisierung

unzureichend

gut

gut

gut

mangelhaft

gut

gut

Dokumentation

gut (englisch)

gut

gut

gut

gut (englisch)

gut

ausgezeichnet

Zielgruppe

alle Altersgruppen

alle Altersgruppen

alle Altersgruppen

alle Altersgruppen

Sekundarklassen/Studenten

Administratoren

Administratoren

Einsatzgebiet

Klassen/Schulen

Klassen

Klassen

Klassen

Einzelpersonen

Schulen

Schulen

Einrichtungsaufwand

Server: schwierig; Client: einfach

Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung

Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung

Server: einfach; Clients: aufwändige Benutzerverwaltung

Server: -; Client: einfach

Server: einfach; Client: einfach

Server: aufwändig; Client: –

LDAP-Support

optional

optional

optional

optional

nein

integriert

integriert

Mailserver

optional

optional

optional

optional

nein

integriert

integriert

Fileserver

lokal oder Server

LTSP-Server

LTSP-Server

LTSP-Server

lokal

Server

Server

Windows-/Mac-Clients

optional mit Server

optional

optional

optional

optional

ja

ja

Verwaltungswerkzeuge für Clients

Moodle

Epoptes

Gosa

Italc

nein

eigene Lösung

Sophomorix

Desktops

eigene Lösung

Unity

KDE

KDE

Xfce

eigene Lösung

diverse

Sugar

Die Diskussion über die beste Benutzeroberfläche macht auch vor den Linux-Systemen für Schüler nicht halt. Aus den Bestrebungen, den Einstieg in die Computerwelt für Kinder möglichst einfach und intuitiv zu gestalten, ist Fedoras Sugar (siehe Kasten "OLPC ist eingeschlafen, Sugar lebt", [1]) entstanden. Die für Schüler konzipierte Benutzeroberfläche will sich nicht nur an Erstklässler, sondern auch an Schüler der oberen Klassen wenden. Sie zeigt zugleich, wie schwer es ist, eine universelle Lösung für Schüler weltweit zu ersinnen.

OLPC ist eingeschlafen, Sugar lebt

Sugar Linux läuft nicht nur auf dem inzwischen nicht mehr hergestellten XO-1-Laptop der OLPC-Initiative. Daneben existiert auch das vom Fedora-Projekt betreute Sugar on a Stick (SoaS, [9]), das auf Fedora 23 basiert. Es setzt allerdings auf dem verwendeten Laptop einen WLAN-Chip voraus, den Sugar unterstützt. In den Ubuntu-Repositories warten ebenfalls Sugar-Pakete, jedoch bieten sie nicht alle Anwendungen, die SoaS bereitstellt.

Eigenen Angaben zufolge hat die OLPC-Initiative bereits Erfolge in Äthiopien und Nepal erzielt und kommt unter anderem in Peru und Venezuela zum Einsatz. Inzwischen ist es jedoch ruhig um das einstmals bejubelte Projekt geworden, immerhin werden die vorhandenen Laptops noch gewartet. Die Marke gehört mittlerweile dem US-Unternehmen Sakar, das anstelle des Laptops ein Tablet mit Android herstellt, das eher auf Freizeitaktivitäten fokussiert. Die US-Warenhauskette Walmart vertreibt es nach eigenen Angaben mit über 100 Spielen.

Der Urheber des OLPC-Projekts, Nicholas Negroponte, treibt indes sein Ziel einer globalen Bildung bei der gemeinnützigen, bildungsorientierten Organisation Xprize voran. Hierzulande spielt Sugar kaum eine Rolle, OLPC Deutschland e.V. hat zwar noch eine Webseite [10], die wirkt allerdings verwaist – der letzte Eintrag stammt aus dem Jahr 2012.

Die Benutzeroberfläche ist erfreulich einfach gehalten und zielt klar auf Mobilgeräte ab, insbesondere aber auf den XO-Laptop, einen im One-Laptop-Per-Child-Projekt (OLPC, [8]) entwickelten Mobilrechner. Allerdings unterscheidet sich Sugar von allen anderen bekannten GUIs (Abbildung 1). Wer damit in die IT-Welt einsteigt, wird sich beim späteren Umstieg auf herkömmliche Benutzeroberflächen, wie sie Windows, OS X oder viele Linux-Distributionen anbieten, möglicherweise schwer tun.

Abbildung 1: Das auf Fedora basierende Sugar wurde ursprünglich für das OLPC-Projekt entwickelt und hat eine eigenwillige Benutzeroberfläche.

Die Welt ist nicht genug

Ganz willkürlich ist die Benutzeroberfläche jedoch nicht gestaltet. Die OLPC-Initiative will möglichst vielen Kindern den Computer näherbringen, insbesondere in solchen Regionen der Welt, in denen es an Hardware mangelt. Nach eigenen Angaben erzielt Sugar besonders bei Immigranten, die eine neue Sprache erlernen müssen, und bei Nutzer mit Behinderungen gute Ergebnisse.

Die Benutzeroberfläche bietet lediglich Symbole für die vielen Anwendungen an (Abbildung 2). Hinter diesen verbergen sich neben etlichen Lern- und Puzzleprogrammen auch Programme zur Kommunikation, etwa ein Browser und ein Chatclient. Standardmäßig verbindet Sugar jeden Benutzer mit einem Jabber-Server. Ohnehin setzt das System verstärkt auf die Zusammenarbeit und Kommunikation unter den Schülern selbst. Es vermerkt alle Aktivitäten lokal in einem so genannten Tagebuch, etwa in Form von Bildern und Texten.

Abbildung 2: Die vielen textfreien Symbole, die Sugar verwendet, sollen Sprachbarrieren überwinden, machen aber den Einstieg in das System nicht unbedingt einfacher.

Fehlt ein zentraler Server, lassen sich die Sugar-Rechner zu einem Mesh-Netzwerk verknüpfen. Alternativ richtet der Admin einen auf Centos basierenden Sugar-Server ein. Über ihn konfigurieren Lehrkräfte das Netzwerk inklusive Proxys wie Squid [11] (mitsamt Filtern) oder Wwwoffle [12], die bei wackeligen Internetverbindungen Inhalte vorhalten. Sugar setzt auf die Web-basierte freie Lernplattform Moodle, die Schüler zu Gruppen zusammenfasst und Lernmaterialien bereitstellt. Benutzer speichern ihre Aktivitäten auf dem Server ab.

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