Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2015
© li-xuejun, 123RF

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Raspberry Pi als DVR

Pideo-Rekorder

Mehr braucht er nicht: ein Linux, einen DVB-T-Stick und einen Raspberry Pi. Linux-Magazin-Autor Konstantin "MacGyver" Agouros genügt das, um einen Videorekorder zu bauen, der Sendungen mit Hilfe eines EPG aufzeichnet und die Aufnahmen auf ein NFS-Share im lokalen Netzwerk schiebt.

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Nachdem mein Artikel im Linux-Magazin [1] vor einiger Zeit demonstrierte, wie Bastler über einen gewöhnlichen DVB-T-Stick Daten der lokalen Wetterstation abgreifen – Stichwort: Software-defined Radio –, schaufelte der verwendete TV-Stick noch eine Weile lang fleißig Daten auf meinen Raspberry Pi. Anschließend nutzte ich die Hardware dazu, den Flugverkehr über meinem Haus zu beobachten [2]. Irgendwann beschloss ich jedoch, ihn wieder seiner eigentlichen Berufung zuzuführen, dem Empfang von Fernsehprogrammen.

Hardware

Während der Terratec Cinergy T Stick RC ohne zusätzliche Verrenkungen funktionierte [1], stellte mich die Terratec H7, eine USB-Box, die sowohl DVB-T als auch DVB-C verarbeitet, vor etwas größere Herausforderungen. Trotz vorhandener Treiber wollte das Modul im ersten Anlauf nicht kooperieren. Ein Blick in die Ausgabe von »dmesg« machte mich schlauer, denn dort stand schwarz auf weiß, dass der Treiber eine Firmwaredatei vermisst. Da die Ausgabe freundlicherweise auch den Namen der fehlenden Datei verriet, ließ sich per Onlinesuche schnell Abhilfe schaffen.

Den zweiten Fallstrick spannte die Doppelfunktion der H7-Box. In der Standardeinstellung steht sie auf DVB-T. TV-Headend behandelt sie auch so und erkennt folglich keine Kabel-TV-Kanäle. Die Lösung brachte das Werkzeug »dvb-fe-tool« , mit dem ein Admin den Modus des Adapters auf DVB-C umstellt. Vor dem Start von TV-Headend gibt er dafür die Befehlszeile »dvb-fe-tool -a 1 -d DVBC/ANNEX_A« ein.

Im Betrieb fiel auf, dass die H7-Box unter Linux weitaus stabiler lief als auf dem Mac, auf dem sie nach ein paar Tagen stets einen Neustart der Box erforderte.

Das hat eine Vorgeschichte, denn seit ein paar Jahren betreibe ich als digitalen Videorekorder eine proprietäre Lösung, die aus einem Mac Mini besteht, auf dem die Software Eye-TV läuft. Es war also höchste Zeit, einmal Open-Source-Software an die Aufgabe "digitaler Videorekorder" zu lassen. Auf Empfehlung kam TV-Headend [3] zum Einsatz.

Web-TV

TV-Headend installiert einen digitalen Videorekorder, der von Hause aus ein Webfrontend mitbringt, das einen elektronischen Programmführer integriert. Es lässt sich im Gegensatz zu anderen Frontendlösungen allerdings nicht mit einer normalen Fernbedienung steuern. Die Software wartet als Debian-Paket unter [4], wobei es auch ein Paket für die Raspberry-Pi-Distribution Raspian gibt. Das vereinfacht merklich die Installation auf dem Pi, der als Zielplattform dient, und holte noch einige Perl-Pakete nach, die im Hintergrund werkeln.

Nach der Installation ruft der Benutzer über »localhost:9881« das Web-GUI auf. Er muss zunächst den angeschlossenen DVB-Adapter einrichten, auf den das System über »/dev/dvb/adapterX« zugreift. Bringt das verwendete Linux einen Kerneltreiber und gegebenenfalls eine Firmware für den Adapter mit (siehe Kasten "Hardware"), erscheint dieser unter »Configuration/DVB-Inputs« .

Im nächsten Arbeitsschritt fügt der Bastler die Trägerfrequenzen hinzu, die im Sprachgebrauch von TV-Headend Muxe heißen. Die ergänzt er entweder manuell, indem er die Frequenz, die Modulation sowie einige weiterer Parameter angibt, oder er greift der Einfachheit halber zu dem Tool »Add DVB Network by location« (Abbildung 1). Die Software unterstützt von Haus aus eine lange Liste mit Empfangsparametern auch deutscher Regionen.

Abbildung 1: Über einen Button lassen sich die regionalen Trägerfrequenzen über Listen einlesen.

Sendersuche

Hat der Nutzer seine Location gewählt und ist der DVB-T-Adapter einsatzbereit, beginnt der automatische Sendersuchlauf, sofern ihn der Admin nicht deaktiviert. Hier ist jetzt Geduld angesagt. Die Webseite zeigt im Durchlauf zwar an, welche Trägerfrequenz sie gerade prüft und wie viele noch fehlen, aber innerhalb einer Frequenz gibt es keinen Fortschrittsbalken. Erreicht der Eintrag »Muxes awaiting initial scan« unten rechts den Wert » « , ist der Scanprozess abgeschlossen.

Als Ergebnis des Suchlaufs spuckt TV-Headend aber nicht Kanäle, sondern Services aus, die allerdings schon die Namen der Sender tragen. Die muss der Admin jetzt noch über »Map DVB services to channels« auf die Kanäle mappen. Praktischerweise kann er dies aber in einem Rutsch tun, in dem TV-Headend die Servicenamen in Kanalnamen verwandelt. Für das Kabelnetz in München musste ich zuvor noch zwei Frequenzen manuell hinzufügen, da sich München hier vom Rest Bayerns unterscheidet.

Schließlich aktiviere ich noch den EPG. Für Deutschland empfiehlt sich als Programmführer das XML-TV-Modul »Egon zappt« , für das ich noch die Trägerfrequenz, über die es die Daten herunterlädt, einstellen muss. Dann steht der digitale Videorekorder bereit.

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