Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2015
© Zacarias Pereira da Mata, 123RF

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Limux nach der Kommunalwahl 2014

Leuchtturm im Sturm

Ein Sturm tobt derzeit um das Linux-Vorzeigeprojekt Limux. Von einem Geheimabkommen mit Microsoft, Missmanagement, Intrigen, Ablenkungsversuchen und davon, dass ein funktionierendes Beispielprojekt sturmreif geschossen werden soll, haben Insider dem Linux-Magazin berichtet.

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Das deutsche Vorzeigeprojekt für kommunale Linux-Migrationen heißt Limux [1]. In der bayerischen Landeshauptstadt München beheimatet erlebt es ein stürmisches Jahr 2014. Nach dem Abschied von Leuchtturmwärter Ude traten seine Nachfolger an – und gleich in die Fettnäpfchen der Open-Source-Welt.

Reiter im Fettnapf

Der neue Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD, Abbildung 1) ist bekennender Microsoft-Fan [2]. Er und sein 1. Bürgermeister Schmid (CSU) galten nie als Protagonisten der erfolgreichsten Linux-Migration Deutschlands wie der langjährige OB Ude. Und laut bayerischen SPD-Mitgliedern gelte ja in Politikerkreisen bisweilen das Motto: "Willst du dich unsterblich glänzen lassen, dann achte darauf, dass deine Nachfolger nicht so kompetent sind wie du."

© © Konrad Ferterer, SPD München, CC BY 3.0 (Wikipedia)Abbildung 1: Der SPD-Politiker Dieter Reiter ist seit dem 1. Mai Münchens Oberbürgermeister und fiel in der Open-Source-Szene schnell durch ungeschickte Äußerungen rund um Limux auf.

Fest steht, dass die beiden starken Männer in München ein nennenswertes Bekenntnis zu dem Migrationsprojekt wie auch zur Linux- und Open-Source-Strategie komplett vermissen lassen. Manche in der Stadt behaupten gar, sie arbeiteten an der Demontage der Migration, obwohl die doch weit über 11 Millionen Euro eingespart habe.

Steilvorlage

Die Kehrtwende lieferte eine Steilvorlage für die Opposition im Münchner Stadtrat: Nach Anfragen der Grünen/Rosa Liste und der Piraten/HUT/FDP haben jetzt auch die AfD und erneut Grün/Rosa Nachfragen oder Anträge rund um Limux an die Bürgermeister gestellt.

Vor allem die AfD nimmt sich der stets dementierten Frage an, ob es vor der Wahl der neuen Stadtoberhäupter einen Deal mit Microsoft gegeben habe: "Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Überlegungen, wieder zu Microsoft-basierten Produkten zurückzukehren, und der Entscheidung von Microsoft selbst, seine neue Deutschlandzentrale im Münchner Stadtgebiet und nicht mehr in Unterschleißheim zu bauen? Gab es einen Kontakt zwischen der Stadtspitze und Microsoft im Zusammenhang mit einem möglichen Umstieg?", so lautet der Inhalt der Anfrage "Zurück zu Microsoft – Warum?" der AfD-Gruppierung im Stadtrat, nachzulesen im Ratsinformationssystem der bayerischen Landeshauptstadt München [3].

Wer jetzt glaubt, derlei sei abwegig und nur für Verschwörungstheoretiker glaubwürdig, dem sei der Artikel [4] der englischen Webseite "Computerweekly" empfohlen. Da berichten britische Politiker, welchen Druck Microsoft auf sie ausübte, um den Einsatz des Dokumentenformats ODF zu verhindern. Unverblümt würde da gedroht, in allen Wahlbezirken der unliebsam abstimmenden Parlamentarier alle Ausgaben für Forschung und Soziales einzustellen. Außer natürlich, sie stimmten so ab, wie Microsoft das wolle – für OOXML und so weiter.

Derlei Unerhörtes berichtet Rohan Silva, immerhin IT-Berater von Premierminister David Cameron. Damit nicht genug: Der ganze Artikel liest sich wie ein Howto des erfolgreichen Lobbying, vorausgesetzt man verfügt über ausreichende Geld- und Druckmittel.

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