Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 12/2014
© maksym yemelyanov, 123RF

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Medien im eigenen Netzwerk teilen

Tauschzentrale

Über die quelloffene Webanwendung Mediagoblin teilen Benutzer abseits der bekannten Plattformen bequem Videos, Audiodateien und andere Dokumente. Wie Admins die Anwendung ins lokale Netzwerk integrieren und ob sie als Ersatz für Youtube, Flickr und Soundcloud taugt, zeigt der Artikel.

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Videos teilt der Internetnutzer heute über Youtube, Fotos landen auf Flickr und Tonmaterial wandert in die Soundcloud. Hinter den Diensten stehen meist amerikanische Konzerne. Wer Videos und Bilder auf die Plattformen hochlädt, gibt sie folglich aus der Hand. Deutsche Datenschutzgesetze gelten hier nicht, weshalb viele hiesige Firmen die Dienste lieber nicht nutzen.

Abhilfe möchte GNU Mediagoblin [1] schaffen. Im Stil von Youtube und Flickr hostet die Webanwendung Videos, Bilder und andere Mediendateien, lässt sich auf einem eigenen Server betreiben und eignet sich somit als Medienplattform für das Intranet. Wer ein Video- und Medienarchiv aufbauen möchte, dem hilft die Webanwendung ebenfalls.

Zeig's mir

Mediagoblin funktioniert wie ein Wiki für Medien: Benutzer laden über ein Formular Videos, Audiodateien und andere Medien hoch. Diese versehen sie mit Metadaten, etwa einer Beschreibung, Schlagwörtern oder einem Lizenztext. Andere Benutzer dürfen die hochgeladenen Dateien direkt im Browser betrachten beziehungsweise abspielen und dann kommentieren. Video- und Audiodateien stellt Mediagoblin in mehreren Dateiformaten zum Download bereit, die Webanwendung transkodiert die Mediendateien automatisch im Hintergrund.

Daneben verwaltet Mediagoblin weitere Dokumentenformate, neben PDF-Dokumenten zum Beispiel 3-D-Grafiken. Besucher können direkt im Browser eine Vorschau betrachten, was jedoch voraussetzt, dass dieser Web-GL beherrscht. Das Framework PDF.js zeigt PDF-Dateien an. Alle Dateiformate, die Mediagoblin unterstützt, listet Tabelle 1 auf. Installiert der Admin auf dem Server Libre Office und dessen Hilfsprogramm »unoconv« , verwandelt Mediagoblin viele weitere Dateiformate, etwa Word- und Excel-Dokumente, beim Hochladen automatisch in PDF-Dateien.

Tabelle 1

Unterstützte Dateiformate

Medientypen

Dateiformate

3-D-Objekte

Obj, STL

PDF-Dateien

PDF

Audiomaterial

MP3, Flac, Wav, M4A

Bilder

JPE, JPG, Jpeg, PNG, Gif, Tiff, Nef, CR2

Ascii-Texte

TXT, ASC, NFO

Videos

MP4, Mov, Webm, Avi, 3GP, 3GPP, MKV, OGV, M4V

Den Funktionsumfang von Mediagoblin dürfen Entwickler über Plugins erweitern, die Optik der Benutzeroberfläche passt der Installateur über Themes an. Mediagoblin ist ein offizielles GNU-Projekt und steht unter der AGPLv3. Alle mitgelieferten Medien, beispielsweise Logos und Bilder, haben die Entwickler unter der Creative-Commons-Lizenz 0 (Version 1.0) Universal und somit als Public Domain freigegeben.

Schön langsam

Die Arbeit an Mediagoblin begann bereits im Frühling 2011. Um die Entwicklung zu beschleunigen, startete im Oktober 2012 eine erste Spendenkampagne. Zusammen kamen schließlich über 45000 Dollar, die den Hauptentwickler Chris Webber ein Jahr lang bezahlen sollten. Neue Versionen erschienen aber nur tröpfchenweise, Ende 2013 schien es gar, als sei die Entwicklung komplett eingeschlafen.

Im März 2014 rief das Projekt eine neue Spendenkampagne ins Leben, deren Einnahmen die Entwicklung der Version 1.0 sichern sollten [2]. Obwohl die eingesammelten knapp 65000 US-Dollar das gesteckte Ziel übertrafen, erschien Ende August erst die Versionsnummer 0.7. In ihr fehlen noch einige der für die Version 1.0 geplanten Funktionen, darunter der Podcast-Support, aber vor allem eine Federation genannte Funktion. Über sie sollen sich Mediagoblin-Installationen miteinander verbinden, damit sich Nutzer auf unterschiedlichen Servern anmelden und dennoch ihre Videos und Bilder austauschen können.

Tatsächlich ist Mediagoblin aber bereits jetzt durchaus einsatzfähig, und die Plattform Open Hub [3] zählt gegenwärtig 25 aktive Projektentwickler. Unter anderen hosten es die Seiten Libre Planet [4] und Open Video Productions [5].

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