Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2014
© Markus Feilner

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Kolab gewinnt Groupware-Ausschreibung in München

Freies Miteinander

Nach langem Rätseln und vielen Gerüchten steht fest: Die Stadtverwaltung Münchens folgt weiter entschlossen dem 2001 gewählten Open-Source-Pfad und kürt Kolab zur Limux-Groupware. Das freie Projekt hat als Bestandteil eines Bieterkonsortiums die seit 2013 laufende Migmak-Ausschreibung gewonnen.

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Nach dem erfolgreichen Abschluss der Limux-Migration [1] und kleineren Scharmützeln rund um Limux im Münchner Kommunalwahlkampf steht seit Februar fest: Die freie Groupware Kolab [2] ist Sieger in Deutschlands größter Groupware-Ausschreibung.

Unter dem Codenamen Migmak [3] hatten die IT-Verantwortlichen der Stadt im Januar 2013 eine Softwarelösung fürs Teamwork ausgeschrieben, die auf Windows, Linux und mobilen Geräten gleichermaßen funktioniert und genau das leisten soll, was sich die Münchner IT-Strategen vorstellen. Auf den Servern der Landeshauptstadt solle sie laufen, beschnitten auf ausschließlich die gewünschten Funktionen und ohne sonstigen Overhead, so lautete das Anforderungsprofil in der Ausschreibung.

Schwierige Kommunikation

Lange rätselten Experten, wer wohl das Rennen machen würde. Vor allem die technikunabhängigen Anforderungen an die gewünschten Groupware-Umsätze in den letzten Jahren, aber auch Nachweise über Projekterfahrungen dieser Größenordnung ließen Spekulationen sprießen: Mal hieß der vermeintliche Sieger Zimbra, mal Zarafa, auf jeden Fall sei das Rennen schon lange entschieden.

Aber den Namen der Firma, die am Ende die Nase vorn hatte, die Münchner Elektroniksystem- und Logistik-GmbH ([4], ESG, Abbildung 1), hatten wohl nur die wenigsten Beobachter auf der Rechnung. Dennoch tauchte das auf IT-Security spezialisierte Systemhaus bereits im Dezember [5] in den Papieren des bayerischen Ausschreibungs-Informationssystems als Sieger auf, ohne jedoch auf seiner Webseite oder in seinen Referenzen irgendwo den Begriff "Groupware" zu nennen.

Abbildung 1: Erst Ende Februar lösten die Gewinner der Ausschreibung das Limux-Groupware-Rätsel und bestätigten: Ja, München bekommt Kolab.

Doch sowohl Limux und ESG als auch alle anderen – vermuteten – Beteiligten wollten den Namen des gewählten Softwareprodukts auf Nachfrage nicht bestätigen, selbst als die Spatzen Anfang 2014 bereits lauthals "Kolab, Kolab" von den Münchner Dächern pfiffen.

Es dauerte bis Ende Februar und bedurfte zahlreicher Anfragen des Linux-Magazins, ehe man von den Dementis abrückte und bestätigte: Kolab wird die Groupware der Wahl für das Limux-Projekt (Abbildung  1). Zusammen mit Szenaris [6], einer GmbH mit Schwerpunkt E-Learning, und ESG werde Kolab Systems Limux mit einem Groupware-Client und dem ursprünglich für das BSI entwickelten Kollaborationsserver ausstatten, das erklärte CEO Georg Greve (Abbildung 2) dem Linux-Magazin. Kolab gewann nicht, weil es Open Source ist, sondern angesichts der Kombination aus Funktionsumfang und Sicherheit, das betonen alle Beteiligten.

© © Markus FeilnerAbbildung 2: Georg Greve, CEO von Kolab Systems: "Funktionen und Sicherheit gaben den Ausschlag."

Auf Windows und Linux

Der Kolab-Client Kontact stammt aus dem KDE-Projekt, ist in Qt geschrieben und läuft außer auf Linux auch auf Windows und mobilen Geräten (dank Ot Mobile). Dazu bietet der Server diverse Protokolle zum Anbinden von beispielsweise Apple-Clients und anderen Geräten oder Softwareprodukten. "Begleitet wird die Umstellung und Migration durch ein maßgeschneidertes Schulungskonzept inklusive Web-basiertem Lernmodul, das die Szenaris GmbH aus Bremen erarbeitet und durchführt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Schweizer Kolab Systems AG soll die Software bereitstellen, dazu wird das Enterprise-Produkt Kolab Enterprise Edition zum Einsatz kommen. Greve nennt auf Nachfrage des Linux-Magazins drei Punkte, die bei der Entscheidung für Kolab die Hauptrolle gespielt hätten: "Erstens: Es gab keine politische Open-Source-Vorgabe, jeder, sogar Microsoft, hätte gewinnen können. Wir sind der Meinung: Der Beste hat gewonnen. Zweitens spielte das Thema Sicherheit eine wichtige Rolle. Nicht nur, aber gerade aus Security-Gesichtspunkten war die Ausschreibung vorbildlich. Und drittens wird das KDE auf Windows und mobilen Geräten einen enormen Schub geben, als erste große, öffentlich sichtbare Referenz."

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