Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 03/2014
© Francesca Schellhaas, photocase.com

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Das Limux-Projekt ist abgeschlossen

Beinharter Erfolg

Im Mai 2003 gaben die Offiziellen der bayerischen Landeshauptstadt München grünes Licht für eine Linux-Migration. Trotz vieler Widerstände und technischer Herausforderungen schaffte es das Limux-Projekt, das erste derart umfassende Migrationsprojekt zu einem erfolgreichen Ende zu führen.

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Als Microsoft kurz nach der Jahrtausendwende ankündigte, Windows NT 4.0 ab 2004 nicht mehr länger mit Patches und Updates zu versorgen [1], schrillten die Alarmglocken in den IT-Abteilungen. Auch in der Landeshauptstadt München (LHM) machten sich die Mitarbeiter daran, Migrationsszenarien zu entwickeln. Anders als üblich zogen die Admins auch das damals vergleichsweise junge Linux in Betracht und damit viel Skepsis und Kritik auf sich.

Heute, Anfang 2014, laufen die Desktops der Stadt mit Linux (Abbildung 1). Server und Infrastruktur sind ganz überwiegend unabhängig von Microsoft-Produkten, die Stadt hat nach eigenen Angaben einen achtstelligen Euro-Betrag gespart und das Limux-Projekt [2] ist ein bekanntes Aushängeschild für freie Software.

Abbildung 1: Am 12. Dezember 2013 unterschrieben Bürgermeisterin Christine Strobl und Limux-Projektleiter Peter Hofmann die abschließende Projektabnahme für die Limux-Migration.

München verfügt nicht nur über den standardisierten Limux-Basisclient, sondern auch über ein automatisches Deployment und Konfigurationsmanagement, das die angepasste Office-Software bereitstellt und für Teams adaptiert, die sowohl auf Windows wie auch auf Linux arbeiten. Wollmux, ein Vorlagen- und Formularmanager, kümmert sich ums zentrale und einfache Dokumentenmanagement, dazu stehen diverse Serverkomponenten für zentrale Verwaltung und Überwachung zur Verfügung.

Qualitäts- und Testmanagement-Tools und -Prozesse haben die Administratoren ebenfalls integriert, die Anschaffungskosten derartiger Werkzeuge für proprietäre Softwaretools sind in den Einsparungsmillionen noch gar nicht erfasst, beteuern die Projektmitarbeiter.

Die Ausgangssituation

Das positive Endergebnis war jedoch zu Beginn des Projekts beleibe nicht selbstverständlich. Linux hatte 2002 erst ein Jahrzehnt auf dem Buckel, der Linux-Kernel 2.4 gerade mal ein Jahr. Erst seit drei Jahren machte auch IBM "in Linux", doch immerhin hatte mit Big Blue 2001 zum ersten Mal einer der wichtigen Player der IT-Branche sein Interesse an freier Software mit einer Millarden-Investition in Stein gemeißelt. Große Open-Source-Projekte in öffentlichen Einrichtungen waren rar, Münchens Entscheidung eine Aufsehen erregende Revolution.

Vor zehn Jahren bestand die IT der LHM aus 15000 PC-Arbeitsplätzen, 1000 IT-Beschäftigten und 51 Standorten mit 22 IT-Bereichen, die sich weitgehend selbst verwalteten (Abbildung 2). Vor allem die Heterogenität der Verwaltung machte jedem Admin zu schaffen: Clients, Software, Server und Prozesse waren nicht zentral organisiert, niemand kannte den genauen Stand, von einem Überblick ganz zu schweigen.

Abbildung 2: Kompliziert, heterogen und ohne zentrales Management: Die IT-Situation der Stadt München vor der Limux-Migration war relativ undurchsichtig, erst die Bestandsaufnahme schaffte Klarheit.

Die Hardware der Desktops gehörte bereits für damalige Verhältnisse nicht gerade zur schnellsten: Mehr als die Hälfte der Rechner verfügte nur über CPUs mit weniger als 500 Megahertz, und selbst die meisten schnelleren Systeme nur über 128 MByte RAM (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die eingesetzte Hardware bei der Stadt München würde wohl kaum die Ansprüche moderner Betriebssysteme erfüllen. Doch bereits 2002 war das ein Problem – angesichts Windows 2000 oder XP vor der Tür.

Limux im Zeitraffer

Erste Diskussionen rund um Linux und freie Software hatten die Mitarbeiter bereits ab 2001 geführt, doch erst 2002 reiften konkrete Pläne. Am 28. Mai 2003 gab die Stadtverwaltung grünes Licht, 2004 folgte die offizielle Anweisung, mit der Migration zu beginnen. Bereits ein Jahr später begannen die Mitarbeiter, erste Rechner auf Linux umzustellen. 2007 zertifizierte der TÜV Deutschland die eigens entwickelte Linux-Distribution als benutzerfreundlich gemäß ISO 9241 [3].

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