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Linux-Magazin 03/2014
© scyther5, 123RF.com

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Android-Geräte unter KDE überwachen und Rechner fernsteuern

Mal umschalten

Aus dem Google Summer of Code stammt ein Projekt, das über D-Bus und MPRIS KDE-Desktops mit Androiden vernetzt und so das Handy zur Universalfernsteuerung macht. Gleichzeitig versorgt es den Benutzer am Rechner mit Informationen über SMS und pausiert bei einem Anruf automatisch Musik oder Film.

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Mehr und mehr halten Multimedia-PCs, Smartphones und Tablets Einzug ins Wohnzimmer. Wo vor wenigen Jahren noch mehrere, meist üppig mit Tasten versehene Fernbedienungen auf dem Couchtisch herumlagen, türmen sich heute die Remote-Control-Apps auf dem Androiden oder iPhone.

Mit KDE Connect tritt jetzt ein Softwareprojekt an, den Wildwuchs zumindest für Multimedia-PCs mit KDE-Desktop zu vereinheitlichen. Neben der Fernbedienung zeigt es die Statusmeldungen vom Smartphone an, pausiert Musik, wenn ein Anruf erfolgt, und synchronisiert die Zwischenablage und Dateien per Mausklick zwischen den Geräten.

D-Bus und MPRIS

Ob Videos mit VLC oder Musik mit MPD oder dem Musikplayer Amarok – für die meisten Tools und auch für den Mediaserver gibt es bereits eigene Fernsteuerungs-APIs und -Apps. Dabei sorgt ein eigener D-Bus-Standard (MPRIS, [1]) dafür, dass sich einerseits Desktop-Anwendungen, andererseits Clients auf über TCP verbundenen Rechnern miteinander über den nächsten Titel oder die Lautstärke verständigen. Linuxer greifen zu Tools wie SSH Mote [2] und nutzen Software-Universalfernsteuerungen aller halbwegs aktuellen Smartphones oder Tablets, um Linux-PCs übers lokale WLAN zu steuern – alles, was sich mit einem (SSH-)Befehl umsetzen lässt, ist möglich.

KDE per WLAN steuern und informieren

Wäre es da nicht auch eine gute Idee, die Vernetzung des Smartphones mit dem Multimedia-Desktop weiter voranzutreiben, dachten sich Anfang vorigen Jahres ein Android- und ein KDE-Entwickler. Anfänglich ärgerten sich beide darüber, wie schwierig es war, die Informationen aus dem Androiden auf den Linux-Rechner zu bekommen. Doch dann machte sich einer von ihnen, Alberto Vaca, an die Arbeit. "Fast alle Ideen, die wir später umgesetzt haben, stammen von diesem Abend in einer Bar in Barcelona, bei einer KDE-Release-Party", berichtet Vaca (siehe Kasten "Interview").

Interview mit dem KDE-Connect-Entwickler Alberto Vaca

Der Spanier Alberto Vaca schaffte es mit KDE Connect zu Googles Summer of Code 2013.

Linux-Magazin: Alberto, wie kamt ihr darauf, KDE Connect zu entwickeln?

Albert Vaca: Anfang 2013 hatte ich einen Job als Android-Entwickler, aber keine Ahnung von KDE. Auf einer KDE-Release-Party traf ich Alex Fiestas, einen erfahrenen KDE-Developer und meinen späteren Mentor im Google Summer of Code (GSOC, http://6). Der half mir und riet mir, mich bei GSOC zu bewerben. Einige Wochen später war das Projekt akzeptiert – und los ging's!

Linux-Magazin: Wie schafft man es denn, ein GSOC-Projekt zu werden?

Albert Vaca: Am besten, indem man direkt mit den Leuten redet, die die Idee auch betrifft, beispielsweise KDE. Vielleicht geht ja deine Idee nicht ganz in die Richtung, in die das Projekt zielt, zu dem du was beisteuern möchtest.

Ideal ist auch, das so früh wie möglich auf Mailinglisten zu verteilen und bekannt zu machen – das Feedback, das von dort kommt, ist sehr wertvoll. Dann kannst du deine Idee verfeinern und anpassen, bevor du sie einreichst. Und dann ist sicher auch ein wenig Glück im Spiel, ausgewählt zu werden.

Linux-Magazin: Welche Features fehlen deiner Meinung nach am meisten in KDE Connect?

Albert Vaca: Auf jeden Fall die Ports für andere Plattformen, etwa I-OS und KDE für Windows. Das würde auch die Userbase signifikant verbreitern. Aber das ist sehr viel Arbeit, also ist das nicht in naher Zukunft wahrscheinlich.

Linux-Magazin: Was liegt denn näher?

Albert Vaca: Zum Beispiel das Filesharing von KDE zu KDE oder auch von KDE zu Android, das wird bald kommen. Heute können User zwar auch schon Desktops pairen, aber nur das Clipboard Sharing funktioniert bisher. Wie immer bei OSS-Projekten gibt es viel mehr Ideen als Zeit, aber ich versuche die alle in meinem Blog zu sammeln, da können sich dann alle Interessenten bedienen, die beitragen wollen. Die Kommentare sind voller guter Ideen.

KDE Connect [3] war geboren und schnell wuchsen die Features: Wer einerseits die KDE-Applikation installiert hat – bei fast allen Distributionen heißt das Paket einfach »kde-connect« oder »kdeconnect-kde« –, braucht noch die entsprechende Android-App [4]. Die installiert sich aus dem Play Store, verlangt eigentlich mindestens Android 4.1, läuft aber auch mit älteren Versionen. Nur einzelne Funktionen verweigern dann den Dienst, bei einem Sony Experia mit Android 2.3 funktionierte weder das allgemeine Benachrichtungs-Sharing noch der Filetransfer.

Nach der Installation startet der Anwender das Konfigurationsmodul mit dem schlichten Namen »Geräte« , das sich ins KDE-Kontrollzentrum einklinkt, unter diesem Namen aber auch direkt über das Eingabefeld »Ausführen« ([Alt]+[F2]) erreichbar ist (Abbildung 1). Die Liste der Geräte bleibt leer, bis der Anwender auf den Mobiltelefonen oder Tablets die entsprechende App installiert und außerdem ein Bluetooth-ähnliches Pairing durchgeführt hat.

Abbildung 1: Drei Androiden sind im WLAN vorhanden und haben dank der KDE-Connect-App Kontakt mit dem Desktop aufgenommen. Zwei sind aktiv.

Oft verhindern dies Firewalls auf dem PC, für die Kommunikation sollten daher die Ports 1714 bis 1764 (sowohl TCP als auch UDP) geöffnet sein. KDE Connect überträgt seine Daten zwar verschlüsselt, ist aber eher für das heimische oder abgesicherte Firmen-WLAN entwickelt. In fremden Netzen ist Vorsicht angesagt.

KDE Connect nutzt UDP, um per Broadcast andere Geräte zu finden. Ist das erfolgreich, läuft die weitere Kommunikation über TCP. Avahi [5] habe man dafür auch ausprobiert, aber verworfen, weil es in einigen Routern bereits blockiert wird, die Android-Implementierung richtig missraten sei und bereits andere Tools wie Spotify darauf zurückgreifen – was laut Vaca einiges kompliziere.

War das Pairing erfolgreich, zeigt das KDE-Kontrollmodul aus Abbildung 1 die dort gelisteten Funktionen an. Weil die automatisch aktiviert sind, kann der Besitzer bereits jetzt die Akkuladung der verbundenen Geräte auf seinem Desktop überwachen und wird mit KDE-Plasma-Popups und Systemtray-Nachrichten über eingehende Anrufe und SMS informiert (Abbildung 2). Für den Akku-Überblick braucht er das Plasma-Widget »KDEconnect« auf dem Desktop oder in der Kontrollleiste.

Abbildung 2: KDE Connect zeigt die Akkuladung der Geräte an (oben links), informiert über eingehende SMS und Anrufe (rechts) und erlaubt Pings zwischen den Geräten für den Verbindungscheck.

Wenig aufregend zeigt sich das Clipboard Sharing, es funktioniert einfach ohne viel Konfiguration. Was auf dem Rechner in der Zwischenablage ist, landet automatisch auch auf dem Smartphone im Clipboard. Hier ist in unsicheren Netzen aber ein wenig Vorsicht angebracht, vielleicht sollte dieses Modul standardmäßig besser deaktiviert werden.

Konfigurieren im Geräte-Modul der Systemsteuerung lassen sich ohnehin nur die Funktionen »Share and recieve« und »Medium bei Anrufen anhalten« . Für die erste kann der Anwender ein Zielverzeichnis eingeben, Standard dafür ist die Arbeitsfläche. Für die zweite Funktion kann er wählen, ob die Musik schon beim ersten Klingeln verstummen soll oder nur während des Gesprächs selbst.

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