Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 01/2014
© Ivan Smuk, 123RF.com

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Snapshots erstellen mit Virt-Manager und Virsh

Schnappschuss

In der aktuellen Entwicklerversion kann der Virtual Machine Manager (Virt-Manager) endlich seine virtuellen Maschinen einfrieren und als so genannten Snapshot abspeichern. Das klappt auf zwei verschiedene Arten, die aber ihre Vor- und Nachteile haben. Mit der Kommandozeile gelingt das sicherer.

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Fast alle Virtualisierungslösungen können ihre virtuellen Maschinen einfrieren und dann mit Haut und Haaren auf der Festplatte abspeichern. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Schnappschuss. Nach dem Wiederherstellen eines solchen Snapshots arbeitet die virtuelle Maschine genau dort weiter, wo sie der Administrator beim Einfrieren unterbrochen hatte.Das Laden der Snapshots gelingt in der Regel deutlich flotter, als das System neu zu booten.

Flotter Maschinenpark

Mit einem Snapshot lässt sich nicht nur gezielt ein Ablauf unterbrechen, sondern auch nach einem Defekt oder einem Konfigurationsfehler schnell ein alter, funktionierender Systemzustand wiederherstellen. Entwickler können für ihre Tests mehrere Snapshots vorhalten und so schnell zwischen verschiedenen Konfigurationen hin und her wechseln.

Alles eigentlich keine Magie, doch ließ die Libvirt bisher passende GUI-Tools dafür vermissen. Wer seine virtuellen Maschinen mit dem beliebten Virtual Machine Manager (VMM) oder Virt-Manager verwaltet, blickte lange Zeit in die Röhre. Bis einschließlich Version 0.10.0 konnte das GUI lediglich den Inhalt des Hauptspeichers der virtuellen Maschine einfrieren. Während der Entwicklung von Fedora 20 rüstete jedoch der Entwickler Cole Robinson freundlicherweise eine kleine Snapshot-Verwaltung nach [1].

Sie bietet zwar immer noch nicht den Funktionsumfang des Kommandozeilen-Werkzeugs Virsh, für die meisten Anwendungsfälle sollten die Verwaltungsmöglichkeiten jedoch ausreichen. Im Gegenzug benötigt der Administrator keine kryptischen Kommandos mehr, in VMM genügt jetzt ein Mausklick, um einen neuen Snapshot anzufertigen. Als netten Bonus macht das GUI auch noch automatisch einen Screenshot, wodurch sich erstellte Snapshots wesentlich leichter voneinander unterscheiden lassen als an der Kommandozeile.

Im Gegensatz zum CLI mussten die Tester des Linux-Magazins am GUI allerdings noch einige Kinderkrankheiten diagnostizieren. So klappte die Managed-Save-Option nicht immer, auch das Wiederherstellen machte noch hier und da Probleme. Allerdings existieren zu allen Fällen Bugreports im Fedora-Bugzilla bei Red Hat, sodass für die finale Version noch Hoffnung besteht.

Nur mit Fedora 20

Um die neue Snapshot-Verwaltung auszuprobieren, mussten Administratoren – jedenfalls bei Redaktionsschluss – entweder zu einer Vorabversion von Fedora 20 greifen oder den Quellcode aus dem VMM-Git-Repository selbst übersetzen [2]. In beiden Fällen erhielten sie lediglich eine Entwicklerversion von VMM. Verwirrung herrschte zudem bei der Nummerierung: Der VMM in der Beta von Fedora 20 trug die Versionsnummer 0.10.0-5, während die auf der VMM-Homepage angebotene Version 0.10.0 noch nicht mit Snapshots umgeben konnte.

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