Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 05/2013
© Gennadiy Poznyakov, 123RF.com

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Log- und andere Daten visualisieren

Malen nach Zahlen

Logdateien enthalten äußerst nützliche Spuren des täglichen Geschehens – wären sie nur nicht immer so dröge. Glücklicherweise gibt es einige Spezialwerkzeuge, die aus der Datenmasse nicht nur bunte, leicht interpretierbare Grafiken generieren, sondern diese auch noch über die Zeit animieren.

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Wer seine Logdateien auswerten will, greift zu einem Logviewer. Diese Werkzeuge zeigen im einfachsten Fall die Daten in Tabellenform an, etwas aufgewecktere Gesellen präsentieren immerhin kleine Balken-, Torten- oder Liniendiagramme. Diese Grafiken bieten aber meist nur eine Momentaufnahme. Wesentlich aufschlussreicher wäre es, etwa die Auslastung eines Webservers über einen gewissen Zeitraum zu verfolgen.

Gerade technische Visualisierungen haben sich Gource, Code_swarm, Logstalgia, Fudgie, Conky und Cpuplayer in diesem Test zur Aufgabe gemacht. Jedes der sechs Programme hat sich dabei auf ein ganz bestimmtes Anwendungsgebiet spezialisiert. Logstalgia animiert beispielsweise die Accesslogs eines Webservers, während sich Gource der Änderungen in einer Versionsverwaltung annimmt. Jedes Tool wählt zudem eine etwas andere Darstellungsform – Punkte und Kreise scheinen sich jedoch einer ziemlich großen Beliebtheit zu erfreuen.

Alle Kandidaten sind für normale Desktop-PCs ausgelegt und nicht für den direkten Einsatz auf einem (virtuellen) Server gedacht. Bis auf wenige Ausnahmen muss der Administrator daher die zu analysierenden Daten auf seinen Computer transferieren. Logstalgia und Gource geben ihre Grafiken übrigens über die Open-GL-Schnittstelle aus.

Gource

Der Inhalt einer Versionsverwaltung sieht wie eine bunte Baumkrone aus – zumindest wenn der Admin Gource [1] darauf ansetzt. Nach dem Start erscheinen zunächst kleine bunte Bällchen, die jeweils einer (Quellcode-)Datei entsprechen. Ihre Farbe hängt vom Dateityp ab, C++-Dateien erscheinen beispielsweise blau. Alle Dateien, die in einem gemeinsamen Verzeichnis liegen, versammeln sich zu einem kleinen Haufen. Die Verzeichnisstruktur zeichnet Gource als dünne weiße Äste ein (siehe Abbildung 1).

Abbildung 1: Hier visualisiert Gource das eigene SVN-Repository, die zugehörige Animation lässt sich im Bild leider nur schlecht darstellen.

Die am Projekt beteiligten Entwickler visualisiert Gource als Spielfiguren. Sie strahlen mit einem Lichtkegel die Dateien an, die sie gerade erstellt oder verändert haben. Ein Projektmanager oder Administrator kann also anhand jeder Puppe leicht verfolgen, welche Dateien der zugehörige Entwickler wann angelegt und modifiziert hat.

Die Visualisierungssoftware zapft für ihre Zwecke die Repositories von Subversion, Git, Mercurial und Bazaar an, aufgeweckte Administratoren können dem Werkzeug aber auch den Umgang mit weiteren Logformaten beibringen [2].

Gource beantwortet vor allem zwei Fragen: Welche Entwickler waren in der Vergangenheit besonders aktiv und wie hat sich die Projektstruktur im Laufe der Zeit verändert? Bilden sich dichte bunte Punktehäufchen, so befinden sich viele unterschiedliche Dateien in einem Verzeichnis, was ein Indiz für ein schlecht strukturiertes Projekt sein kann (Abbildung 2). Das gilt auch bei starken Verästelungen, was auf eine unübersichtliche Verzeichnisstruktur hindeutet.

Abbildung 2: Schon bei wenigen Dateien kann die Ausgabe von Gource unübersichtlich eng werden, wodurch die Details verschwinden.

Abschließend erhalten Administratoren noch einen Einblick in die Aktivität des Projekts: Leuchten viele Lichtkegel auf, spricht das für eine hohe Geschäftigkeit. Bei sehr großen Projekten fällt es allerdings trotz Zeitlupenfunktion und Navigationsmöglichkeit schwer, im Gewusel den Überblick zu behalten – so erscheint beispielsweise der Linux-Kernel wie ein einziges großes Feuerwerk.

Code_swarm

Eine Alternative zu Gource ist das in Java geschriebene, schon etwas angestaubte Code_swarm. Seine Entwickler bezeichnen es als "Experiment in organischer Software-Visualisierung" [3]. Ähnlich wie Gource animiert Code_swarm die Änderungen eines Projekts in einer Versionsverwaltung. Dateien erscheinen als Punkte, ihre Farbe deutet auch hier auf den Dateityp hin (Abbildung 3).

Abbildung 3: Die von Code_swarm gezeichneten Grafiken visualisieren die Dateien in der Versionsverwaltung und erinnern an eine Sternenkarte.

Sobald ein Programmierer eine Datei ändert, wandert der zugehörige Punkt auf seinen Namen zu. Inaktive Entwickler blendet Code_swarm langsam aus. Zusätzlich zeigt ein Histogramm am unteren Fensterrand die bisherige Aktivität an, hohe Ausschläge verweisen auf viele Änderungen. Anders als bei Gource erkennt der interessierte Admin auf den ausgegebenen Grafiken allerdings grundsätzlich nur wirre Punktewolken. An der Größe der Namen lässt sich erahnen, welcher Entwickler besonders fleißig war.

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