Open Source im professionellen Einsatz

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Drei Web-GUIs für die Benutzerverwaltung von Mailservern

An der Oberfläche

Die Konfiguration des eigenen Mailservers erledigt der Admin meist im Klartext der Konfigurationsdateien. Mit Web-GUIs für Postfix-SMTP- und Dovecot-IMAP-Server geht das jedoch auch komfortabler. Dieser Artikel beschreibt drei umfangreiche Tools zur Mailserververwaltung: Webmin, Postfixadmin und Vboxadm.

Grundsätzlich spricht nichts dagegen, den eigenen Mailserver auf Basis der Useraccounts in »/etc/passwd« aufzubauen, andererseits stößt diese Variante schnell an Grenzen: In Setups mit mehreren Domains oder vielen User-spezifischen Einstellungen wie Quotas und Weiterleitungen kommen zahlreiche verschiedene Informationen zusammen, die konsistent verwaltet sein wollen.

Spätestens dann, wenn der Admin den Usern auch die Möglichkeit geben will, Einstellungen selbst vorzunehmen, ist klar: Ein GUI muss her, das alles regelt. Das Linux-Magazin hat drei freien Projekten auf den Zahn gefühlt: dem Klassiker Webmin [1], dem bewährten Postfixadmin [2] und dem Newcomer Vboxadm [3].

Webmin

Webmin ist zwar in den letzten Jahren etwas in Vergessenheit geraten, aber dennoch der Klassiker unter den freien Tools zur Systemkonfiguration geblieben. Unzählige Rootserver-Admins haben damit ihre ersten Konfigurationen unternommen, Module für Mailserver sind seit Langem dabei, auch für Postfix und Dovecot. Webmins Installation ist dank der RPM- und Deb-Files schnell erledigt. Die Pakete erkennen selbst, auf welcher Plattform sie laufen sollen, und passen sich gut ein. Webmin arbeitet über einen eingebauten Webserver auf Port 10000, das macht Anpassungen an vorhandene Diensten nicht notwendig.

Nach wenigen Sekunden gelingt der Login mit Root-Kennung und -Passwort auf »http://host.example.org:10000« . Spätestens nach der ersten Anmeldung sollten Anwender in weniger vertrauensvollen Netzen den Login auf HTTPS umstellen, was inklusive eines eigenen Zertifikats in wenigen Schritten ebenfalls im GUI machbar ist. In Sachen Installation verdient das Webmin-Team damit auf jeden Fall das Prädikat "vorbildlich".

Auch der erste Blick auf das Webmin-Modul unter »Server | Postfix-Konfiguration« verspricht das Paradies auf Erden (Abbildung 1). Aber die Ernüchterung folgt schnell: Hinter den vielen bunten Rubriken verbergen sich unzählige, ziemlich unübersichtliche und vor allem auch unaufbereitete Postfix-Parameter. Eine eigene Logik zur Konfiguration? Fehlanzeige. Webmin ist hier nicht mehr als ein Art grafischer Texteditor, der für jeden möglichen Parameter kurzerhand ein HTML-Eingabefeld darstellt.

Abbildung 1: Auf den ersten Blick scheint es nichts zu geben, was Webmin nicht kann. Für Mailserver wie Sendmail, Postfix, Courier, Cyrus und Dovecot gibt es eigene Module.

Ob der Anwender nun direkt in »main.cf« schreibt oder das Ganze per Formular unter Webmin einträgt, macht am Ende keinen großen Unterschied. Die grafische Aufbereitung scheitert an der Flut der Parameter (Abbildung 2). Das liegt vor allem daran, dass das Webmin-Team einfach alles editierbar gemacht hat – offenbar ohne jegliches Gefühl für dessen Bedeutung. Was es bringen soll, die Versionsnummer von Postfix im GUI einstellen zu können, weiß wohl nur das Webmin-Team. Ein Versionsupgrade erreicht der Admin dadurch sicher nicht.

Abbildung 2: Doch der Klick in die Untermenüs offenbart bei Webmin das Chaos. Allzu gut gemeint ist die Absicht der Autoren, jedes noch so kleine Detail per Webfrontend konfigurierbar zu machen.

Virtuelle User – Fehlanzeige

Doch gerade die im Alltag des Mailserver-Admin wichtige Verwaltung virtueller Domains und Postfächer sowie der Routingtabellen bietet Webmin nicht. Es beschränkt sich auf die Annahme, dass die Benutzer allesamt als Systemuser in »/etc/passwd« eingetragen sind und ein Homeverzeichnis unter ihrer eigenen User-ID haben.

Eigene Datenbanken zur Verwaltung von Mailadressen, Passwörtern oder Quotas sind aus Sicht von Webmin wohl überflüssig – sie fehlen. Das Höchste der Gefühle in Sachen Weiterleitung ist ein kleines Frontend für Einträge in »/etc/aliases« , doch schon die mächtigen Möglichkeiten der »$virtual_alias_maps« von Postfix bleiben ungenutzt.

Im Dovecot-Modul von Webmin wird der Admin ebenso wenig fündig: Der Bereich »Userverwaltung« präsentiert ihm erneut ein ziemlich krudes GUI (Abbildung 3). Hier darf er beispielsweise die Pfade zu MySQL- oder LDAP-Konfigurationsdateien von Dovecot eintragen – doch schon den Inhalt dieser Dateien muss er wie gehabt von Hand pflegen. Nichts, was der geneigte Admin nicht besser gleich an der Textkonsole selbst erledigt hätte.

Abbildung 3: Auch das Dovecot-Modul von Webmin macht auf halber Strecke halt. Richtig konfigurieren lässt sich der IMAP-Server damit nicht, virtuelle User und Daemons kann Webmin nicht einstellen.

Eigene, aufeinander abgestimmte Datenbankschemata oder eine Userverwaltung mit Mail-typischen Funktionen fehlen. Bei einem über Jahre hinweg gereiften Veteranen überrascht das, hier hatten die Tester mehr erwartet.

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