Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2010
© goesel, Photocase.com

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Version 2.0 des IMAP-Servers Dovecot mit Speed und Features

Senkrechtstarter

Er wird wohl der Aufsteiger des Jahres unter den IMAP-Servern: Timo Sirainens Dovecot. Der Einstieg in die ausgereifte Version 2.0 ist simpel, nur manch fehlerhaftes Online-Howto bereitet dem Admin Probleme beim Manövrieren. Eine Anleitung.

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Die Luft wird dünn in den Höhen der professionellen Mailserver. Lange Zeit dominierten Courier- und Cyrus-Server die IMAP-Wolken. Doch jetzt schaltet ein Dritter, Dovecot, den Nachbrenner ein. Die Feature-Liste [1] der Version 2.0 (der aktuelle Release Candidate ist auf der DELUG-DVD) hält dem Vergleich mit der Konkurrenz stand [2]. Gleichzeitig punktet der Taubenschlag (auf Englisch Dovecot) durch eine saubere und stabile Implementierung, eine ungewohnte Flexibilität, mächtige Erweiterungs-Plugins und für den Admin wichtige Debug- und Analyse-Möglichkeiten.

Schneller mit Index

Die Speicherung von E-Mails im Standard-Maildir-Format erzeugt erfahrungsgemäß hohe I/O-Lasten. Dovecot [3] setzt dem clevere Index-Strategien entgegen. Anders als Cyrus benötigt der Newcomer keine Datenbank, die im Falle eines Defekts das ganze System lahmlegt. Dovecot nutzt lediglich einen Index zu Caching-Zwecken, der sich im Zweifel jederzeit löschen lässt und den der Server im Fehlerfall auch kurzerhand selbstheilend neu aufbaut. Raffiniert: Den Index eines jeden Postfachs passt Dovecot individuell an die spezifischen Abfragemerkmale des verwendeten Mailclients an.

Die von den Distributionen mitgebrachte »dovecot.conf« ist umfangreich und gut lesbar dokumentiert (Abbildung 1). Bei Änderungen sollte der Admin aber darauf achten, dass er die jeweiligen Parameter stets in die richtige Sektion einträgt. Alle in diesem Artikel gezeigten Parameter sind in »dovecot.conf« bereits enthalten. Wer die Beispiele nachvollziehen will, braucht sie in seinem Editor nur zu suchen und an Ort und Stelle anzupassen, bevor er dem Mailserver einen Reload aufzwingt. Für den Anfang mit Dovecot setzen die folgenden Parameter die vorgegebene Gesprächigkeit hoch und liefern ausführlichere Logfiles:

Abbildung 1: Die Datei »dovecot.conf« ist die zentrale Schaltstelle des Mailservers, in Sektionen gruppieren sich hier die Einstellungen. Etwas ungewohnt spielt die Reihenfolge der Parameter eine wichtige Rolle.

mail_debug = yes
auth_verbose = yes
auth_debug = yes
auth_debug_password = yes

Dovecot verlangt nur wenige Anpassungen der Standardwerte in der Dovecot-Konfiguration, das Ergebnis lässt sich im Logfile verifizieren (Abbildung 2).

Abbildung 2: Mit aktiviertem Debugging ist das Logfile von Dovecot recht gesprächig.

Quick aber dirty

Jeder IMAP-Server braucht seinen SMTP-MTA. Aber wenn es um die Anbindung von Dovecot an Postfix geht, beschreiben leider fast alle Howtos im Netz, selbst das Dovecot-Wiki, nur zwei von drei Möglichkeiten. Ausgerechnet die beiden Varianten, die eher unsauber sind und zahlreiche Folgeprobleme mit sich bringen, stehen hoch im Kurs.

Der ersten Variante nach soll der Admin die Maildomain bei Postfix in »$mydestination« eintragen, damit sich dieser lokal dafür zuständig fühlt; später hat er das »mailbox_command« so zu setzen, dass Postfix die aus seiner Sicht lokale Zustellung dem »deliver«-Programm von Dovecot überlässt.

Diesen Weg sollten Admins aber nur wählen, wenn alle Nutzer tatsächlich in »/etc/passwd« eingetragen sind und es sich um lokale Mails handelt. In diesen Fällen ist die Konfiguration denkbar einfach. Per Default verifiziert Dovecot die POP3- oder IMAP-Logins via PAM gegen »/etc/passwd« und »/etc/shadow«, sodass keine weiteren Arbeiten nötig sind.

Postfix könnte die Mails zwar auch ohne Weiteres selbst im Maildir-Format in den Homeverzeichnissen der Nutzer ablegen. Etwas vorteilhafter ist es jedoch, das dafür von Dovecot mitgebrachte »deliver« zu nutzen. Wer diesem die Speicherung der E-Mails überlässt, kann später auch Quotas, Sieve-Regeln oder das neue Mdbox-Format [4] nutzen.

Dessen Einrichtung gestaltet sich simpel, es reicht, in der Datei »main.cf« von Postfix den für die jeweilige Distribution passenden Deliver-Aufruf zu nennen:

mailbox_command=/usr/lib/dovecot/deliver

Doch wer mit virtuellen Accounts arbeitet, die nicht in »/etc/passwd« angelegt sind, sollte die Maildomain folgerichtig auch nicht in »$mydestination« hinterlegen - auch wenn sehr viele Anleitungen genau das vorschlagen.

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