Open Source im professionellen Einsatz
Linux-Magazin 09/2010
© Kurt Michel, Pixelio.de

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Künstliche Intelligenz programmieren mit dem Rennspiel Torcs

Auto-Fahrschule

Informatik statt Schumi: KI-Programmierer internationaler Universitäten schicken ihre Bots in Demolition Derbys und auf Langstreckenrennen. Der eigene Computerfahrer im Rennspiel Torcs braucht neben guten C++- oder Java-Kenntnissen nur noch eine Portion Siegeswillen.

 

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The Open Racing Car Simulator, kurz Torcs, gehört zu den beliebtesten freien Autorennspielen unter Linux. Einen Großteil dieses Erfolges verdankt es neben der 3-D-Engine vor allem seinem modularen Aufbau, mit dessen Hilfe sich fast alle Einstellungen mit etwas Kreativität und einem Texteditor verändern lassen.

Modifizierbar

So liegen die Texturen der Rennwagen in einer einfachen Bilddatei, mitgelieferte Schablonen erlauben eigene Embleme auf Türen und Motorhaube. Ähnlich einfach modifiziert der Benutzer die Rennmodi, entwirft Strecken im Trackeditor, baut neue Fahrzeuge und bestimmt deren physikalische Eigenschaften.

Engagierte Fans haben mehr als 50 Rennwagen und über 20 abwechslungsreiche Rennstrecken beigesteuert [1], neben Nascar-Ovalen und bekannten Formel-1-Kursen auch anspruchsvolle Phantasiestrecken im winterlichen Gebirge oder in dem staubigen Outback Australiens (Abbildung 1).

Abbildung 1: Die Rennsportsimulation Torcs bringt viele frei konfigurierbare Strecken, Autos und Computergegner mit. Von links nach rechts: ein Ferrari im Australien, ein winterlicher Zweikampf, ein Porsche auf einer Bergrennstrecke. Alle Elemente lassen sich mit OSS-Tools editieren, so auch die 3-D-Trackside-Objects. Abbildung 1: Die Rennsportsimulation Torcs bringt viele frei konfigurierbare Strecken, Autos und Computergegner mit. Von links nach rechts: ein Ferrari im Australien, ein winterlicher Zweikampf, ein Porsche auf einer Bergrennstrecke. Alle Elemente lassen sich mit OSS-Tools editieren, so auch die 3-D-Trackside-Objects. Abbildung 1: Die Rennsportsimulation Torcs bringt viele frei konfigurierbare Strecken, Autos und Computergegner mit. Von links nach rechts: ein Ferrari im Australien, ein winterlicher Zweikampf, ein Porsche auf einer Bergrennstrecke. Alle Elemente lassen sich mit OSS-Tools editieren, so auch die 3-D-Trackside-Objects.

Herausragend sind bei Torcs jedoch die intelligenten Computergegner (Robots). Torcs-typisch lassen sie sich nicht nur austauschen, sondern mit etwas C oder C++-Kenntnissen auch selbst erschaffen. Das macht das Autorennspiel zu einem Übungsgelände für künstliche Intelligenz, das auch Forscher an Universitäten nutzen.

KI-Wettbewerbe

Die Programmierer der besten Robots messen sich regelmäßig in internationalen Meisterschaften. Das Torcs Racing Board [2] richtet zum Beispiel seit 2005 jährlich die Torcs Endurance World Championship aus. In vorgegebenen Autos müssen hier die Robots mehrere Langstreckenrennen auf bestimmten Strecken bestreiten. Die Polytechnische Universität Mailand veranstaltet seit 2008 zusammen mit der Universität Würzburg die Simulated Car Racing Championship.

Die an Formel-1-Regeln angelehnten Rennen finden gleich mehrfach pro Jahr auf verschiedenen Konferenzen statt, 2010 beispielsweise auf der Genetic and Evolutionary Computation Conference (GECCO, [3]) in Portland, dem IEEE World Congress on Computational Intelligence (WCCI) in Spanien und im August auf dem IEEE Symposium on Computational Intelligence (CIG, [4]) am 22. August in Kopenhagen.

Die Universität Würzburg hat sogar ein eigenes Demolition Derby eingeführt. Da gilt es nicht, die schnellsten Rundenzeiten zu fahren, sondern die Gegner absichtlich zu rammen - und dabei selbst möglichst wenig Schaden zu nehmen.

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