Mit diesem Artikel beginnt das Linux- Magazin eine kleine Reihe zu C++-IDEs für die Anwendungsentwicklung mit dem Qt-Toolkit. Den Anfang macht der Qt Creator aus dem Hause Nokia, in späteren Ausgaben folgen die Entwicklungsumgebung Kdevelop und eine passend aufgerüstete Eclipse-Installation.
Qt Creator konkurriert laut Whitepaper des Herstellers [1] jedoch nicht mit anderen Entwicklungsumgebungen wie etwa Eclipse, sondern soll die bereits erhältlichen Qt-Entwicklungswerkzeuge sinnvoll ergänzen. Wer auf der Homepage von Nokias Qt-Sparte zum kompletten SDK greift, bekommt deshalb den Qt Creator gleich mitgeliefert.
Die IDE gibt es aber auch einzeln als fertige Binärdatei oder wahlweise im Quellcode (siehe Kasten "Installation"). Qt Creator steht wie das gesamte übrige Framework unter der LGPL. Darüber hinaus ist das Werkzeug selbst in Qt geschrieben, es dient somit gleichzeitig als Demo-Anwendung für das Toolkit.
Aufgeräumt
Nach dem Start präsentiert Qt Creator die gut aufgeräumte Oberfläche aus Abbildung 1. Im Gegensatz zu anderen Entwicklungsumgebungen, die mit Fenstern und überfrachteten Symbolleisten nur so um sich werfen, verteilt Qt Creator alle Funktionen auf mehrere Register.
Abbildung 1: Der Begrüßungsbildschirm von Qt Creator. Die großen Buttons am linken Bildschirmrand schalten schnell zwischen den jeweiligen Modi wie »Editieren« oder »Debuggen« um.
In jedem dieser so genannten Modes finden sich nur genau jene Informationen und Funktionen, die für die entsprechende Entwicklungsstufe notwendig sind. So kümmert sich beispielsweise das Register »Editieren« ausschließlich um die Eingabe des Quellcode, während man unter »Debuggen« das erstellte Programm auf Herz und Nieren prüft. Dank dieser ungewöhnlichen und ziemlich radikalen Aufteilung kann sich der Entwickler voll und ganz auf seine eigentlichen Aufgaben konzentrieren, was wohl jeder nach kurzer Eingewöhnung schnell zu schätzen weiß.
Durch den so gewonnenen Platz kommt die Benutzeroberfläche sogar mit den kleinen Bildschirmen von Net- oder Subnotebooks zurecht. Dort sieht der Anwender bei der Konkurrenz oft den Code vor lauter Fenstern und Menüs nicht. Besonders wichtige Informationen wie die Ausgaben des Compilers oder der fertigen Anwendung lassen sich in allen Modes schnell über die Knöpfe am unteren Bildschirmrand hervorholen beziehungsweise wieder verstecken.
Dort unten wartet auch ein äußerst intelligentes Eingabefeld, der so genannte Locator. Er findet nicht nur die zum eingetippten Suchbegriff passenden Dateien, sondern wühlt bei Bedarf auch in ihren Inhalten. Für Letzteres muss der Programmierer allerdings zu einer leicht erlernbaren Kommandosprache greifen: Sucht er beispielsweise in seinem Projekt die Klasse »TextEditor«, reicht dem Locator ein »c« gefolgt von einem Leerzeichen und dem Klassennamen.
Der Locator spuckt schon während der Eingabe alle in Frage kommenden Fundstellen in einer Liste aus (Abbildung 2). Analog sucht das Tool nach Methoden (Kürzel »m«) oder in der Hilfe (»?«). Sind die Kürzel einmal im Kopf, erweist sich der Locator gerade bei größeren Projekten als äußerst nützliche Navigationshilfe.
Abbildung 2: Der Locator, als Eingabefeld unten rechts zu erkennen, spuckt alle Fundstellen schon während der Eingabe des Suchworts aus. Hier fahndet er nach einer Klasse, die »textf« im Namen trägt.
Freundlicher Empfang
Direkt nach seinem Start aktiviert der Qt Creator den »Willkommen«-Modus aus Abbildung 1. Über ihn können Einsteiger die Beispiele aus der Qt-Dokumentation öffnen, verschiedene Kurzanleitungen einsehen, die letzten "Neuigkeiten aus den Qt Labs" erfahren und die wichtigsten Internetseiten zum Thema Qt-Programmierung aufrufen.
Ältere Hasen öffnen ein bestehendes Projekt oder starten den Project Wizard. Dieser Assistent fragt in wenigen Schritten alle Eckdaten der zu erstellenden Anwendung ab und generiert anhand der Antworten einen Satz passender Projekt- und Quellcode-Dateien. Leider bleibt der User fast ausschließlich auf Qt-basierte Ziele festgenagelt, etwa ein Qt-Konsolenprogramm oder eine Qt-GUI-Anwendung. Ein »Makefile basiertes Projekt« lässt sich lediglich importieren.