Ghostery wird Open Source

Die Anti-Tracking-Erweiterung Ghostery soll künftig als Open-Source-Software zur Verfügung stehen. Offenbar will der Besitzer Cliqz, ein Unternehmen das mehrheitlich zum Burda-Verlag gehört, damit das Vertrauen der Nutzer gewinnen.

Wenn ein großer Verlag wie Burda eine Anti-Tracking-Software unterstützt, klingt das ein wenig wie ein Widerspruch. Das wissen vermutlich auch die Entwickler bei Cliqz, einer 100-prozentigen Tochter von Burda und versuchen, eine möglichst umfassende Transparenz für die von ihnen gekaufte Browsererweiterung Ghostery zu schaffen. Daher haben sie Ghostery als Open-Source-Software veröffentlicht. Die User können neuerdings auf Github herausfinden, welche Daten Ghostery über sie und generell sammelt und auswertet.

Laut einem Bericht der Zeit vom Februar 2017 versucht Burda mit dem eigenen auf Firefox basierenden Browser Cliqz und dem Kauf des beliebten Add-ons Ghostery nicht nur die eigene Nutzerbasis auszubauen. Ob es Ghostery aber gelingt, die Interessen seiner User über die seiner Besitzer zu stellen, kann nun jeder dank des offenen Quellcodes jeder für sich selbst beurteilen.

Daten (noch) in den USA

In dem ein Jahr alten Zeit-Artikel ist auch von Plänen zu lesen, laut denen die Marke Ghostery “künftig dem deutschem Datenschutzrecht unterliegt – statt wie bisher US-Recht.”Cliqz-Sprecher Thomas Konrad gab damals zu Protokoll: “Die Daten von Cliqz und Ghostery sind so rechtlich vom direkten Zugriff durch US-Behörden abgeschirmt”

Offenbar sind diese Pläne eher längerfristig angelegt, die aktuelle Privacy Policy feiert heute ihren ersten Geburtstag. Dort steht im Absatz “X. Data Processing Abroad”, dass die Firma zwar in Deutschland angesiedelt sei, aber teilweise auch aus den USA operiere. Die gesammelten Daten (personell und andere) würden in den USA landen. Wer die Erweiterung also in der EU nutze, müsse unter Umständen mit den Datenschutzstandards der USA Vorlieb nehmen. Ein starkes Privacy-Framework würde aber “einen adäquaten Level an Schutz” für die persönlichen Daten bieten.

Update [8.3.18]: Anders als im Artikel beschrieben, hält Burda seit 2016 nur noch einen Anteil von 90 Prozent an Cliqz. Mozilla hält nach eigenen Angaben eine Minderheitsbeteiligung von 10 Prozent.

E-Mail Benachrichtigung
Benachrichtige mich zu:
0 Kommentare
Älteste
Neuste Beste Bewertung
Nach oben