Open Source im professionellen Einsatz

GIS-Studie: Openstreetmap bietet mehr Informationen als kommerzielle Kartenangebote - ausser beim Routing

03.01.2012

Eine Studie des geografischen Instituts der Universität Heidelberg untersucht die Entwicklung der Openstreetmap-Daten und kommt zu dem Schluss, dass die freien Datenquellen fast ein Drittel mehr Informationen zu bieten haben als etwa die des proprietären Anbieters TomTom.

242

Das freie Kartenprojekt Openstreetmap (OSM) hatte im Juni 2011 27 Prozent mehr Details vorzuweisen als das System des proprietären Anbieters TomTom. Doch gerade bei den für die KFZ-Navigation wichtigen Daten liege TomTom um etwa 9 Prozent vorne, so lautet das Fazit einer als Open-Access verfügbaren Studie der Universität Heidelberg.

Deutlich mehr Daten: Openstreetmap liegt vor TomTom.

Mit "einer breiten Anzahl von Analysen" zeigen die Autoren, wie sich die freien Daten über die letzten Jahre entwickelt haben und stellen mit verschiedenen Projektionen Thesen auf, wann damit zu rechnen ist, dass Openstreetmap als fertig ("complete") anzusehen sei.

Das Problem Turn Restrictions

In zahlreichen Abbildungen und grafischen Darstellungen kommen die Autoren beispielsweise zu dem Schluss, dass OSM zwar in Sachen Topologie-Informationen die Nase vorn hat, beispielsweise im Südosten Deutschlands, doch hinken - gerade im ländlichen Bereich - die fürs Routing wichtigen Abbiegevorschriften (turn restrictions) dem des proprietären Dienstes deutlich hinterher. Während sich bei TomTom über 170.000 dieser Turn Restrictions fänden, seien im Juni 2011 bei OSM gerade mal 21.000 vorhanden gewesen. Die Lücken bestünden vor allem auf dem weniger dicht besiedelten Land, so die Autoren.

Dementsprechend kommen die Autoren zu dem Fazit, das OSM sieben Jahre nach seiner Gründung zwar in Sachen Detailreichtum die Nase weit vorne habe, beim Routen von Fahrzeugen jedoch wohl noch etwa "fünf Jahre brauchen wird, um zu der Datenbasis des getesten proprietären Anbieters aufzuschließen."

Ähnliche Artikel

  • Mapquest Open: AOL entdeckt Openstreetmap

    Randy Meech, Entwicklungsleiter beim AOL-Kartenservice "Local & Mapping", hat angekündigt, die Verbesserung der US-amerikanischen Kartendaten in Openstreetmap mit einem Investment von eine Million US-Dollar zu unterstützen. Zudem testet Mapquest auf Openstreetmap-basierende Dienste.

  • FossGIS Konferenz 2010 ganz im Zeichen von Openstreetmap

    Der Fossgis-Verein hat die Agenda für seine diesjährige Konferenz veröffentlicht. Dabei nimmt die freie GIS-Programmierung rund um Openstreetmap und verwandte Projekte einen wichtigen Platz ein.

  • Freies Routing für Rollstuhlfahrer

    Erstmals dienen jetzt die freien Geodaten des Openstreetmap-Projektes auch für einen Routingservice, der speziell auf die Bedürfnisse von Rollstuhlfahrern zugeschnitten ist.

  • Studie: Freiwillige legen oft viele Kilometer für Openstreetmap zurück

    Gar nicht so lokal wie gedacht scheinen die Openstreetmap-User ihre freie Weltkarte zusammenzutragen. Eine neue Studie der Uni Heidelberg belegt, dass manch ein Freizeit-Geodät gar 1000 Kilometer und mehr von seinem Wohnort entfernt arbeitet, um Daten für OSM bereitzustellen.

  • Studie: Linux kostengünstig und umweltfreundlich

    Eine vom britischen Office of Government Commerce (OCG) angefertigte Studie kommt zu dem Ergebnis, dass Linux reif für den Servereinsatz ist, gegenüber der proprietären Konkurrenz Kosten spart und umweltfreundlicher sein kann als Windows.

comments powered by Disqus

Ausgabe 06/2017

Digitale Ausgabe: Preis € 6,40
(inkl. 19% MwSt.)

Artikelserien und interessante Workshops aus dem Magazin können Sie hier als Bundle erwerben.