Der Turris Omnia ist ein potenter WLAN-Router für den Heimeinsatz. Er wartet mit viel ARM-Power und zahlreichen Features auf, die klassischer Heimanwender-Hardware meist fehlen. Seine wichtigsten Funktionen stellt das Linux-Magazin in diesem Beitrag vor.
Wer, wie der Autor dieses Artikels, seine Internet-Sozialisierung vor mehr als 20 Jahren begonnen hat, kann sich vielleicht noch an die damaligen AGBs verschiedener Internetanbieter erinnern. Nicht selten fand sich darin ein Passus, der es explizit verbot, den Internetzugang per NAT mehr als einem Endgerät zur selben Zeit zur Verfügung zu stellen.
Das war zwar technisch kaum zu kontrollieren und es blieb meist folgenlos, wenn man gegen diese Regel verstieß. Doch macht diese Anekdote auch deutlich, wie sich die Zeiten geändert haben. Wo früher ein einzelner Computer pro Haushalt existierte, der an das Netz der Netze angeschlossen sein wollte, tummeln sich heute etliche Geräte, die eine Onlineverbindung brauchen. In beinahe jedem Haushalt mit Anschluss an das Internet findet sich deshalb heute ein Router, der NAT-Funktionalität bietet.
Wer in der IT beruflich unterwegs ist und normalerweise Geräte von Cisco oder Juniper unter den Fingern hat, der kann mit Fritzbox & Co. nur bedingt etwas anfangen. Diese typischen Plaste-Router bekommt man bei den Anbietern ja mit dazu, oft als Leihgerät.
Die gute Nachricht ist, dass es seitens der Provider mittlerweile keine Handhabe mehr gibt, ihre Kunden zu zwingen eben jene Router zu verwenden. Wahlweise versetzt man das Gerät des Anbieters in den Bridge-Modus (falls vorhanden) oder installiert direkt am Anschluss ein eigenes Modem für DSL oder Kabel – schon ist ein beliebiger Router einsetzbar.
Vielfalt und Einfalt
Ein passendes Gerät findet sich allerdings nicht so leicht. Linux-Profis wünschen sich Hardware, die sich per Kommandozeile bedienen lässt und auch andere Aufgaben im Heimnetz wahrnehmen kann. Open WRT dabei oft eine wichtige Rolle. Es ersetzt die proprietäre Software vieler Router und macht sie eher normalen Linux-Servern. Meist leidet darunter aber die Performance, denn Open WRT darf aus rechtlichen Gründen diverse Treiber nicht verteilen, die zur Firmware der Hersteller gehören. Es ist auf diesen Geräten dann deutlich langsamer als nötig.
Wie gemacht für Bastlerträume ist dagegen der Turris Omnia (Abbildung 1 und 2), wobei Omnia der Name des tschechischen Herstellers ist und Turris die Modellbezeichnung [1]. Der Turris geht auf eine Crowd-Funding-Initiative zurück und trat an, um Profi-Funktionalität für Heimanwender zu bieten. Die beiden Bausteine: Potente Hardware einerseits sowie andererseits eine eigens entwickelte Firmware auf Basis von Open WRT. Dieser Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Funktionen des Turris Omnia und verrät, wie Anwender das Gerät als Schaltzentrale im eigenen Heim-Netzwerk verwenden können.

Abbildung 1: Der Turris Omnia verspricht Open-Source-Hardware und ist ein sehr potenter Router für den Heimbereich. Quelle: Turris
Das Gerät kaufen
Gewöhnlich gibt das Linux-Magazin keine Hinweise darauf, wo ein Gerät, das im Heft Erwähnung findet, zu bekommen ist. Der Turris Omnia macht von dieser Regel aber aus gutem Grund eine Ausnahme. Denn er ist im stationären Einzelhandel nicht erhältlich und selbst Amazon listet nur einen einzigen Verkäufer – dabei handelt es sich aber nicht um Omnia selbst. Die aktuellen Amazon-Bewertungen des besagten Händlers bieten auch nur bedingt Grund zu großer Euphorie.
Wer das Gerät in Deutschland kaufen möchte, tut das am besten bei Reichelt [2]: Dort gibt es die 2-GByte-Variante mit deutscher Rechnung und deutscher Mehrwertsteuer für knapp 300 Euro zuzüglich Versand. Das ist nicht nur günstiger als beim Händler auf Amazon, sondern bietet obendrein den Vorteil eines deutschen Verkäufers nach deutschem Recht, was bei der möglichen Abwicklung von Garantie- oder Gewährleistungsansprüchen nützlich ist.
Ihre Ursache hat diese Verkaufstaktik übrigens im Crowd-Funding-Ursprung des Turris Omnia. Ganz zu Anfang war das Gerät nämlich nur direkt über den Hersteller aus Tschechien zu beziehen, peu a peu kam aber ein Reseller-Netzwerk hinzu, sodass heute ein deutscher Verkäufer verfügbar ist.
Netzwerkverbindung
Bevor es mit dem Turris Omnia losgehen kann, steht noch ein weiteres Thema auf dem Programm, nämlich der Internet-Uplink. Hier spielt die Kooperationsbereitschaft des eigenen Internetanbieters eine große Rolle, denn der Turris Omnia verfügt über keine eingebauten Modems, weder für DSL-, noch für Kabelanschlüsse. Je nach Uplink-Art braucht der Anwender also komplementär ein DSL-Modem oder ein Kabelmodem.
Die bequemste Art, das zu realisieren, ist sicherlich das vom Provider mit dem Vertrag verkaufte oder vermietete Modem, wenn es einen Bridge-Mode hat. Passende Modems lassen sich etwa bei Vodafone (ehemals Kabel Deutschland) per Web-GUI in den Bridge-Modus schalten. Einen Turris Omnia würde man dann über seinen WAN-Port und ein Netzwerkkabel mit Port 1 des Modems verbinden und anschließend die Uplink-Art auf »DHCP« setzen – fertig.
Ähnlich verhält es sich mit DSL-Modems, wenn sie denn einen Bridge-Modus haben. Wer allerdings zum Beispiel auf die sehr beliebten Fritzboxen von AVM setzt, guckt in die Röhre: Die AVM-Geräte unterstützen den Bridge-Modus seit einiger Zeit nämlich grundsätzlich nicht mehr. Hat einen der Provider mit einem solchen Gerät bestraft, hilft nur der Betrieb eines eigenen Modems.
Der Autor dieses Artikels hat dafür zwei Varianten geprüft: Als DSL-Modem eignet sich beispielsweise für Telekom-Anschlüsse das Draytek Vigor 130 [3]. Für einen Kabelanschluss empfiehlt sich dagegen das Technicolor TC4400-EU [4], das obendrein auch noch den aktuellen Standard Docsis 3.1 unterstützt. Im Momentist das Gerät in Deutschland allerdings wegen Lieferschwierigkeiten nicht zu bekommen. Hier hilft leider nur, sich in Geduld zu üben zu warten, bis sich die Liefersituation entspannt. Die gute Nachricht ist, dass praktisch alle bekannten Kabelanbieter sogar Downgrades anbieten, um etwa von einer schicken Fritzbox auf ein simples Kabelmodem umzusatteln – und diese Modems beherrschen dann in aller Regel auch den begehrten Bridge-Modus.
Die Internetverbindung
Die Primärfunktion des Turris Omnia ist das Routing oder – im Endanwender-Kontext – eigentlich NAT für alle Systeme des lokalen Netzwerks bereitzustellen. Ist ein Modem oder ein Router im Bridge-Modus in Stellung gebracht, genügt es, auf dem Turris Omnia eine DHCP- oder PPPoE-Konfiguration für das WAN-Interface zu hinterlegen, wobei der Setup-Assistent des Geräts behilflich ist.
Zur Erinnerung: Die ab Werk ausgelieferte Firmware basiert auf Open WRT und hat neben dessen GUI Luci auch ein eigens für den Omnia entwickeltes GUI an Bord. Wer sowohl DSL als auch Kabel hat, kann sogar eine Load-Balancer-Konfiguration einrichten; ein Artikel im Linux-Magazin hat das erläutert [5].
Gerade weil das Herstellen einer Internetverbindung die primäre Aufgabe des Omnia ist, geht dieser Artikel auf das Thema aber nicht im Detail ein – es sollen schließlich die zusätzlichen Funktionen des Geräts im Vordergrund stehen. Der Fokus liegt zunächst auf solchen Funktionen, die sich mit der Firmware ab Werk realisieren lassen.
Anders als ein Standard-Plastik-Router hat der Turris Omnia einigen Dampf unter der Haube. Konkret steht ein Doppelkern-ARMv7-Prozessor zur Verfügung, wobei jeder Kern mit stattlichen 1,6 GHz zu Werke geht (Abbildung 3). Ihm stehen 2 GByte Arbeitsspeicher sowie 8 GByte Flashspeicher zur Seite. Herkömmliche Geräte kommen da nicht mit.

Abbildung 3: 2 GByte RAM stehen zwei 1,6-GHz-CPUs zur Seite – das ist eine Hardwarekonfiguration, die sich bei Soho-Routern nur selten findet.
Aber dieser Unterschied ist in der Praxis sehr wichtig: Zusätzliche Dienste lassen sich auf typischen Endanwender-Geräten nur langsam und mühsam betreiben. Der Omnia von Turris hat im Gegensatz dazu keine Probleme mit der Installation zusätzlicher Software.
Der Omnia als Printserver
Ein erstes, ganz praktisches Beispiel für den Mehrwert des Omnia zeigt sich beim Drucken. Klar: Drucker im Unternehmensumfeld kommen heute in aller Regel mit einer eigenen Netzwerkschnittstelle daher und sprechen selbst TCP/IP. Tintenstrahldrucker aus dem Endanwender-Bereich bieten entsprechende Funktionalität hingegen nicht immer, gerade dann nicht, wenn das Gerät schon etwas älter ist. Der Turris Omnia hat aber sowohl USB-Schnittstellen als auch die Möglichkeit, den Printserver-Dienst »p910nd« zu betreiben – genau der macht den Drucker per Internet Printing Protocol (IPP) erreichbar.
Konkret funktioniert das so: Zunächst verbindet der Admin den Drucker per USB mit dem Turris Omnia. Hilfreich ist es zu diesem Zeitpunkt, wenn SSH auf dem Router aktiviert ist, um die Vorgänge dort zu untersuchen – ab Werk ist SSH aber eingeschaltet, der Benutzername ist wie auch das Passwort identisch mit den Credentials, die auch das Luci-Webinterface nutzt.
In einem Webbrowser öffnet der Admin danach zunächst die IP-Adresse des Omnia und klickt auf »Foris«, um das Omnia-spezifische Webinterface zu erreichen (Abbildung 4). Nach der Eingabe des Passworts landet der Admin in der Standard-Ansicht, von wo aus er per Klick das »Updater«-Tab erreicht. Hier wählt er den Eintrag »Printserver« per Haken in der Checkbox aus und klickt danach auf »Save Changes«. Anschließend wechselt er zur Open-WRT-Oberfläche Luci und aktiviert unter »Services« den Eintrag »p910nd« – der muss ausgewählt sein und auch laufen.

Abbildung 4: Neben dem Open-WRT-GUI Luci stellen die Turris-Entwickler bei Turris OS auch Foris zur Verfügung, das übersichtlicher und leichter arbeitet.
Über den Link »Services | p910nd-Printserver« erreicht man anschließend die Konfigurationsseite des Druckerservers. Hier sollte »enable« angekreuzt sein; als Standardwert für den Druckeranschluss empfiehlt es sich, »lp0« zu nutzen – es sei denn, mehrere Drucker kommen zum Einsatz. Dann ist das Setup aber ohnehin komplizierter, als dass es hier kurz und bündig zu erklären wäre.
»Interface« bleibt auf »unspecified« und der Port auf »9100«. »Bidirectional communication« sollte der User auf Verdacht aktivieren und nur dann ausschalten, wenn der Drucker nicht richtig funktioniert. Am Ende des Vorgangs reicht ein Klick auf »Save & Apply«, um die Änderungen in Gang zu setzten.
Per IPP-Protokoll ist der Drucker nun bereits erreichbar. Nutzt ein anderes System Cups, lässt sich das Gerät über die URL »socket://IP:9100« dort einrichten, wobei »IP« durch die IP-Adresse des Routers zu ersetzen ist. Für andere Systeme wie Windows finden sich im Netz Anleitungen, die das Hinzufügen des Druckers zum System erläutern.
Pi Hole macht Werbung den Garaus
Über Sinn und Unsinn von Onlinewerbung lässt sich bekanntlich gut streiten. Für die einen ist sie ein Moloch, der zum Teil versteckten Code enthält und auf dem eigenen System unter keinen Umständen laufen darf. Andere sehen in ihr den einzigen Ansatz zur Finanzierung mancher Geschäftsmodelle.
Wie man es auch dreht und wendet: Wer Werbung herausfiltern will, findet dafür auf dem Turris Omnia den idealen Anknüpfungspunkt. Denn der Traffic ins eigene Heimnetz kommt gesammelt hier vorbei, wer hier Werbung also effektiv filtert, tut das gleich für alle Clients im Netz. Und die Software, mit der sich eben das realisieren lässt, existiert auch schon: Pi Hole [6]. Das ist zwar für Raspberry-Pi-Systeme gemacht, lässt sich aber auf einem Turris Omnia auch ganz hervorragend nutzen.
Wer diesen Weg gehen möchte, sollte seinem Omnia allerdings eine (kleine) Festplatte nach M-SATA-Standard gönnen. Denn am besten lässt sich Pi Hole auf einem Omnia in einem LXC-Container betreiben, der jedoch verursacht einiges an Last auf dem lokalen Storage. Und für regelmäßige Schreibvorgänge ist der im Omnia verbaute Flash nicht gedacht. Deshalb empfiehlt es sich, eine M-SATA-Festplatte zu verbauen und die LXC-Container anschließend auf dieser zu lagern. Wie sich LXC im Turris auf M-SATA-Geräten betreiben lässt, verrät eine eigene Turris-Anleitung [7].
Damit sich das folgende Beispiel durchführen lässt, ist es notwendig, den in der Anleitung beschriebenen Ablauf nachzuvollziehen. Obendrein sollte in dem Omnia-eigenen GUI Foris bei »Updater« ein Haken bei »LXC utilities« (Abbildungen 5 und 6) gesetzt sein – denn sonst fehlen die für die Nutzung von LXC-Containern unter allen Umständen benötigten Userland-Werkzeuge. Die Turris-Anleitung enthält im Übrigen auch ein Video, das erläutert, wie M-SATA-Laufwerke sich im Omnia einbauen lassen – falls sich das einmal nicht auf den ersten Blick erschließt.
Weiter geht es dann im Grunde nach Schema F: »lxc-create -t download -n pi-hole« legt einen neuen Container an, in »/etc/config/lxc-auto« gibt der Admin danach ein, dass der »pi-hole«-Container beim Boot des Omnia automatisch zu starten ist. Im gestarteten Container selbst installiert der Admin noch »curl«, »vim« sowie »ca-certificates« und dann die eigentliche Pi-Hole-Software.
Eine ausführliche Anleitung erklärt die Schritte im Detail [8]. Am Ende des Vorgangs ersetzt der Admin den zur Standardsoftware gehörenden DNS-Dienst durch Pi Hole, das sich künftig um das Herausfiltern von Werbung über DNS-Blacklisten kümmert.
Aus Admin-Sicht erfreuen hier zwei Faktoren: Einerseits hat er sich nicht um einen RPi zu kümmern, der ein zusätzliches Gerät mit zusätzlichem Wartungsaufwand wäre. Und andererseits entfallen auch die Anschaffungskosten für einen Raspberry Pi mit Gehäuse, USB-Speicher und zusätzlicher Hardware. Zieht man also die 30 Euro ab, die für die M_SATA-SSD fällig werden, amortisiert sich ein Teil des Anschaffungspreises des Turris Omnia trotzdem.
Smart-Home-Schaltzentrale
Wer sich einmal mit der Art und Weise vertraut gemacht hat, per LXC Dienste auf den Omnia zu bringen, profitiert davon auch beim nächsten Beispiel. Denn gerade weil der Turris Omnia gut Dampf unter der Haube hat, lässt er sich als Schaltzentrale für die eigene Smart-Home-Umgebung verwenden. Wer das eigene Zuhause etwa mittels Home-Assistant automatisiert, kann dies in Form eines LXC-Containers ebenfalls auf dem Turris Omnia ausrollen.
Dasselbe gilt sogar für Open HAB, die wohl bekannteste Smart-Home-Lösung. Kommt sie zum Einsatz, ist es je nach Situation aber nicht unmöglich, dass sogar dem Omnia die Puste ausgeht. Denn Open HAB braucht Java, das bekanntlich nicht unbedingt schonend mit den Ressourcen umgeht.
Neben den vorgestellten Beispielen für Pi Hole und Home-Assistant bietet LXC auch eine Möglichkeit, praktisch jede andere beliebige Software auf dem Omnia zu betreiben. Wer etwa mit »p910« wie zuvor beschrieben nicht glücklich wird, kann ein Ubuntu mit Cups als LXC-Container installieren, das sich dann nach Belieben verändern lässt. De facto bietet die LXC-Anbindung des Turris Omnia die Möglichkeit, die Vorteile verschiedener Linux-Distributionen mit der Kernfunktionalität von Open WRT zu kombinieren – was sich im Alltag immer wieder als sehr praktisch entpuppt.
Open WRT statt Turris Omnia
Der Omnia kommt ab Werk mit einem Open-WRT-Abklatsch als Firmware daher, der an die Omnia-Hardware bestmöglich angepasst ist. Warum sie stattdessen nicht gleich einen offiziellen Open-WRT-Port für den Omnia gebaut haben, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis der Entwickler; Gerüchten zufolge arbeitet man daran, den eigenen Fork in Open WRT einfließen zu lassen. Die Open-WRT-Community wollte so lange aber offensichtlich nicht warten und geht den Turris-Leuten entgegen: Einen offiziellen Open-WRT-Build für den Turris Omnia gibt es nämlich auch, sogar für die aktuelle Open-WRT-Version.
Das Image [9] kommt im Gegensatz zur Turris-Variante jedoch mit zwei je nach Einsatzszenario eher unschönen Einschränkungen, eine betrifft die erreichbare Netzwerk-Performance. Wer die Hintergründe verstehen will, sollte sich kurz veranschaulichen, wie der Omnia intern verkabelt ist. Denn der im Gerät verbaute Qualcomm-Netzwerkchip kommt mit drei nativen Ports daher, doch der Turris Omnia hat insgesamt sechs oder sieben Netzwerkports – je nach Art der Zählung.
Des Rätsels Lösung liegt in der Aufteilung eben jener Ports auf die physischen Anschlüsse des Netzwerk-Chipsatzes. Denn die Ports, die am Gerät die Anschlüsse 0 bis 4 sind, sind mit »eth0« sowie »eth1« des SoC verbunden. »eth2« des SoC ist mit dem WAN- oder dem SFP-Port verbunden. Genau hier schießt Open WRT dem Nutzer in den Fuß: Ein Netzwerkchipsatz des Routers – »eth1« – lässt sich in Open WRT nicht nutzen.
Alle LAN-Ports des Geräts sind also über »eth0« mit dem SoC verbunden, sodass die Geschwindigkeit beim Austausch von Daten zwischen Switch und SoC verglichen mit der originalen, von Turris bereitgestellten Firmware halbiert ist. Wer den Omnia nur als Router nutzt, hat hier kein Problem, solange der heimisch Uplink die Grenze von 1 GBit/s nicht überschreitet. Wer den Switch des Omnia aber verwendet, um verschiedene Geräte miteinander zu verbinden, hat im schlimmsten Falle ein Performance-Problem.
LEDs tun noch nichts
Das zweite Open-WRT-Problem ist, dass die LEDs des Omnia sich mit Open WRT noch nicht steuern lassen. Das entsprechende Patch aus Omnia haben die Entwickler mittlerweile aber isoliert und in Richtung Open-WRT-Upstream geschickt. Sobald es dort integriert ist, sollte auch zwischen Omnia und Open WRT kein Unterschied im Hinblick auf die LEDs mehr zu bemerken sein.
Wer über die beschriebenen Mängel hinwegsehen kann, installiert – wie auf [10] beschrieben – Open WRT auf dem Turris Omnia und bekommt ein echtes Open WRT mit deutlich mehr Leistung, als es bei den meisten Heim-Routern in der Regel der Fall ist.
Etwas ganz anderes: Debian
Zuletzt soll der Hinweis nicht fehlen, dass sich ein Turris Omnia auch ganz ohne Open WRT oder Open-WRT-Fork betreiben lässt. Weil es sich um einen ARMv7 handelt, besteht auch die Möglichkeit, Debian GNU/Linux auf dem Gerät laufen zu lassen.
Das klingt zunächst zwar seltsam, denn auf diesem Wege fallen alle Vorteil weg, die Open WRT mit sich bringt, etwa die Spezialisierung auf Router. Im Gegenzug erhält man aber ein potentes Gerät auf Linux-Basis, das diverse Aufgaben problemlos erledigt und obendrein einen eingebauten Switch hat. Und auf Features verzichten muss man in diesem Setup letztlich nicht: Mit den verschiedenen Programmen, die auch zu Open WRT gehören, lässt sich Funktionalität wie die des Wifi-Accesspoint problemlos implementieren.
Ganz leicht und schnell ist so ein Setup jedoch nicht implementiert, eine Debian-Installation auf dem Turris Omnia ist eine echte Herausforderung. Der naheliegende Ansatz, Debian per USB-Stick auf das System zu bringen, scheidet jedenfalls gleich wieder aus. Denn der Omnia unterstützt das Booten von USB nicht. Eine eigene Seite im Debian-Wiki [11] zeigt im Detail, wie sich die Debian-Installation per TFTP bewerkstelligen lässt. Pflichtschuldig weisen die Debian-Entwickler darauf hin, dass sich die Wifi-Karten des Omnia nur mit proprietärer Firmware betreiben lassen, die dem »non-free«-Verzeichnis von Debian trotzdem beiliegt.
Darüber hinaus handelt es sich nach der Debian-Installation auf dem Turris Omnia um ein ganz normales Serversystem, für das man sinnvollerweise aber einen aktuellen Kernel aus dem Backports-Verzeichnis installiert. Alternativ ist es sicher auch keine schlechte Idee, gleich auf den »testing«-Zweig der Distribution zu setzen. Der ist bekanntlich bereits im eingefrorenen Status und dürfte als frische Debian-Version bald das Licht der Welt erblicken.
Für alle weitergehenden Informationen zu Debian auf einem Turris Omnia sei auf die einschlägige Debian-Distribution verwiesen, die etwa beschreibt, wie man aus einer Debian-Installation einen Router macht oder zusätzliche Komponenten wie Cups oder LXC nachinstalliert.
Fazit
Billig ist der Turris Omnia nicht: Mit fast 300 Euro und weiteren Kosten für die fast obligatorische M-SATA-SSD gehört der Wifi-Router zweifellos zu den teuersten Geräten seiner Art. Hardware-seitig bekommt der Anwender dafür aber auch einiges geboren: Dualcore-CPU mit 1,6 Gigahertz, 2 GByte RAM und einen Steckplatz für M-SATA-Laufwerke sucht man bei anderen Herstellern ohne Aussicht auf Erfolg. Die Anbindung der vorhandenen Netzwerkports an das SoC über mehrere Verbindungen sorgt zudem dafür, dass auch auf der Netzwerk-Seite ein Ressourcen-Engpass so schnell nicht zu befürchten ist.
Software-seitig gibt es je nach gewünschtem Einsatzzweck allerdings Licht und Schatten. Einerseits ist die Freude getrübt, weil Turris statt auf echtes Open WRT lieber auf einen selbst gepflegten Fork setzt, der keine großen Vorteile hat. Das zusätzliche GUI etwa wäre problemlos als Aufsatz für Open WRT zu vermarkten. So wären Turris-Omnia-Nutzer in den Genuss des stets aktuellen Open WRT gekommen.
Stattdessen bekommen sie nun eine Uralt-Version (15.05), die in bester LTS-Manier seitens der Turris-Entwickler mit Patches und Updates versorgt wird. Das ließe sich noch ertragen, wäre Turris’ Open WRT wenigstens mit dem offiziellen Open WRT kompatibel. Aber das ist nicht der Fall – Open-WRT-Pakete lassen sich nicht garantiert erfolgreich auf einem Turris Omnia installieren.
Wer Zusatzsoftware braucht, sollte aber ohnehin über LXC nachdenken und auf dem Turris Omnia selbst nur die Software betreiben, die der zur Erfüllung der Kernaufgaben benötigt. Das vermeidet Probleme im Alltag und sorgt dafür, dass der Admin sich nicht ständig mit der Bastelei auf Firmware-Ebene herumschlagen muss. Und dank LXC sind Lösungen wie Pi Hole, Cups, Open HAB und andere Ansätze auf dem Omnia ohne Probleme zu betreiben.
Infos
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Turris Omnia: https://omnia.turris.cz/en/
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Reichelt: https://www.reichelt.de
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Draytek Vigor 130: https://www.draytek.de/vigor130.html
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Technicolor TC4400-EU: https://wikidevi.com/wiki/Technicolor_TC4400
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Multi-Uplink-Setup: https://www.linux-magazin.de/ausgaben/2019/02/redundantes-internet/
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Pi Hole: https://pi-hole.net/
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LXC auf M-SATA im Omnia: https://doc.turris.cz/doc/en/public/lxconmsata
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Pi Hole für den Omnia: https://www.tombrossman.com/blog/2017/how-to-install-pi-hole-on-your-turris-omnia-router/
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Open-WRT-Image für Omnia: http://downloads.openwrt.org/releases/18.06.2/targets/mvebu/cortexa9/
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Open-WRT-Einschränkungen: https://openwrt.org/toh/turris_cz.nic/turris_cz.nic_omnia
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Debian für den Omnia: https://wiki.debian.org/InstallingDebianOn/TurrisOmnia











Vielen Dank für den ausführlichen, fundierten und sachlich richtigen Review des Turris Omnia. Ich habe 3 Turris Omnia seit 2016 im Einsatz und m.E. ist es der beste so-ho Router, welcher als “all-in-one” Lösung zu erwerben ist. In denn 2019/2020 Geräten sind kleine Verbesserungen vorgenommen worden und mit der aktuellen Turris OS 5.x ist man inzwischen auch ziemlich auf dem aktuellen OpenWRT.
Achtung mit der 2022-Version: Hier ist der Einbau einer SSD nicht so einfach möglich, weil man dazu 4 Abstandshalter versetzen müßte, was mit der letzten Version des Boards aber nicht mehr geht, weil die nicht geschraubt sondern permanent am Board montiert sind (in die Löcher gepreßt).