Wetab im Praxistest

Wetab im Einsatz.

Die ersten Anwenderberichte des seit Dienstag im Handel erhältlichen Wetabs waren stark gemischt. Von “unbenutzbar” bis “gefällt mir gut” waren alle Urteile vertreten. Die Kollegen der Linux-Community haben das Tablet nun einem ersten Probelauf unterzogen

Das erste, was bei der Auswahl der Sprache auffällt ist, dass der Bildschirm wie öfter bemängelt wirklich ziemlich blickwinkelabhängig ist. Schräg von unten betrachtet sind die Farben klar verfälscht. Ein kleiner Trick bringt Linderung: Die Drehung des Wetabs um 180 Grad (der Bildschirminhalt dreht sich mit) behebt die Farbverfälschung, macht das Bild aber wiederum etwas kontrastloser und die Farben flauer.

Wetab im Einsatz.

Wetab im Einsatz.

Ein Assistent führt den Anwender durch die Einrichtung, die im Endeffekt aus Eingabe der Anwenderdaten, Bestätigung der AGBs und Einwahl in bestehende WLAN-Netze besteht. Danach werden noch die ersten Updates geladen und dann ist auch schon alles bereit zum ersten Boot. Dieser geht in etwa 20 Sekunden flott vonstatten, der Anwender wird von der Wetab-OS GUI begrüßt, die aus der Pinnwand mit den Widgets und den beiden Seitenleisten besteht.

Der gut gemachte Wetab-Einrichtungsassistent beim ersten Start

Der gut gemachte Wetab-Einrichtungsassistent beim ersten Start


Viele Widgets/Anwendungen sind schon vorinstalliert, beispielsweise ein Wetter-, Übersetzungs- Nachrichten- oder Tagesschau-Widget (mit Video direkt im Widget), ein eBook-Reader (FBreader), ein Kalender-, Adressbuch- und Mailprogramm (Claws Mail) sowie zwei Mediaplayer (Totem und Banshee). Interessant fanden wir die Wahl von Microsofts Bing als Karten-Widget. Der Webkit-basierte Browser ist direkt rechts über den Knopf “Internet” zu starten.
Der Bildschirm zeigt schnell die üblichen Fingertappsen, aber dieses Schicksal teilen alle Tablets. Praktisch: Der mitgelieferte Tragebeutel eignet sich auch zum Polieren des Bildschirms.
Einige der Anwendungen sind schon auf Touchpad und Wetab-Bedienung optimiert, andere noch nicht. Je nach Anwendung ist dies mehr oder weniger schwerwiegend, aus dem Präsentationsmodus von Openoffice Impress kommt man beispielsweise nur über die Taste oben links, die über einen ACPI-Event den Vollbildmodus beendet. Versehentlich drückt man beim Handhaben des Geräts immer wieder mal auf diese Taste, woraufhin jedes mal ein Fenster aufgeht, der Hersteller will dieses Verhalten allerdings im nächsten Update beheben, so dass man einen Doppelklick auf den Knopf machen muss. Totem ist schon aufs Wetab angepasst und funktioniert recht gut, sämtliche Codecs sind schon vorinstalliert, das Gerät spielt MOVs, Xvid-AVIs, MP4s und MKVs ohne Murren – da wir die große Version des Wetab mit Broadcom CrystalHD-Chip haben, geht dies sogar bis 1080p hardwarebeschleunigt. Lediglich bei Dolby Digital-Ton hören wir nur Stille, diesen Codec hätte Wetab durchaus auch noch lizenzieren können. Ein paar kleinere Probleme fallen uns auf, beispielsweise dass Totem die globale Lautstärke bei jedem neuen Video wieder auf Maximum stellt oder dass die Bedienelemente im Vollbildmodus manchmal nicht ausgeblendet werden nach ein paar Sekunden. Bei Banshee sieht es hingegen noch mager aus in Sachen Anpassung, das Programm ist mit dem Touchscreen recht umständlich zu bedienen.
Über den Knopf links an der Rückseite schaltet man das Gerät aus oder schickt es schlafen – eine dritte Option um nur den Bildschirm auszuschalten, wenn man beispielsweise Musik hört und Strom sparen will, wäre sinnvoll gewesen. Der Knopf ist so bündig mit dem Rest der Rückseite, dass man ihn fast nicht ertasten kann, etwas mehr Haptik-Freundlichkeit wäre sinnvoll gewesen.
Über den Wetab Market installieren sie Widgets und Anwendungen

Über den Wetab Market installieren sie Widgets und Anwendungen


Im Wetab Market installieren wir Chrome, eine Rootshell und das Webcam-Programm Cheese. Obwohl der Market selbst etwas träge reagiert funktioniert die Installation schnell und bedienerfreundlich, die Widgets erscheinen auf der Pinnwand und informieren über einen Fortschrittsbalken über ihren Lade- und Installationsfortschritt -ganz wie bei Apples I-Phone/I-Pad.
Die Anwendungen starten zumeist sehr flott, das Bedienkonzept über die Pinnwand-Scrolleiste rechts und den “Expose-Modus”, in dem alle offenen Fenster eingeblendet und auch geschlossen werden können ist intuitiv und man gewöhnt sich schnell daran. Dass ganz oben rechts, wo nach Fitt’s law einer der wichtigsten Punkte liegt, da man dort kaum zielen muss, der Knopf zum Anpassen der Pinnwand liegt ist usability-technisch allerdings nicht so sinnvoll. Für den weit öfter genutzten X-Button zum Schließen eines Fensters, der direkt daneben liegt, muss man hingegen richtig zielen.
Etwas umständlich zu benutzen ist die virtuelle Tastatur, die man über einen Knopf unten rechts einblendet. Da das Wetab einen riesigen 11,6″-Bildschirm hat, kommen Menschen mit normal großen Händen kaum an die mittleren Tasten, wenn man das Gerät mit beiden Händen hält und die Tasten mit dem Daumen drückt. Die bei den Scrollbalken sehr löblich umgesetzte daumenorientierte Bedienung hätte man hier auch konsequent fortführen müssen, beispielsweise durch Teilen der Tastatur, so dass alle Tasten leicht mit den Daumen erreichbar sind.
Pfiffig finden wir die Idee, beim Einstecken eines USB-Sticks einen kleinen Reiter auf dem Bildschirm direkt neben den USB-Ports zu öffnen, der beim Ausklappen diverse Aktionen (Bilder/Videos browsen, auswerfen) ermöglicht.

Der integrierte Filebrowser muss noch dringend überarbeitet werden. Eine Option zum Umbenennen von Dateien fehlt beispielsweise vollkommen – was besonders ärgerlich ist, wenn man die über den Escape-Button erstellten Screenshots auf einen USB-Stick kopieren will, denn die Dateinamen enthalten die Erstellungsuhrzeit – inklusive Doppelpunkten. Ein Kopieren ist somit nicht möglich, auch eine Option zum archivieren fehlt. Den vollständigen Bericht finden Sie bei der Linux-Community.

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