VMware kritisiert Microsoft

VMware, Hersteller der gleichnamigen Virtualisierungs-Software, wirft der Firma Microsoft vor, ihre marktbeherrschende Stellung zu missbrauchen und Kunden in ihrer Wahlfreiheit einzuschränken.

Der Vorwurf an die Adresse Microsofts ist nicht neu, aber der Absender ist ungewohnt. VMware liefert eine Reihe Argumente, die direkt auf die aktuelle Microsoft-Lizenzpolitik Bezug nehmen. In einem Whitepaper auf seiner Webseite legt die amerikanische Virtualisierungsfirma ihre Vorwürfe in sieben Punkten dar und untermalt sie mit Screenshots.

Die Liste beginnt damit, dass Microsoft nur den Kunden Support bei der Virtualisierung von Microsoft-Produkten gewährt, die die höchste (und teuerste) Supportstufe in Anspruch nehmen, den so genannten Premier Level Support. Als zweites nennt VMware die Bestimmung Microsofts, dass virtuelle Maschinen (VM) nicht auf der Virtualisierungs-Software anderer Hersteller laufen dürfen. Wer also die Images nutzen möchte, soll nach Microsofts Wunsch zunächst die hauseigenen Produkte Virtual Server oder Virtual PC installieren, die das MS-Format VHD nutzen.

VMware stellt dem Microsoft-Format VHD (Virtual Hard Disk) das Format VMDK (Virtual Machine Disk) gegenüber. Einige VHD-Formate seien sogar so programmiert, dass sie Microsofts virtuelle Software deaktivieren, sobald sie auf Systemen anderer Hersteller eingesetzt würden. VMware betont, dass das Format VMDK im Gegensatz zu VHD frei verfügbar sei. Außerdem verbiete Microsoft in den VHD-Lizenzvereinbarungen ausdrücklich, virtuelle Maschinen in irgendein anderes Format als VHD zu übersetzen.

Als fünften Kritikpunkt nennt VMware, dass Microsoft einen der größten Vorteile virtueller Technologie, die Mobilität, stark einschränkt. Anwendungen und Betriebssysteme ließen sich in Form einer virtuelle Maschine einfach wie eine Datei und von einem Rechner zum anderen transportieren. Neue Microsoft-Lizenzen verlangten aber, dass Betriebssystemlizenzen nur für eine bestimmte Hardware gelten und nicht übertragen werden dürfen. Dies gelte ebenfalls für eine VM, bemängelt VMWare.

Schließlich rügt VMware, dass die Programmierschnittstellen (API) für Longhorn nicht freigegeben seien. APIs für die Kommunikation zwischen Windows und dem Microsoft-Hypervisor habe Microsoft im Juni 2006 zwar der Öffentlichkeit vorgestellt, nutzen dürften andere Software-Herstellern diese jedoch nicht. Mit einer Ausnahme: Das Unternehmen Novell, das sich das Recht mit der umstrittenen Kooperation mit Microsoft nach Meinung von VMware erkauft hat.

VMware vertritt die Meinung, Microsoft selbst besitze keine Kompetenz für Virtualisierungs-Technologie. Daher handle Microsoft gegen das allgemeine Marktinteresse und versuche, für die eigenen Kunden den Einsatz von Virtualisierung teuer oder sogar illegal zu machen. VMware glaubt, dass das für Microsoft der einzige Weg sei, der Industrie die eigenen APIs aufzuzwingen.

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